„Das Lächeln der Frauen“ auf der Bühne im Rathaus-Theater

Das Lächeln der Hauptdarstellerin: Julia Stinshoff spielt die Restaurant-Betreiberin Aurélie mit viel Charme.
Das Lächeln der Hauptdarstellerin: Julia Stinshoff spielt die Restaurant-Betreiberin Aurélie mit viel Charme.
Foto: Dettmann
Ein Wohlfühl-Abend mit französischem Esprit und zwei ungemein inspirierten Hauptdarstellern: „Das Lächeln der Frauen“ im Essener Rathaus-Theater.

Essen. „Dieses Buch hat mein Leben gerettet.“ Die Heldin aus Nicolas Barreaus Romanerfolg „Das Lächeln der Frauen“ hat sich in ein Stück Literatur verliebt. Manche Zuschauerin mag es mit der Bühnenadaption des französischen Bestsellers ähnlich ergehen. Mindestens hat die Premiere im Theater im Rathaus am Freitagabend für beste Laune im Publikum gesorgt.

Einen hohen Verdienst daran hat das Darstellerduo: Den beiden merkt man die Freude am Spiel jederzeit an. Julia Stinshoff und Hubertus Grimm genießen es, immer wieder aus ihrem Rollenkorsett ausbrechen zu dürfen. Denn getreu dem Vorbild der Romanvorlage, in der die beiden Figuren abwechselnd den Leser direkt ansprechen, durchbrechen ihre Bühnen-Ichs André und Aurélie die unsichtbare vierte Wand, die sonst Schauspieler und Publikum trennt.

So erfahren die Zuschauer nicht nur aus Spielszenen, sondern auch aus direkten Erzählungen der beiden die Geschichte – und ihre unterschiedlichen Sichtweisen. Denn Aurélie ist ganz beschwingt, nachdem sie das Buch „Das Lächeln der Frau“ des englischen Schriftstellers Robert Miller verschlungen hat: Nicht nur, dass es in ihrem eigenen Pariser Restaurant zu spielen scheint, auch mit der Protagonistin kann sie sich voll und ganz identifizieren. Sie will alles daran setzen, den Autor kennenzulernen. Doch stattdessen trifft sie nur den Lektor des Buchs, André Chabanais.

Überraschende Wendungen halten sich in Grenzen

Den findet sie reichlich uncharmant, hofft aber, über ihn an den von ihr verehrten Schriftsteller heranzukommen. Dabei war André es, der das Buch unter Pseudonym geschrieben hat – ein Umstand, den nicht einmal sein Verleger kennt. Nicht zuletzt deshalb will er seine Identität weiterhin geheim halten. Dummerweise verliebt er sich in Aurélie. Also will er ihr den Wunsch erfüllen, Robert Miller kennenzulernen: Der Bruder seines besten Freundes muss als Double herhalten.

Da wir uns hier im altbewährten Genre der Liebeskomödie bewegen, halten sich die überraschenden Wendungen in Grenzen. Doch die ungewöhnliche Dramaturgie der Adaption lässt die moderne Cyrano-de-Bergerac-Variante erfrischend unterhaltsam wirken.

Julia Stinshoff kann so mit ihrem Charme nicht nur André, sondern auch das Publikum betören. Sogar eine technische Panne gleich zu Beginn lächelt sie charmant weg. Und Hubertus Grimm spielt nicht nur André mit juveniler Ausstrahlung, auch den restlichen Charakteren haucht er augenzwinkernd Leben ein. Dass die zwei auch immer wieder Impulse aus dem Publikum aufnehmen, unterstreicht den Feel-Good-Effekt von Karin Boyds Inszenierung vollends.

Bis 1. Mai. Karten: 24 555 55.

 
 

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