Essen

Corona in Essen: Obdachlose meiden aus Angst Notunterkünfte – darum plant die Stadt jetzt dieses Projekt

Ein Obdachloser liegt im September 2020 am Hauptbahnhof Essen auf einer Parkbank. (Archivbild)
Ein Obdachloser liegt im September 2020 am Hauptbahnhof Essen auf einer Parkbank. (Archivbild)
Foto: Funke Foto Services

Essen. Die Corona-Pandemie hat die Stadt Essen und viele andere Orte in NRW und Deutschland fest im Griff. Zahlreiche Maßnahmen sollen die Verbreitung des Virus eindämmen. Die wichtigsten Regeln sind dabei das Tragen einer Maske und Abstand zu anderen Menschen. Doch das zieht auch Konsequenzen nach sich, die für viele Menschen nun möglicherweise zum Problem werden könnten.

Denn nicht nur, dass die kalte Jahreszeit saisonal bedingt wieder für mehr Erkältungen und auch Corona-Fälle sorgt. Sie macht auch vor den Ärmsten in Essen nicht Halt: den Wohnungslosen. Und für sie könnte es diesen Winter wegen der Corona-Maßnahmen zu einigen Schwierigkeiten kommen, die lebensgefährlich sind.

Corona in Essen sorgt für Ängste bei Wohnungslosen

Im Gespräch mit DER WESTEN haben einige Wohnungslose am Hauptbahnhof und in der Innenstadt beschrieben, wie es um die Notschlafstellen in Essen stehe. Der Platz sei deutlich begrenzter als üblich, da auch dort die Abstandsregeln eingehalten werden müssen.

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„Man weiß im Moment gar nicht, ob man da hin kann. Weil, man weiß ja nicht, ob da nicht einer ist, der Corona hat. Und dann steckt man sich an, das können wir uns nicht leisten", erklärt ein Mann am Hauptbahnhof. Er suche sich warme Plätzchen zum Schlafen im Freien aus, in Bahnstationen oder Hauseingängen.

Männer erzählen von Freunden, die abgewiesen worden seien

Ein anderer Mann erzählt, dass die Plätze in den Notschlafstellen knapp würden. Dass man aufpassen müsse, überhaupt noch unterzukommen. Er habe gehört, dass Freunde von ihm schon keinen Platz mehr gekriegt haben, wenn sie abends in einer solchen Stelle ankamen. Ob das stimmt, wisse er aber nicht.

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Die Stadt Essen betont, dass es genug Notschlafstellen gibt. „Die Stadt Essen hat zum Thema „Coronasichere Unterbringung von Obdachlosen“ frühzeitig die Entlastung der bestehenden Notschlafstellen (nicht nur für die Winterzeit) im Blick“, sagt eine Sprecherin.

Stadt Essen habe bereits im Frühjahr Maßnahmen ergriffen

Dazu gehören unter anderem die Einrichtung einer Notschlafstelle für Frauen bereits im April sowie die Unterbringung von bis zu acht Männern in Hotelzimmern. Durch die neue Notschlafstelle der Frauen sei auch die Situation für die Männer entlastet worden.

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„Zurzeit gibt es eine Planung eines Tagesaufenthaltes für wohnungslose Menschen während der Wintermonate – die regulären Plätze in der Lindenallee 55 sind aufgrund der pandemiebedingten Abstandsregelungen nicht ausreichend“, so die Stadtsprecherin. Diesbezüglich stehe man mit den Verbänden Caritasverband und Diakoniewerk und dem FB 60 (Immobilienwirtschaft) in engem Kontakt.

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Das sind die Maßnahmen der Stadt Essen im Überblick

  • Einrichtung einer Notschlafstelle für Frauen in der Grimbergstraße (16 Plätze), dadurch Entlastung bei der Unterbringung von Frauen.
  • Anmietung von Hotelzimmern für die Unterbringung von Männern in der Innenstadt (8 Plätze).
  • Durch die Verlegung des Frauenbereichs in die Grimbergstraße und der Anmietung von Hotelzimmern wurde die Situation auch für die Männer in der Lichtstraße entlastet
  • Planung eines Tagesaufenthaltes für wohnungslose Menschen während der Wintermonate
  • die regulären Plätze in der Lindenallee 55 sind aufgrund der pandemiebedingten Abstandsregelungen nicht ausreichend

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Ständiger Austausch mit Vereinen und hauptamtlichen Trägern

Um die Wohnungslosen vor der kommenden Winterkälte und dem Coronavirus zu schützen, gibt es zahlreiche Maßnahmen der Stadt. Außerdem tausche man sich regelmäßig mit Caritas und Diakoniewerk, aber auch ehrenamtlichen Vereinen wie den „Fairsorgern“ aus.

Die Angst vieler Wohnungslosen, sich in einer dieser Schlafmöglichkeiten mit Corona anzustecken, ist trotzdem groß. Darin sind sich die Männer am Hauptbahnhof in Essen einig. Sie bleiben lieber draußen mit ihren Schlafsäcken. Zumindest solange es noch nicht kälter wird. Dann wollen sie weitersehen. (fb)

 
 

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