Den Saboteuren auf der Spur

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Einer der Hooligans, die im Oktober die Vorführung einer Neonazi-Filmdokumentation beim Awo-Fanprojekt verhindert haben, ist identifiziert. Von dem 35-Jährigen erhoffen sich die Behörden Hinweise auf Komplizen.

Essen..  Knapp drei Monate nach den Übergriffen von Hooligans aus dem Umfeld von Rot-Weiss Essen auf das Awo-Fanprojekt anlässlich der geplanten Schau einer Neonazi-Dokumentation sind die Ermittler den rechten Saboteuren ein Stück näher gekommen: Die Staatsanwaltschaft lässt gegen einen 35-jährigen Essener ermitteln, der am 16. Oktober mit von der Partie gewesen sein soll, als eine größere Gruppe die Veranstaltung zum Teil mit Gewaltandrohungen sprengte (die NRZ berichtete).

„Der Mann ist bei einer Lichtbildvorlage von drei Zeugen identifiziert worden“, sagte Staatsanwalt Rainer Kock gestern auf Nachfrage der NRZ: „Er war dabei.“ Der 35-Jährige soll nun vernommen werden, „in der Hoffnung, dass wir weitere Hinweise auf maßgebliche Beteiligte bekommen“, so Kock.

Die Erklärung der mutmaßlichen Täter, die sich nach eigener Darstellung zu Unrecht in die rechte Ecke gedrängt sahen, ihr Auftreten sei im Zusammenhang mit der Forderung „Keine Politik im Stadion“ zu sehen, hatte nicht nur RWE-Vorstand Michael Welling nicht gelten lassen. Nachdem die Behörden Ermittlungen von Amts wegen eingeleitet hatte, erstattete auch der Verein Anzeige gegen Unbekannt wegen Bedrohung und Nötigung. „Wir wollen mit der Anzeige ganz deutlich Stellung beziehen“, erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende Christian Hülsmann. Einen Monat wurde der Film „Blut muss fließen“ ohne Zwischenfälle im Assindia-Bereich des Stadions gezeigt.

Nach Berichten von Augenzeugen soll die offenbar gewaltbereite Gruppe, die Anwesenden Schläge angedroht haben soll, „Alte Garde Essen“-T-Shirts getragen haben. Nach Recherchen der Antifa Essen Z unterhielten deren Mitglieder Kontakte zu neonazistischen Gruppierungen wie Nordsturm Brema und Standarte Bremen. Dies geht aus dem jetzt veröffentlichten Jahresbericht der nach eigenen Angaben linksradikalen Gruppe hervor. In dem selbst durch die rote Brille gelesenen Dossier erscheint das Jahr 2013 in der Rückschau eher blassbraun. Unerwartet seien die Aktivitäten der NPD im vergangenen Jahr „massiv zurückgegangen“. Während die rechte Partei im Jahr zuvor noch sieben öffentliche Versammlungen organisierte und an etwa 15 Wahlkampfständen Propaganda betrieb, seien im vergangenen Jahr gerade einmal drei Kundgebungen auf die Beine gestellt worden, so die Verfasser. Auch die parteiunabhängige Kameradschaftsszene habe kaum nennenswerte Aktivitäten entwickelt.

Für das noch junge Jahr erwarten die Linken im Vorfeld der Kommunalwahl zwar ein stärkeres Auftreten der extrem rechten Parteien. Dies gelte insbesondere für „Pro NRW“. Von den meisten Akteuren der organisierten rechten Szene in Essen gehe momentan jedoch keine konkrete Gefahr aus. „Dennoch zeigt vor allem die aktuelle Flüchtlings- und Zuwanderungsdebatte deutlich, dass die Positionen der bürgerlichen Mitte immer wieder Anknüpfungspunkte für extrem rechte Gruppierungen bieten“, heißt es in dem Bericht.

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