„Das Bergmannsfeld könnte kippen“

Freisenbruch..  Von dem,was eine Enquete-Kommission tut, kriegt der Bürger selten etwas mit. Politiker und Experten setzen sich zusammen, reden über ein Problem, tüfteln an Lösungsvorschlägen -- und am Ende schreiben sie einen Bericht. Dieses Papier sorgt dann entweder kurz für Aufsehen oder verschwindet in einer Schublade.

In der kommenden Woche erscheint ein Bericht zum Thema „Wohnungswirtschaftlicher Wandel und neue Finanzinvestoren auf den Wohnungsmärkten von NRW“. Hinter dem sperrigen Titel verbergen sich brisante Inhalte. Es geht um Mieter in Not, um Schrott-Immobilien, um „Heuschrecken“, die den Wohnungsmarkt in Nordrhein-Westfalen umkrempeln.

Vorsitzende der Enquete-Kommission, die das Dokument erarbeitet hat, ist die Landtagsabgeordnete Daniela Schneckenburger (Grüne). Sie ist kreuz und quer durchs Land gereist, um sich in sogenannten Problemvierteln umzusehen. Sie war unterwegs in Dortmund, Düsseldorf, Mönchengladbach, Bielefeld – und am Donnerstag hat sie lokale Politiker und Stadtteilaktivisten zu einem Spaziergang durchs Bergmannsfeld in Freisenbruch geladen.

Schimmel in den Wohnungen

Zuvor hatte Schneckenburger bei ihren Touren Wohnungen gesehen, die vom Schimmel zerfressen waren. Räume, in denen der Aufenthalt eine Gefahr für die Gesundheit darstellt. Und sie hat Menschen getroffen, die keine andere Wahl hatten, als sich mit diesen Verhältnissen abzufinden. Kurz: Sie hat erlebt, was passieren kann, wenn private Wohnungsunternehmen mit dem Ziel der maximalen Gewinnoptimierung das Gefüge des Immobilien-Markts nachhaltig umkrempeln. Schneckenburger sagt: „Die Leidtragenden sind immer die Mieter.“

Und was hat sich Schneckenburger von ihrem Besuch im Bergmannsfeld versprochen? „Ich erwarte, hier ein typisches Bild von einer Siedlung vorzufinden, die an private Investoren verkauft worden ist“ , sagte sie vor dem halbstündigen Rundgang durchs Viertel. Dann sieht sie eine wilde Müllkippe, bunt angestrichene Häuser, trist-graue Häuser und einen Hund, der vorm Supermarkt angebunden ist. Schneckenburger läuft auch an ein paar Passanten vorbei. Sie fragt sie nicht, was sie von ihrem Viertel halten, ob sie glücklich sind, ob sie Probleme haben. Am Ende der Tour steht das Urteil der Politikerin. Meinungsbildung im Zeitraffer. „Der Stadtteil hier ist noch nicht gekippt, hat aber Probleme in seiner Entwicklung“, fasst Schneckenburger zusammen. „Die Situation könnte aber noch kippen, wenn hier nichts getan wird.“

Eigentümer in der Pflicht

In der Verantwortung sieht Schneckenburger jetzt die Wohnungsgesellschaften: „Eigentum verpflichtet“, sagt sie und sie weiß aus Erfahrung, dass viele Unternehmen ihrer Verpflichtung nicht nachkommen. Deren Strategie sei nämlich eine andere: Wohnungen aufkaufen, die Mieten bis zur Obergrenze anheben, Investitionskosten aufs Minimum reduzieren, die Rendite optimieren. „Kassieren, aber nichts machen.“

Dass es so weit kommen konnte, sei auch Versäumnis der Politik: „Es ist zu lange nicht auf die Wohnungspolitik geschaut worden“, sagt Schneckenburger. Das soll sich ändern – die Vorstellung des Berichts der Enquete-Kommission soll nur ein weiterer Schritt sein.

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