Essen

„Defend Ruhrpott“: Das steckt hinter der Organisation – und darum beobachtet die Polizei sie besonders

Dieser Flyer landete bei der Autorin des Artikels im Briefkasten.
Dieser Flyer landete bei der Autorin des Artikels im Briefkasten.
Foto: DER WESTEN

Essen. Morgens am Briefkasten: Wieder ein Flyer, der der Autorin dieses Artikels entgegenfällt, obwohl auf dem Briefkasten explizit steht:„Werbung verboten“. Dieses Mal ist es allerdings kein weiterer Pizza-Lieferdienst, für den geworben wird. Sondern es geht um den angeblichen Bevölkerungswandel im Ruhrgebiet. Um Islamisierung, um Gegengesellschaften. Ein Flyer, der nicht nur in einem Briefkasten verteilt wurde, sondern in vielen im gesamten Ruhrgebiet.

„Wir wissen von diesen Flyern und wir beobachten die Bewegung sehr genau“, bestätigt Christoph Wickhorst, Sprecher der Polizei Essen gegenüber DER WESTEN.

Flyer der Identitären Bewegung im Briefkasten: Polizei Essen hat Mitglieder auf dem Radar

Die Flyer sind von der Identitären Bewegung. Eine mittlerweile zwar sehr geschrumpfte Organisation, wie die Polizei weiß, aber nicht minder aktiv.

Anstatt „Identitäre“ nennt sich die Bewegung im Ruhrgebiet nun „Defend Ruhrpott“ oder „Ruhrpott Roulette“, wie Rise-Up Bochum berichtet.

Auf dem Flyer ziert ein typisches Bergwerkslogo in der Mitte der beiden Wörter. Laut dem Flugblatt geht es der Organisation um Clankriminalität (mit K anstatt C geschrieben) und die Angst vor einem Bevölkerungswandel in NRW.

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Organisation eher von studentischer Art

Dieser wird auch sehr detailliert mit zahlreichen Quellen aufgezeigt, daneben stehen die Bedingungen gelingender Integration. Und auf dem nächsten Blatt die Forderungen der Identitären an die Politik. Die Mitglieder fordern die Beendigung der Zusammenarbeit mit Imamen, das Ende der Finanzierung linksextremer Gruppierungen und die europäischen Außengrenzen sollen geschützt werden.

„Im Moment sind es sehr wenige Leute im Ruhrgebiet. Wir haben sie trotzdem auf dem Schirm und wissen von ihnen. Denn aus einer solch kleinen Bewegung kann auch schnell mehr werden. Sie sind eher studentischer Art“, so Wickhorst.

Im Essener Norden sollen die Mitglieder besonders aktiv sein

Besonders im Essener Norden waren sie eine Zeitlang sehr aktiv, mittlerweile habe sich das Wirkungsgebiet verschoben. Warum gerade jetzt kurz vor der Europawahl Flugblätter von der in letzter Zeit eher unauffälligen Bewegung auftauchen, ist unklar.

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Auf die Anfrage von DER WESTEN hat „Defend Ruhrpott“ bisher nicht reagiert. Klar ist allerdings, dass die Flugblätter nur vereinzelt verteilt werden. Eine Begründung dafür gibt es bisher nicht.

Identitäre waren zuletzt im Zusammenhang mit der Polizei Duisburg in die Öffentlichkeit geraten

Zuletzt waren die Identitären im Ruhrgebiet in die Öffentlichkeit geraten, als in einem Streifenwagen der Duisburger Polizei ein Sticker der Organisation gefunden wurde. (>>> hier der ganze Artikel)

Die Identitäre Bewegung steht unter der Beobachtung des Verfassungsschutzes. Einige Mitglieder sollen laut diesem Kontakte in die rechtsextremistische Szene haben. Die Bewegung wird durch den Verfassungsschutz als eine Vereinigung mit rechtsgesinnter „...modernisierter Variante einer völkischen Ideologie..." eingestuft. (fb)

 
 

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