Corona: Das Leben kommt endlich mit voller Wucht zurück – ganz schön stressig!

Ruhrgebiet: Nachdem der Corona-Lockdown im Winter sehr einsam war, sind Treffen im Sommer corona-konform endlich wieder erlaubt. (Symbolbild)
Ruhrgebiet: Nachdem der Corona-Lockdown im Winter sehr einsam war, sind Treffen im Sommer corona-konform endlich wieder erlaubt. (Symbolbild)
Foto: imago images/MASKOT

Ruhrpott-Kolumne

Mein Taschenkalender war monatelang einfach nur ein Alibi, ein Anker für eine halbwegs normale Welt. Denn hätte ich ihn wirklich jemals im Corona-Lockdown aufgeschlagen, hätte ich nur strahlend weiße Seiten gesehen.

Ich hatte nichts zu tun, gar nichts. Mein Leben war ziemlich langweilig – wie das von fast jedem anderen in der Corona-Pandemie auch.

Corona hat das Leben lahm gelegt - jetzt ist es endlich fast wieder herrlich normal

An den Wochenenden habe ich im Winter-Lockdown das erste Mal richtig verstanden, wie man das „Netflix bingen“ hochprofessionell betreiben kann. Klar, ich war ab und an auch in der Natur mit Freunden spazieren, um den Sozialkontakt aufrecht zu erhalten. Aber das war es dann auch. Doch die ruhige Zeit ist vorbei. Das Leben hat sich gefühlt schlagartig geändert.

Denn: Die Corona-Lockerungsstufen flogen nur so an mir vorbei. Von der Eskalationsstufe, bei der so gut wie alles verboten war bis zu „Hey, die Clubs öffnen ja auch bald wieder“ war so wenig Zeit, dass ich mich fast gar nicht darauf vorbereiten konnte.

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Fünf Tage am Stück niedrige Inzidenz-Zahlen und zack, kein Corona-Test mehr nötig! Wenig später Rudelgucken bei der EM, als sei nichts gewesen.

Der Social Stress ist mittlerweile wieder voll da. Wenn Freunde mich fragen, wann wir uns denn treffen wollen, muss ich schon passen. Bis in den Herbst sind meine Wochenenden so gut wie verplant. Verplant! Was für eine ungewohnt herrlich normale Situation mitten im Corona-Sommer.

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Im Ruhrgebiet spricht man Tacheles und redet nicht lange um den heißen Brei herum. DER WESTEN-Redakteurin Julia Scholz beschäftigt sich in der Kolumne „Da sachste, wat Sache ist“ mit aktuellen Themen, die die Menschen im Revier bewegen.

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Und doch hätte ich zum Beginn der neuen Freiheit am liebsten geschrien: Stopp! Wie soll ich mich da wieder eingewöhnen? Wie geht das mit dem Smalltalk nochmal genau? Wann kann ich mich denn erholen, wenn ich wieder von Termin zu Termin hetze?

+++Ruhrgebiet: Viele Menschen verlassen Revierstädte – sie alle haben nur EIN Ziel+++

Nachdem wir die Reset-Taste gedrückt hatten, konnte ich nicht einfach wieder vorspulen und mit vielen Leuten in einem Raum zusammen sein, um eine wilde Party zu feiern. Doch jetzt liegen die ersten Grillabende und kleine Feiern hinter mir. Und es ging doch ganz wunderbar.

Wenn ich nun von Streamingdiensten per Push-Nachricht ans Serienschauen erinnert werde, denke ich mir: Ich komm einfach nicht dazu, mein Terminkalender ist pickepackevoll. Hoffentlich geht es so weiter!