Depression: Veranstaltungsreihe für Betroffene

Für Migranten stellt eine Depression ein besonderes Problem dar, denn „drüber reden“ gehört sich unter Türken noch weniger als in deutschen Kreisen, sagen Experten.
Für Migranten stellt eine Depression ein besonderes Problem dar, denn „drüber reden“ gehört sich unter Türken noch weniger als in deutschen Kreisen, sagen Experten.
Foto: Getty Images/iStockphoto
An vier Abenden – einer davon in türkischer Sprache – können sich Kranke, Angehörige und Interessierte in Essen-Altendorf austauschen.

Essen.. Für das Wort „Selbsthilfe“ gibt es keine türkische Übersetzung. „Migranten wissen oft nicht, an wen man sich wenden kann“, berichtet Jale Yildiz, eine türkischstämmige Sozialarbeiterin. Beim Thema Depression ist das besonders dramatisch, denn die Fallzahlen sind hoch, unter Deutschen wie unter Migranten. „Das Problem bei Migranten ist“, sagt Yildiz, „dass das Thema Depression noch tabuisierter ist als in der deutschen Gesellschaft.“

An alle Betroffenen – deutsche wie türkische – richtet sich deshalb eine Veranstaltungsreihe, die in der nächsten Woche beginnt und ein erwartbar großes Echo hervorrufen wird: „Depression -- wir reden darüber“ heißt die Reihe, traditionell kommen mehr als 100 Bürger, Betroffene, Angehörige, Interessierte, und das Konzept der Reihe ist entwaffnend einfach: Keine Fachvorträge, kein Zwang, sich vor Fremden zu offenbaren – sondern: Einfach ein großer Stuhlkreis, man kann sich einfach hinsetzen und zuhören.

Am Anfang redet kurz eine Psychotherapeutin, dann sind die Bürger an der Reihe. Wer will, kann von seinen Erfahrungen berichten. Wer will, kann Fragen stellen. „Wir wollen, dass das Tabu Depression gebrochen wird, und wir wollen Hilfestellungen leisten“, sagt Ulrike Geffert, Mitglied im Essener Bündnis gegen Depression. Und Gabriele Becker von der Selbsthilfezentrale „Wiese“, stellt klar: „Viele Erkrankte wissen nicht um ihre Erkrankung, spüren nur, dass mit ihnen etwas nicht stimmt.“

Veranstaltung in türkischer Sprache

Die Veranstaltung, die bereits zum siebten Mal stattfindet, tagt in diesem Jahr erstmals in Altendorf. Das erste Treffen am Dienstag, 3. März, steht unter der Überschrift „Schlecht drauf oder depressiv?“ Dabei geht es vor allem um die Klärung von Grundsätzlichkeiten - wo hört eine Verstimmung auf, wo fängt eine Depression an? Eine Woche später, am Dienstag, 10. März, geht es dann eher um Hilfe-Themen: „Wege aus dem Tief“ heißt es an diesem Abend. In der Woche darauf (Dienstag, 17. März) stehen vor allem jene im Fokus, die mitleiden: „Wie gehe ich als Angehöriger mit der Erkrankung um?“ Stets wird die Runde begleitet von einer erfahrenen Psychotherapeutin, die am Anfang einige Impulse setzt.

An türkische Migranten richtet sich dann die Veranstaltung am Dienstag, 24. März, die sozusagen als inhaltliche Zusammenfassung der drei vorhergegangenen verstanden werden kann: „Depression -- wir reden darüber in türkischer Sprache.“ Es moderiert Sevgi Heß, eine türkischstämmige Diplompsychologin.

Alle Veranstaltungen sind kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Der Ort der Veranstaltungsreihe ist das Wilhelm-Selle-Haus, Grieperstraße 19a, Altendorf,

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