„Dann parken die Anwohner halt woanders“

Wir haben uns in Rüttenscheid umgehört, also dort, wo es derzeit die meisten Car-Sharing-Angebote gibt. Die Antworten der Bürger sind überraschend positiv. Ein großer Teil der zufällig angesprochenen Passanten hat bereits Erfahrungen mit gemeinschaftlich genutzten Autos gemacht. So wie Sultana Anastasiadan. Die junge Lehrerin nutzt am Wochenende regelmäßig Car-Sharing-Autos – vor allem, weil man dadurch flexibler sei als mit dem eigenen Auto. „Wenn man ausgeht, kann man den Wagen stehen lassen und guten Gewissens ein Glas trinken“, sagt Anastasiadan. Ihrer Meinung nach stehen bereits jetzt viele Fahrzeuge aus anderen Städten auf Rüttenscheider Parkplätzen. Daher komme es auf „drei oder vier Parkbuchten weniger auch nicht an“.

Ganz ähnlich sieht das Joel Correia. „Dann parken die Anwohner halt woanders“, fordert der 18-jährige Essener. Seiner Meinung nach sei es nicht schlimm, wenn einige Parkplätze durch klar ausgewiesene Car-Sharing-Standorte verloren gingen. „Die Leute sollen nicht so egoistisch sein. Ich bin für Car-Sharing. Die Stadt sollte so ein Vorhaben unterstützen.“ Gleiche Ansicht auch bei Martina Meyer. Die 40-Jährige findet die Liste mit den möglichen Standorten „völlig in Ordnung.“ Mit gemeinschaftlich genutzten Autos habe sie bisher immer gute Erfahrungen gemacht. „Ich würde es wieder nutzen. Besonders gut finde ich es, wenn man verschiedene Größen buchen kann. Manchmal braucht man ein größeres Auto, das ist praktisch.“

Für Detlef Loeschin ist Car-Sharing zwar grundsätzlich „eine gute Sache“, andererseits werde es seiner Ansicht nach nie gelingen, die Standorte so zu bestimmen, dass sie immer nah an der Haustür aller Interessenten seien. Der 51-Jährige hat bereits verschiedene Car-Sharing-Modelle kennen gelernt. Den immer wieder vorgebrachten Vorteil für die Umwelt hält er allerdings für sehr gering: „Dazu kommt, dass mittlerweile fast jedes Familienmitglied ein eigenes Auto hat. Da kommen dann schnell vier Fahrzeuge zusammen.“ Jana Zoric fährt ebenfalls regelmäßig mit Car-Sharing-Fahrzeugen. Bisher sei sie immer sehr zufrieden gewesen, berichtet die 28-Jährige. Mit dem vorgeschlagenen System der Stadt hat sie jedoch ein Problem – die Autos können nicht „einfach so“ abgestellt werden. „Das finde ich doof und zu unübersichtlich“, lautet ihr Fazit.

Auch Larissa Schombert hält ein „fließendes System“ für die bessere Lösung. Eine starre Anordnung der Car-Sharing-Flotte bringe ihrer Meinung nach nur Nachteile mit sich. Dass etwas in dem Bereich angestoßen werde, findet die 21-Jährige aber dennoch gut. Zustimmung bekommt sie von Sylvia Schiller. Die Anwohnerin ärgert sich ständig über die Parkplatzsituation in Rüttenscheid – ganz besonders am Wochenende. „Ein paar Stellplätze vor der Haustür mehr oder weniger machen da eh nichts aus“, so Schiller. Alle Befragten waren sich einig, dass Car-Sharing zumindest helfen könnte, den dichten Verkehr in der Innenstadt zu entzerren.

 
 

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