Das plant Essen als „Grüne Hauptstadt Europas“ 2017

Marcus Schymiczek
Gemeinschaftsgärten sollen beispielhaft sein im Jahr der Grünen Hauptstadt.
Gemeinschaftsgärten sollen beispielhaft sein im Jahr der Grünen Hauptstadt.
Foto: Funke Foto Services
2017 trägt Essen den Titel „Grüne Hauptstadt Europas“. Die Stadt will die Bürger dafür gewinnen mitzumachen und rechnet mit Hunderttausenden Besuchern.

Essen. Rund 100 Tage nachdem die Europäische Kommission der Stadt Essen den Titel „Grüne Hauptstadt 2017“ verliehen hat, zeichnet sich ab, was Bürger und Besucher in zwei Jahren zwischen Karnap und Kettwig erwarten dürfen. „Die Essener dürfen sich auf ein spannendes Programm freuen, das sie selbst mitgestalten können“, verrät der Leiter des Umweltamtes und designierte Projektleiter, Matthias Sinn.

Geplant sind demnach weniger Feuerwerk oder Tschingderassabum als ein „Grünes Jahr“ mit vielen kleineren Aktionen zum Mitmachen, sei es das gemeinsame Gestalten einer Grünfläche vor der eigenen Haustür oder „urban gardening“, das Ziehen von Kräutern und Gemüse auf ehemaligen Spielplätzen. Nachhaltigkeit lautet das Ziel. Oder besser: Die Menschen zum Nachdenken und zum Mitmachen anregen, so dass etwas bleibt über 2017 hinaus.

Green Capital 2017 erwartet über 570.000 Besucher in Essen

Ausgezeichnet hat die EU die Ruhrstadt als Vorbild für den Strukturwandel. Matthias Sinn formuliert es so: „Die Menschen hier in Essen haben sich diesen Preis über 20, 30 Jahre verdient.“ Wie sich die einstige Stadt von Kohle und Stahl zu einer der grünsten Städte des Landes entwickelt hat, das wolle man den auswärtigen Gästen natürlich gerne zeigen.

570.000 Besucher durfte Bristol als amtierende Grüne Hauptstadt in diesem Jahr begrüßen. „Wir rechnen mit deutlich mehr“, sagt Sinn. Essen sei schließlich leichter zu erreichen und liegt zudem mitten in einem Ballungsraum. Gäste sollen auf den neuen Wegen zum Wasser radeln entlang der renaturierten Emscher-Zuflüsse oder im Baldeneysee baden, was ab dem kommenden Jahr ja wieder möglich sein soll. Ein detailliertes Besucherprogramm will die Projektgruppe um Matthias Sinn gemeinsam mit der Essen Marketing Gesellschaft (EMG) auf die Beine stellen.

Grugapark wird zentraler Ort der Grünen Hauptstadt 2017

Die ein oder andere Idee aus dem Kulturhauptstadtjahr 2010 wird man aufgreifen. So sollen wieder Bürger dafür begeistert werden, sich als freiwillige Helfer zu engagieren. Auswärtige Gäste will die Stadt an einem Info-Punkt am Hauptbahnhof empfangen, zentraler Veranstaltungsort für das Grüne Hauptstadtjahr wird der Gruga-Park, auch im Emscherpark, im Zollvereinpark soll es Aktionen geben.

Budget: Zehn Millionen Euro

UmweltschutzNicht nur touristische Gäste werden erwartet, sondern Fachpublikum zum Beispiel für eine internationale Konferenz zum Thema „Grüne Infrastruktur“ im Frühjahr 2017. Internationaler Aufmerksamkeit dürfe Essen sich als Grüne Hauptstadt sicher sein, so Sinn. Bei der EU in Brüssel zahlt sich der Titel bereits aus. So erwartet die Stadt eine sechsstellige Summe für das Naturschutzgebiet Heisinger Ruhraue. Mit dem Geld sollen jahrzehntealte Aufschüttungen abgetragen werden.

Apropos Geld: Die Stadt kalkuliert für das „Grüne Jahr 2017“ mit einem Budget von zehn Millionen Euro, davon sollen 2,5 Millionen bei Sponsoren eingeworben werden. Zum Vergleich: Die Finanzausstattung der Kulturhauptstadtgesellschaft „Ruhr 2010“ betrug nach Angaben des Kulturdezernates 63 Millionen Euro.