Das Beamtendasein tauscht sie gegen eine unsichere Zukunft am Theater

Das neue Jahr mit neuen beruflichen Plänen zu beginnen, ist für Sarah Mehlfeld nicht ganz ungewöhnlich. Eigentlich ist die 32-Jährige sogar ein echter Profi in Sachen Neustarts. „Es geht mir super“, strahlt die Regieassistentin im Grillo-Theater , auch wenn sie eigentlich noch gar nicht weiß, was 2015 kommt. Aber genau diese Unsicherheit hat bei Sarah Mehlfeld immer wieder Energien freigesetzt, um sich dem Berufswunschziel Theater über Umwege zu nähern. Der nächste Schritt ist jetzt gemacht. Mitte Januar wird sie in der Casa des Schauspiels Essen ihr Senioren-TheaterProjekt „Ein ganz alltägliches Geheimnis“ vorstellen und dann versuchen, als Regisseurin Fuß zu fassen

Über Umwege ans Ziel

Eigentlich will sie ja schon nach dem Abitur Theaterwissenschaften studieren, aber dann entscheidet sie sich doch für den Studiengang zum Kulturwirt in Passau, ein Kompromiss. „Das war alles und nichts“, sagt Mehlfeld heute. Sie bricht ab und meint, die Vernunft mit einem Lehramt-Studium noch mal vor den Traum vom Theater stellen zu müssen. Statt der unsicheren Künstlerexistenz steuert sie plötzlich geradewegs aufs Beamtendasein zu. Aber als alle Kommilitonen froh sind, das Referendariat hinter sich zu haben, ,bekommt Sarah Mehlfeld einen Riesenschreck vor dieser „Lebensanstellung“. Statt sich über Unkündbarkeit und lange Ferien zu freuen, fährt sie ihre Stundenzahl herunter und arbeitet nebenbei als freie Theaterpädagogin. Bis sie die Anzeige des Schauspiel Essen entdeckt, das eine Assistenz für den Chorleiter der „Rote Erde“-Produktion von Volker Lösch sucht. Nachdem zuvor etliche Bewerbungen für eine Regieassistenz an deutschen Theatern erfolglos geblieben waren, fühlt sie sich diesmal berufen. Für die Arbeit mit Theater-Laien hatte sie im Schuldienst ja reichlich Erfahrungen gesammelt. Sie bekommt den Job und hängt den Lehrer-Beruf endgültig an den Nagel. Heute ist die 32-Jährige dankbar für den kurvenreichen Weg ans Theater. Regie zu führen, sei ein organisatorisch und kommunikativ anspruchsvoller Job, „dafür habe ich in der Schule extrem viel gelernt“. Ihre letzte Produktion als Regieassistentin war das Kinderstück „Jim Knopf“. Als der Hauptdarsteller krank wurde, ist Sarah Mehlfeld von jetzt auf gleich als Schauspielerin eingesprungen. Nach dem ersten Schock hat alles wie am Schnürchen geklappt. Nicht auszuschließen, dass sie beruflich noch mal umdenkt.

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