Dem Essener Traditionscafé Overbeck droht die Pleite

Martin Spletter
Seit 1956 an der Kettwiger Straße: Das Café Overbeck ist Generationen von Essenern ein Begriff.
Seit 1956 an der Kettwiger Straße: Das Café Overbeck ist Generationen von Essenern ein Begriff.
Foto: Essen
Der Traditionsbetrieb auf der Kettwiger Straße hat Insolvenz angemeldet. Die Geschäfte sollen aber vorerst weiterlaufen. Gesucht wird jetzt ein neuer Betreiber, der den renommierten Konditoreibetrieb in eine neue Zukunft führt. Dabei könnte der Denkmalschutz ein entscheidendes Problem sein.

Essen. Dem Café Overbeck auf der Kettwiger Straße droht die Pleite. Der Traditionsbetrieb hat am Mittwoch beim Amtsgericht Antrag auf Insolvenz eingereicht. Das berichtet Inhaber Eckard Overbeck (56). Der Betrieb geht aber vorerst weiter, und alle Beteiligten hoffen auf einen neuen Betreiber. Der muss jedoch erst noch gefunden werden.

„Uns droht die Zahlungs-Unfähigkeit“, sagt Eckard Overbeck, der das Café in dritter Generation führt. 1932 war Overbeck gegründet worden, seit 1956 gibt es das Kaffeehaus an der Kettwiger Straße gegenüber vom Glockenspiel. Eine weitere Filiale gibt es noch auf der Rüttenscheider Straße; zwei frühere Geschäfte an der Hauptpost und auf der Limbecker Straße waren im Jahr 2000 geschlossen worden.

Viele Mitarbeiter arbeiten seit Jahrzehnten bei Overbeck

Akut gefährdet sind jetzt 17 Vollzeit- und neun Teilzeit-Jobs; außerdem sind bei Overbeck rund 20 Saisonkräfte beschäftigt. Viele Mitarbeiter arbeiten seit Jahrzehnten bei Overbeck.

Als schicksalshaft entpuppte sich dieser Sommer, als nebenan, in einem benachbarten Schuhhaus, großflächig umgebaut wurde. „Der Dreck und Lärm hat uns das Terrassengeschäft weitgehend verdorben“, sagt Overbeck. Er berichtet von einem Umsatzrückgang in diesem Zeitraum von bis zu 20 Prozent. Außerdem seien grundsätzlich die gestiegenen Energiekosten immer schwerer zu bewältigen. „Wir zahlen rund 5000 Euro Strom-Abschlag pro Monat.“

Das liegt sicher auch an der Immobilie, die als Vorzeige-Objekt der Architektur der Fünfziger Jahre gilt, jedoch einige Tücken in sich birgt – zum Beispiel, was den Energieverlust angeht. Das Café Overbeck war zuletzt in den Fokus des Denkmalschutzes geraten. Das Rheinische Amt für Denkmalpflege möchte weite Teile des Gebäudes gerne zum Baudenkmal erklären. Eine Entscheidung darüber steht noch aus.

Die Diskussion um den Denkmalschutz, beteuert Overbeck, habe nichts mit den aktuellen geschäftlichen Schwierigkeiten zu tun. Doch die Suche nach einem neuen Betreiber dürfte sich schwieriger gestalten, wenn der Denkmalschutz verhindert, dass im Café Overbeck künftig nichts mehr verändert werden darf.

Original-Interieur aus den Fünfzigern extra in Italien nachbauen lassen

Doch dass die seit Generationen strahlende Konditor-Marke Overbeck gewaltiges Potenzial hat, daran glaubt die Familie Overbeck und auch der Insolvenzverwalter. „Wenn ein neuer Betreiber das erkennt und womöglich auch das regionale Geschäft versteht, wäre das eine echte Chance“, sagt Rechtsanwalt Rolf-Otto Neukirchen, der zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt worden ist.

Trotz seiner Beständigkeit und seines guten Rufes hat Overbeck unter den dramatischen Entwicklungen im Konsumverhalten der Bürger gelitten: Dass auch Eisdielen heute Frühstück anbieten und beim Bäcker alles „to go“ verkauft wird, hat langfristig auch Folgen gehabt für die Bilanzen bei Overbeck. Dass das Café mit seiner imposanten, geschwungenen Treppe die Toiletten nur im Keller hat und die meisten Sitzplätze im zweiten Geschoss liegen, hat sicherlich nicht dazu beigetragen, dass auch betagte Stammkunden, denen das Gehen immer schwerer fällt, dem Haus die Treue halten konnten.

Dem oft formulierten Vorwurf, ins Haus sei jahrzehntelang zu wenig investiert worden, entgegnet Eckard Overbeck: „Wir haben sehr viel gemacht – auch Sachen, die man nicht sieht.“ Beispiel: Zuletzt seien noch 120 Stühle ausgetauscht worden; das Original-Interieur aus den Fünfzigern habe man extra in Italien nachbauen lassen.

Bis Ende des Jahres, heißt es, wird der Betrieb zunächst unverändert fortgeführt. Gefragt ist jetzt ein neuer Betreiber mit Sachverstand und womöglich auch etwas Mut. Insolvenzverwalter Neukirchen: „Wir sind für jeden Vorschlag offen.“