Daniel Bahr und Rudi Völler werben in Essen für Organspende

Prominente Besucher beim Tag der Organspende in Essen: Barbara Steffens (Gesundheitsministerin NRW), Daniel Bahr (Bundesgesundheitsminister) und Rudolf Henke (Ärztekammer Nordrhein) begehen das Modell einer Lunge.
Prominente Besucher beim Tag der Organspende in Essen: Barbara Steffens (Gesundheitsministerin NRW), Daniel Bahr (Bundesgesundheitsminister) und Rudolf Henke (Ärztekammer Nordrhein) begehen das Modell einer Lunge.
Foto: WAZ Fotopool
12.000 Besucher informierten sich am „Tag der Organspende“ in Essen über den Organspendeausweis und das entsprechende Verfahren. Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr forderte jeden Bürger auf, eine konkrete Entscheidung zu treffen - und diese nicht den Angehörigen zu überlassen.

Essen.. „Papa, was ist Organspende?“, will der sechsjährige Nils wissen, als er durchs überdimensionale Lungenmodell des Essener Universitätsklinikums auf dem Willy-Brandt-Platz tollt.

Es ist Samstag und der 31. „Tag der Organspende“. Sein Vater Malte Fritsche aus Duisburg versucht zu erklären: „Das ist, wenn es mir mal sehr schlecht geht und ich nicht mehr wieder komme, jemand anderes aber ganz dringend ein neues Herz benötigt, meins, und ich es ihm gebe.“ Nils nickt: „Das find’ ich gut, Papa.“

Fritsche hat seinen Ausweis immer in der Tasche, „und ich würde Organe und Gewebe spenden“, betont er. Nur wie es dann weitergeht, wie seine Organe zu einem anderen Menschen kommen, weiß er nicht. Aber die Helfer und Mitar­beiter der fast 20 Verbände, Patienten-Organisationen und Krankenkassen, die auf dem Platz vertreten sind. Sie tun viel, um für die kleine Plastikkarte zu werben.

„Wenn die EEG-Linie länger als 12 Stunden null ist, das Herz trotzdem schlägt und der Mensch noch warm ist, ist es für viele dennoch ein Hindernis, den Tod eines Menschen zu akzeptieren. Denn dann ist er hirntot und wir können ihn nicht mehr helfen, ihn nicht mehr gesund machen“, erklärt die Medizinerin Houaida Taraji manchem der 12.000 Besucher.

Rudi Völler und Katja Ebstein machten mit

Es ist ein großes Schaulaufen, bei dem nicht nur Ex-Fußballer Rudi Völler, Musikerin Katja Ebstein und OB Reinhard Paß mitmachen. Selbst Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr und seine NRW-Amtskollegin Barbara Steffens nehmen sich die Zeit, für die Organspende zu werben – auch wenn sich die Ministerin auf keinen Fall mit dem Ausweis in der Hand fotografieren lassen will.

„Ich habe mich vor über zehn Jahren für die Organspende entschieden und kann allen Menschen dazu raten, denn wir haben international die schärfsten Regeln“, sagt Daniel Bahr der NRZ. Es sei wichtig, sich mit dem Thema zu beschäftigen, egal ob man am Ende „Ja“ oder „Nein“ ankreuzt. „Hauptsache, man entscheidet sich und lastet diese Aufgabe nicht seinen Angehörigen auf.“

Der Skandal im Transplantationszentren Göttingen habe ihn getroffen, „aber was da passierte, ist heute nicht mehr möglich“, versichert Bahr. Seit Herbst 2012 müsse es in jedem Entnahme-Krankenhaus einen Transplantationsbeauftragten geben, unangemeldete Prüfungen seien die Regel. Drei Mediziner müssen zustimmen, wenn Patienten auf der Warteliste weiter nach oben rücken sollen. Bahr: „Der, der sich gegen die Organspende entscheidet, bestraft ja nicht den Arzt. Er bestraft diejenigen, die auf der Warteliste stehen und dringend ein Organ benötigen. Der Arzt wird seine Strafe schon bekommen.“

Muslime werben für Organspende

Die NRZ sprach mit Houaida Taraji, Vorstand und Beauftragte für Frauen und Familie beim Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD), über das Verständnis der Organspende im Islam. Taraji wurde in Aleppo geboren und wuchs in Frankfurt auf. Heute arbeitet sie als Frauenärztin in Kaarst.


NRZ: Als Moslem Organe spenden, wie passt das zusammen?
Taraji: Im Islam ist die Organspende etwas Gutes, weil man durch sie Menschenleben retten kann. Im Koran heißt es: Wer einen Menschen rettet, rettet die ganze Welt. Daher ist die Organspende eine gute Tat – über den Tod hinaus.


NRZ: Wie steht es ums Thema Organspende im arabischen Raum?
Taraji: Die Lebendspende ist in der Türkei und Saudi Arabien sehr verbreitet. Um Organspenden nach dem Tod ist es schwieriger gestellt als in Deutschland, da viele sich damit schwer tun, übers ei­gene Ableben nachzudenken und den Hirntod als Tod zu akzeptieren.


NRZ: Was sagt der Islam dazu?
Taraji: Wir haben Rechtsgutachten zur Organspende und zum Hirntod in Auftrag gegeben, die belegen, dass der Hirntod im islamischen Recht den Tod des Menschen bedeutet. Bei uns gibt es den Organspendeausweis in türkischer und arabischer Sprache und eine Broschüre dazu (www.zentralrat.de), denn wir wollen auch Muslime für Organspende sensibilisieren.

Mehr Infos rund um das Thema Organspende gibt es telefonisch unter 0800 / 90 40 400 und auf: www.organspende-info.de

 
 

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