Denkmal-Streit um das Café Overbeck in Essen

Martin Spletter
Typisch 1955: In diesem Jahr wurde das Haus an der Kettwiger Straße errichtet, 1956 startete das Café. Neben der geschwungenen Neonschrift sind die Mosaikplatten (Hintergrund) markante Markenzeichen der eleganten Nachkriegsarchitektur.
Typisch 1955: In diesem Jahr wurde das Haus an der Kettwiger Straße errichtet, 1956 startete das Café. Neben der geschwungenen Neonschrift sind die Mosaikplatten (Hintergrund) markante Markenzeichen der eleganten Nachkriegsarchitektur.
Foto: Essen
Denkmalbehörde möchte Gebäude aus den Fünfziger Jahre als Baudenkmal eintragen. Betreiber-Familie wehrt sich offenbar dagegen seit Jahren. Gutachten über den Denkmal-Wert des Hauses im Sommer fertig. Gerüchte über Einzug eines Drogeriemarktes bislang haltlos.

Essen. Ein Denkmal-Streit, der bis vor kurzem nur im Verborgenen geführt wurde, spitzt sich in diesen Wochen zu: Bis zum Sommer soll feststehen, ob das berühmte Café Overbeck an der Kettwiger Straße ein Baudenkmal wird oder nicht. Die Betreiber-Familie, der die Immobilie gehört, wehrt sich dem Vernehmen nach schon lange dagegen – doch das Rheinische Amt für Denkmalpflege schließt demnächst die Arbeiten an einem Gutachten ab, das ermitteln soll, ob das Haus, Mitte der Fünfziger Jahre errichtet, einen bedeutenden Denkmalwert besitzt.

Ist ein Haus ein Baudenkmal, muss der Eigentümer bauliche Veränderungen stets beantragen. Umbauten oder energiesparende Sanierungsmaßnahmen können dann besonders kompliziert und entsprechend teuer werden, auch wenn „wirtschaftliche Aspekte“ immer bedacht werden sollen. Ein Gebäude kann grundsätzlich gegen den Willen des Eigentümers in die Denkmalliste der Stadt eingetragen werden – das ist gesetzlich so vorgeschrieben.

Das Café Overbeck, errichtet Mitte der Fünfziger Jahre, zählt bislang zwar zur „erhaltenswerten Architektur der Fünfziger Jahre“. So heißt eine Liste von Essener Bauten, die vor rund 20 Jahren mal angelegt wurde. Unter Denkmalschutz steht das Café Overbeck jedoch bislang nicht. Sein Schöpfer ist in Fachkreisen recht anerkannt; der Architekt Wilhelm Johannes Koep hat zum Beispiel auch das „Blaugold“-Haus in Köln errichtet, direkt gegenüber vom Dom.

Das Café Overbeck hat eine ähnlich charakteristische Fassade aus Mosaikplättchen-Elementen. Im Innern steht für allem die runde, geschwungene Treppe für den Stil der Zeit. „Kein Gebäude in der Stadt spiegelt auf eine so originelle Weise den Swing der fünfziger Jahre“, schreiben jetzt Johannes von Geymüller, Werner Ruhnau und Axel Wiesener vom informellen „Arbeitskreis 2030“, einer Versammlung von Architekten und Planern. Sie haben einen „offenen Brief“ an den Oberbürgermeister verfasst. „Wir fordern die Stadt mit Nachdruck auf, dieses Haus in die Denkmalliste eintragen zu lassen.“ Gerüchte, dass Overbeck den Betrieb einstellen wird und ein „Rossmann“-Drogeriemarkt ins Gebäude ziehen soll, erweisen sich unterdessen als haltlos: „Wir stehen nicht in Verhandlung und haben auch kein Angebot erhalten“, heißt es bei Rossmann. Auch der städtischen Bauverwaltung liegen weder Antrag noch Vor-Anfrage für Umbauten vor. Die Betreiberfamilie erklärt: „Overbeck hat schon viele Gerüchte überlebt.“ Mehr wolle man nicht sagen.