Couragierte Anwohnerin entreißt Trickdiebin die Beute

Die Polizei Essen warnt vor Trickbetrügern.
Die Polizei Essen warnt vor Trickbetrügern.
Foto: Andreas Bartel / FUNKE Foto Services
Vier Fälle von Trickbetrug gab es am Dienstag in Essen – in einem Fall verhinderte ein Bankangestellter den Betrug, in einem anderen half eine Zeugin.

Essen. Immer wieder werden Senioren in Essen Opfer von Trickbetrügern – so auch am Dienstag. Gegen 9.45 Uhr gaben sich in Schönebeck zwei circa 30 bis 40 Jahre alte Männer, die hiesige Mundart sprachen, als Wasserwerker aus und lenkten eine Seniorin geschickt ab. Statt die Wasserleitungen zu prüfen, wie sie der Frau erklärten, entwendeten sie in der Wohnung den sorgsam verstecken Familienschmuck im Wert von etlichen tausend Euro.

Auch ein Rollstuhlfahrer wurde Opfer der Betrüger: Im Foyer des Alfried- Krupp- Krankenhaus wechselte er einem Fremden eine Münze. Der Unbekannte stahl dabei unbemerkt Geldscheine aus dem Portemonnaie.

Glück hatten dagegen zwei Senioren in Kettwig. Dort bat eine Anruferin, die sich als Enkelin ausgab, dringend um 30.000 Euro für eine Eigentumswohnung. Als das Ehepaar in der Sparkasse das Geld holen wollte, verhinderte ein Kundenberater Schlimmeres und rief die richtigen Enkelkinder an, um den Fall zu überprüfen.

Zeugin schritt ein und entriss Tätern die Beute

Ebenfalls am Dienstag hat eine couragierte Anwohnerin im Westviertel Trickbetrüger in die Flucht geschlagen. Gegen 13.20 Uhr war ein Rentner zu Fuß auf dem Berthold-Beitz-Boulevard unterwegs, als in Höhe des Kaufparks Bamlerstraße, ein BMW mit drei Insassen und Essener Kennzeichen stehen blieb. Der Fahrer fragte den Senior nach dem Weg, fuchtelte dabei mit einem Stadtplan herum – offenbar um den Mann abzulenken.

Zeitgleich stieg eine Frau aus dem Wagen, umarmte den Senior und versuchte dabei die hochwertige Halskette des Mannes gegen ein Billigprodukt auszutauschen. Doch das beobachtete eine Zeugin (50): Sie ging direkt auf die Betrüger zu und machte lautstark auf sich aufmerksam. Daraufhin stieg die Trickdiebin in den BMW. Als die Zeugin sah, dass die Täterin noch die Halskette in der Hand hielt, schritt sie beherzt ein und entriss ihr die Kette durch das offene Wagenfenster. Perplex flüchtete das Trio mit der dunkelblauen Limousine ohne Diebesgut in Richtung Bottroper Straße.

Der Mann am Steuer war circa 35 Jahre alt. Er hatte kurzes, dunkles Haar und trug ein T-Shirt. Die Frau, die aus dem Wagen stieg, war circa 50 Jahre alt. Ihre Haare waren länger und dunkel. Sie hatte eine korpulente Statur und trug schwarze Leggins. Eine weitere Frau saß in dem Wagen: Sie war circa 35 Jahre alt, trug eine helle Bluse und hatte lange , dunkle Haare. „Die ältere Täterin und der Fahrer sprachen verständliches Deutsch mit Dialekt. Vermutlich handelte es sich um Südosteuropäer“, so die Polizei, die um Hinweise zu den Tätern bittet (Telefonnummer: 0201-8290).

Die Polizei lobte das Verhalten der Zeugin: „Sie hat die Bande durch ihr selbstbewusstes Einschreiten massiv unter Druck gesetzt.“ Gleichzeitig warnen die Beamten: „Fliehende Täter entwickeln skrupelloses Fluchtpotenzial. Halten Sie sich von einem Fluchtwagen immer fern. Greifen sie niemals mit den Händen in ein Täterfahrzeug. Die Täter könnten ihre Hand festhalten und mit dem Wagen losfahren.“ Auch würden die Täter nicht davor zurückschrecken, Menschen anzufahren.

Weitere Hinweise der Polizei Essen zum Schutz vor Trickbetrügern:

- Fremden gegenüber misstrauisch sein und immer auf einen Sicherheitsabstand achten.

- Kommt ein Fremder zu nahe: „Erheben Sie die Stimme und machen dadurch andere Personen auf die Situation aufmerksam“, rät die Polizei.

- Die Beamten bitten zudem die Bürger auf ältere Verwandte und Nachbarn zu achten. Gerade Senioren stehen im Fokus der Trickdiebe.

- Wer verdächtige Beobachtungen macht, sollte sofort die Polizei unter der 110 anrufen.

- In den Polizeiwachen und der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle gibt es weitere Informationen (Telefonnummer 0201/829-4444).