Das Schwimmzentrum Oststadt im Essener Bädertest

Das Schwimmzentrum Oststadt hat eine millionenschwere Sanierung hinter sich und erlebt nun einen Besucher-Boom.
Das Schwimmzentrum Oststadt hat eine millionenschwere Sanierung hinter sich und erlebt nun einen Besucher-Boom.
Das Schwimmzentrum Oststadt hat eine millionenschwere Sanierung hinter sich und erlebt nun einen Besucher-Boom. Und den hat es auch verdient.

Essen.. Im Schwimmzentrum Oststadt haben sie zuletzt etwas erlebt, das in Essens Bäderlandschaft als Wunder gelten kann: Für 5,1 Millionen Euro wurde das 1977 fertiggestellte Hallenbad saniert. Anderthalb Jahre lang dauerten die Arbeiten, konnte nur das Freibad im Sommer genutzt werden. Seit der Wiedereröffnung als „Bad und Sport Oststadt“ gibt es einen Boom: „Die Besucherzahlen sind um 40 Prozent gestiegen“, sagt Badleiter Michael Bach. Dauerhaft werde man das wohl nicht ganz halten können, weil mancher nur einmal aus Neugier vorbeischaue. Doch auf die Badegäste, die bisher im jüngst geschlossenen Bad am Südpark schwammen, darf man setzen – und auf all jene, die sich in das neue schmucke Bad verlieben.

Der erste Eindruck

Das Foyer ist großzügig, von hier aus weisen Farben zum Bad (Apfelgrün) sowie zum Sport- und Gesundheitszentrum der MTG Horst (Rostrot). Das Bad liegt im ersten Stock und ist trotzdem hundertprozentig barrierefrei. Am Testtag muckt allerdings der Aufzug, doch Bach spricht von einem behebbaren Problem. In diesem Fall sieht das so aus, dass die Dame sich die Treppe hochmüht und der Badleiter den Rollator trägt.

Die Umkleiden

Oben angekommen, öffnet Bach das Drehkreuz, lässt die Dame in den grün gestalteten Umkleidebereich. Einige alte Spinde wurden erhalten, dennoch meint man, sich in einer rundum neuen Anlage zu bewegen. Piktogramme mit Zöpfen bzw. Käppi weisen auf Damen- und Herren-Umkleide; die Föne sind frei beweglich, Ablage und Spiegel gibt es dazu. Der tolle Gesamteindruck wird nur durch die verringerte Kabinenzahl beeinträchtigt: Darüber ärgern sich besonders die vielen Frauen, die die Wassergymnastik-Kurse besuchen. „Ein kompletter Trakt ist an die MTG gegangen. Wir müssen das jetzt entzerren“, bestätigt Bach. So reserviere man etwa Sammelumkleiden für die Kursteilnehmer.

Die Duschen

Kleine Abstriche gibt’s auch bei den Duschen: Sie sind blitzblank, der Wasserdruck ist gut, der Boden so modelliert, dass Wasser gut abfließt; es gibt einen Sitz. Aber Stammgäste vermissen die separate Duschkabine. Und: Wer sich im Duschraum abtrocknen will, steht zwischen beiden Türen. Kommt nun jemand aus dem Bad oder von den Umkleiden, steht man nackt auf dem Präsentierteller. Das ist keine Fehlkonstruktion: Der breite Gang von Tür zu Tür ist für Rollstuhlfahrer angelegt.

Halle und Becken

Die lang gestreckte Halle, in der sich das Rot-Grün-Weiße-Farbkonzept fortsetzt, besticht durch ihre großzügige Anlage – und viele kleine Details. Etwa praktische Schließfächer für Wertsachen oder den Wickeltisch nahe des Babybeckens. Das wird gerade von Andrea und Dirk Likar mit ihrer Tochter Katja getestet. Mit ihrem Schwimmtier übt sich die Dreijährige in Wassergewöhnung, bevor sie sich mit dem Vater ans Lehrschwimmbecken wagt: Denn hier beschleunigt die Schlangenrutsche den Weg ins Wasser.

Das kleine Becken wird nicht nur von Kindern genutzt, sondern auch von den Fitnesskursen, die so nicht den Schwimmern ins Gehege kommen. Die haben ihr eigenes Becken (10 x 25 m), das an diesem Donnerstagmorgen sehr gut besucht ist. Wieso erklärt exemplarisch Anneliese Steflitsch, die mit einer Bekannten aus Bergerhausen anreist und ein, zwei Mal wöchentlich eine gute Stunde lang schwimmt: „Wir sind fürs warme Wasser.“ Und Donnerstag ist eben Warmbadetag mit 30 Grad in Freisenbruch.

Die Badegäste

Natürlich ist die Wassertemperatur für viele, die heute da sind, ein Argument. Aber es gibt auch Fans wie Peter Plettau aus Königssteele, der seit zwölf Jahren täglich hier schwimmt: „Immer anderthalb Stunden lang – Bahnen zähle ich nicht.“ Während der Sanierung radelte er ins Rüttenscheider Schwimmzentrum, doch nun wird er wohl seinem Heimatbad treu bleiben: „Es ist wirklich schön geworden!“ Das finden auch Yildiz Öz und Bhavna Arora, die schon mit ihren Kindern hier waren und nun zu zweit da sind, „um uns ein bisschen nass zu machen und zu quatschen“. Den neuen Erfolg des Bades sieht Erika Steinmann (71) fast als Nachteil: „Die Kabinen sind knapp, und es ist voll hier.“ Als Vorteil nennt sie: „Hier kann ich unter einem Dach auch meinen Gymnastikkurs bei der MTG machen.“

Ausblick

Im Jahr 2012 hatte das Hallenbad 63.718 Badegäste – wenn es so weiter läuft, dürfte das locker zu toppen sein. Das Bad hat gewonnen, und es hat mit Michael Bach und seinem Stellvertreter Fatih Tiryaki eine Leitung mit Problembewusstsein. Sie wollen sich um den Umkleide-Mangel kümmern, sie wollen dafür sorgen, dass auch eine Vater-und-Kind-Umkleide mit Wickeltisch eingerichtet wird. Und sie hoffen auf ein weiteres Wunder: einen Geldsegen, mit dem sie auch ihr Freibad in Top-Form bringen können.

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