Der Alltag der Augustiner Chorfrauen im BMV-Kloster

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Bei „WAZ öffnet Pforten“ erhielten Leserinnen einen Einblick in das Leben der Augustiner Chorfrauen im BMV-Kloster. Neue Schwester kommt in Kürze.

Essen.. Eine freudige Nachricht wollte Schwester Beate, Oberin der Augustiner Chorfrauen im BMV-Kloster, den zehn WAZ-Leserinnen auf keinen Fall vorenthalten: „Am 15. August erhalten wir Zuwachs. Dann kommt Schwester Katharina zu uns. Sie ist 25, hat gerade ihr Studium in Theologie und Englisch abgeschlossen und möchte in unseren Orden eintreten“, freut sich Schwester Beate, dass die Gemeinschaft bald auf 13 anwächst. Seit sieben Jahren steht sie dem Kloster vor, unterrichtet mit zwei weiteren Schwestern an der BMV-Schule.

Mädchenbildung ist von Beginn an die Aufgabe des Ordens, der 1597 von Pierre Fourier in Lothringen gegründet wurde. Schon 1652 entstand das Kloster in der Essener Innenstadt. 1931 zogen die Schwestern zum heutigen Standort an der Bardelebenstraße in Holsterhausen um, skizziert Schwester Beate die Geschichte des Hauses.

Gemeinschaftsräume, Kirche und Klostergarten konnten die WAZ-Leserinnen besichtigen. Schwester Beate stellte ihnen den Tagesablauf und die Aufgaben der Schwestern vor. „Wir sind ein Familienkloster, das heißt, wir treten hier ein und werden auch nicht versetzt“, so die Oberin.

Über neue Mitglieder stimmen die Schwestern geheim ab. Nach dem Noviziat, einer Art Probezeit, folgen die zeitliche und schließlich die ewige Profess. Erst letztgenannte bedeutet den endgültigen Eintritt in den Orden. „Das andere sind Vorstufen, die bei der Entscheidung helfen sollen, ob diese Lebensform tatsächlich die richtige für das gesamte Leben ist“, erklärt Schwester Beate. Mindestens fünf Jahre dauere diese Phase.

„Kann man für ein paar Tage zur Entspannung ins Kloster gehen?“, will eine Leserin wissen. Kommerziellen Gästebetrieb könnten und dürften sie nicht durchführen, so Schwester Beate. „Der Aufwand wäre auch zu groß. Neben den drei Schwestern im Schuldienst gibt es nur deutlich ältere, die zum Teil weit über 80 sind. Für Gäste müssten wir zusätzlich Leute einstellen, das können wir finanziell nicht“, so die Oberin, die gerade mit Schwester Regina (31) vom Wanderurlaub in Garmisch-Partenkirchen zurückgekommen ist.

Vier Schwestern mit Führerschein teilen sich zwei Autos. „Das reicht. Einen Engpass gibt es nur, wenn jemand mit dem einen Fahrzeug im Urlaub ist und das andere in die Werkstatt muss“, so Schwester Beate. „Notfalls bitte ich meine Eltern, uns das Auto zu leihen“, sagt Schwester Regina, deren Familie ursprünglich nicht begeistert war, dass sie ins Kloster wollte.

Einkaufen gehen die Schwestern nur selten: Die Mahlzeiten bereitet eine angestellte Köchin zu. Kleinigkeiten wie Handcreme oder Streichhölzer gibt es im Klosterladen, Geld für größere Anschaffungen wie Schuhe holt man sich bei der für die Finanzen zuständigen Schwester.

Taschengeld im klassischen Sinne gebe es nicht. „Wir haben alles, was wir brauchen. Es muss ja nicht das Neueste und Beste sein, das würde unserem Armutsgelübde widersprechen. Aber im Unterricht müssen wir schon auf dem neuesten Stand sein, so dass wir natürlich Computer und Handy haben“, erklärt die Oberin. Geschenke von der Familie dürften die Schwestern behalten. „Früher musste man die bei der Oberin abgeben, heute ist das alles nicht mehr so streng.“

Ein Glas Wein bei passender Gelegenheit sei schon erlaubt, beantwortet Schwester Beate die Frage einer WAZ-Leserin. Und ins Kloster eintreten, obwohl man bereits verheiratet war? „Auch das gibt es. Eine von uns war verheiratet, der Mann ist im Krieg gefallen“, erzählt Schwester Beate. Wenn eine Frau Kinder habe, müssten die allerdings über 18 sein und für sich selbst sorgen können, bevor sie eintrete.

 
 

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