Corona-Lockdown im Ruhrgebiet: Schock für Gastronomen – „Ganze Branche wird verprügelt“

Corona in NRW: Am Wochenende werden die voerst letzten Biere in den Restaurants und Kneipen im Revier gezapft werden – die Betreiber sind wütend und frustriert. (Symbolfoto)
Corona in NRW: Am Wochenende werden die voerst letzten Biere in den Restaurants und Kneipen im Revier gezapft werden – die Betreiber sind wütend und frustriert. (Symbolfoto)
Foto: Christoph Soeder/dpa

Der beschlossene Corona-Lockdown ist für viele Restaurant- und Kneipenbesitzer im Ruhrgebiet eine wahrgewordene Katastrophe.

So scheinen nach der Umsetzung von umfangreichen Schutzkonzepten und der Akzeptanz von Sperrstunden alle Anti-Corona-Bemühungen umsonst – ab dem 2. November müssen Lokale für mindestens vier Wochen schließen.

Corona-Lockdown im Ruhrgebiet: Betreiber zwischen Wut und Resignation

„Ich mache zu und rege mich auf“, beschreibt Nico Duys, Betreiber der „Kokille“ in Essen den Corona-Lockdown. „Wenn man seine Hausaufgaben macht, wieso bekommt man trotzdem Stubenarrest?“

Die Beschlüsse der Bundesregierung machen für ihn keinen Sinn, schließlich seien Corona-Abstandsregeln und Rückverfolgbarkeit in keinem anderen Bereich so sehr gegeben wie in der Bewirtungsbranche, während private Treffen weiterhin unkontrollierbar bleiben.

„Ich verstehe, dass die Politik handeln muss. Aber sie sollte nicht aus dem Bauch heraus eine ganze Branche verprügeln“, so Duys gegenüber DER WESTEN. Als Wirt werde man seit Monaten gebeutelt – „weil wir keine Lobby haben.“

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Die angekündigte Finanzspritze von Bundesminister Olaf Scholz ist aus Sicht des Kneipenbesitzers ein Nullsummen-Spiel: „Wenn man die Wirte den Umsatz machen lässt, muss man als Regierung drei mal weniger zahlen“. Der Familienvater hofft, dass die Zusage von Finanzminister Scholz kein „leeres Geschwätz“ ist.

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Corona-Lockdown im Ruhrgebiet: „Soll ich das in meine Budgetplanungen einbeziehen?“

Auch der Essener Gastronom Alexander Brambrink (unterhält u.a. das „MA“, „Extrablatt“ und „Cafe&Bar Celona“) ist skeptisch. „Wir würden uns freuen, wenn wir 75 Prozent der Einnahmen kriegen, aber das sind alles Dinge, die weiß man nicht. Ich bin da nicht so euphorisch.“ Aktuell geht der Unternehmer an seine Reserven, stellt Investitionen zurück.

Für ihn seien die Corona-Beschlüsse ebenfalls „irgendwann nicht mehr verständlich“, gerade weil viele Restaurants sichere Maßnahmen umgesetzt haben.

Die Regierung müsse jetzt zusichern, dass nach den vier Wochen unter Regeln wieder geöffnet werden darf: „Man muss gucken, dass es jetzt nicht in jedem Quartal zu Schließungen kommt. Oder soll ich das in meine Budgetplanung für das nächste Jahr mit einplanen?“

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Corona-Lockdown im Ruhrgebiet: Betreiber haben Mitarbeiter-Sorgen

„Kokille“-Besitzer Nico Duys streckt seit Monaten das Kurzarbeitergeld für seine Angestellten vor. „Es wäre für mich einfacher, sie zu entlassen, dann müsste ich nicht hinter dem Geld von der Regierung herlaufen“, schildert er seine Erfahrungen mit den Behörden.

Die neuen „Fährmann“-Betreiber in Duisburg, Christian Rademaker, Lennart Tappe, Norman Butry und Lukas Selic müssen dagegen komplett ohne behördlichen Geldzuschuss auskommen. Die Freunde aus Duisburg eröffneten die Kult-Kneipe erst vor knapp drei Wochen unter Corona-Bedingungen wieder und fallen damit als Neugründung aus der Förderung.

„Es ist hart für uns, wieder so früh schließen zu müssen“, so Christian Rademaker zu DER WESTEN. Zwar sind die Jung-Wirte nicht auf die Einnahmen angewiesen, haben andere Jobs. Aber: „Es bedeutet einen finanziellen Rückschlag für unser Lokal und vor allem für unsere Mitarbeiter“ (die überwiegend Minijobber und Studenten sind).

Für das „Fährmann“-Team sei die Corona-Verordnung nachvollziehbar, dennoch bleibe die Frage, „ob man sich damit nicht ins eigene Bein geschossen hat“ – schließlich hätten geöffnete Kneipen mit entsprechenden Hygienekonzepten das Treiben im privaten Bereich auch entzerren können.

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Trotz der Probleme vereinen alle Bar- und Restaurantbetreiber neben der Resignation zwei Dinge: Zum einen den Willen zum Durchhalten – und zum anderen die Hoffnung.

„Es wird ein 'Danach' geben“, stellt „Kokille“-Chef Nico Duys klar – und auch im „Fährmann“ gilt die Devise: „Wir bleiben optimistisch und hoffen, dass wir alle einem Strang ziehen, sodass wir schnellstmöglich wieder öffnen können.“

 
 

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