Essen

Kriminelle Clans in Essen: Nach Razzia in Café – Anwohner: Viertel „geht vor die Hunde“

Die Mülheimer Straße hat sich in den letzten Jahren sehr verändert.
Die Mülheimer Straße hat sich in den letzten Jahren sehr verändert.
Foto: DER WESTEN
  • Nach Groß-Razzia in Essen und NRW sind viele Anwohner verunsichert
  • In Frohnhausen ist von den Rockern der Hells Angels die Rede
  • Stürzt Frohnhausen ab?

Essen. Die Polizei in NRW hat am vergangenen Wochenende ein Zeichen gegen kriminelle arabische Clans im Ruhrgebiet gesetzt. 1.300 Einsatzkräfte durchsuchten am Samstagabend Shisha-Bars, Cafés und Imbissbuden zeitgleich in mehreren Städten. 14 Festnahmen gab es, mehrere Tausend Euro Bargeld sowie Drogen und Waffen wurden gefunden.

Polizei Essen kontrollierte bei Groß-Razzia ein Café in Essen-Frohnhausen

Auch die Polizei Essen war bei der Groß-Razzia dabei, hat unter anderem in Frohnhausen ein Café durchsucht. Dabei gilt Frohnhausen im öffentlichen Stadtbild nicht als Hochburg der arabischen Clans, die Rede ist immer vom Essener Norden, Altendorf, Altenessen.

Dass das „Bizim Café“ auf der Mülheimer Straße in Essen-Frohnhausen dennoch durchsucht und ein Mann dort auch festgenommen wurde, wirft Fragen auf. Entwickelt sich der Stadtteil ähnlich wie der berüchtigte Essener Norden?

Für einige Anwohner ist klar: Frohnhausen geht vor die Hunde. Und das nicht erst seit der Groß-Razzia am Samstag. Und auch nicht ganz Frohnhausen, sondern vor allem die Mülheimer Straße.

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„Hier hat sich alles sehr verändert. Es gibt viele Shisha-Buden und Wettbüros, kaum noch Einkaufsmöglichkeiten für uns. Trotzdem gefällt mir Frohnhausen immer noch sehr, aber es ist nicht mehr das Gleiche“, erzählt eine 80-jährige Frohnhauserin an der Bushaltestelle Frohnhauser Platz, nur 50 Meter von dem Ort der Razzia entfernt.

Seit über 50 Jahren wohne sie in Frohnhausen, bis vor ein paar Jahren habe es hier alles zum Einkaufen gegeben, jetzt werde es immer weniger.

Viele Geschäfte auf der Mülheimer Straße stehen leer

Und was ist mit Clans? „Davon habe ich nichts mitbekommen. Es gibt wohl öfter Schlägereien im Riehl-Park, aber sonst sind die Ausländer alle sehr nett. Sie helfen mir immer mit den Einkäufen und so.“

Viele Geschäfte stehen leer auf der Mülheimer Straße. Niemand habe mehr Lust oder Geld hier etwas aufzubauen, sagt die 80-Jährige. Selbst die Ausländer nicht, so die Frau, bevor sie in den Bus steigt.

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Mann erlebte Razzia im Café in Essen-Frohnhausen mit

Im Einsatzort vom vergangenen Samstag, dem Bizim Café an der Mülheimer Straße, sitzen am Montagmittag vier junge Männer, sie spielen Karten und rauchen eine Shisha. Unter ihnen sitzt Mohammed Turan. Er behauptet, am Samstagabend die Razzia miterlebt zu haben: „Vier bis sechs Mannschaften sind hier gewesen. Die Polizisten haben Geld und Shisha-Tabak beschlagnahmt. Sie suchen etwas Illegales, damit sie einen Grund haben, den Laden schließen zu können.“

Im weiteren Gespräch kritisiert er die Razzia: „Dieses Café bietet den jungen Leuten die Möglichkeit, von der Straße fernzubleiben. Wir verbringen hier nur unsere Zeit und spielen Karten.“ Sollte das Bizim Café schließen, würden junge Leute ihre Zeit auf der Straße vertreiben und so eher auf falsche Gedanken kommen. Statt Shisha zu rauchen würden dann Drogen konsumiert, heißt es in der Runde.

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Geschäftsmann sagt den Clans Kontakte zu den Rockern Hells Angels nach

Doch ist alles wirklich nur so harmlos? Ein türkischer Geschäftsmann von der Mülheimer Straße überlegt kurz, wie er den Satz formulieren soll, ohne zu viel zu sagen. „Ich würde mich von den Leuten fernhalten. Die haben mit den Hells Angels zu tun, muss ich noch mehr sagen?“ Die Rocker-Gruppierung ist bekannt für ihre kriminellen Machenschaften. Aus Angst vor Ärger möchte er anonym bleiben.

Essen-Frohnhausen bekommt ein anderes Image

Er lebt schon lange auf der Mülheimer Straße, führt hier sein Geschäft. Früher sei alles sauber gewesen, er habe fast vom Bürgersteig essen können, so sauber sei es gewesen. Es habe Ärzte, Apotheken, einen Schlecker und andere Geschäfte gegeben. Jetzt stehen viele Läden leer. „Und dass die Polizei hier andauernd lang fährt, ist auch schädlich für mein Geschäft.“

Innerhalb einer halben Stunde fahren an diesem Tag tatsächlich drei Streifenwagen der Polizei unabhängig voneinander über die Mülheimer Straße, biegen hinter dem „Bizim Café“ in eine Nebenstraße ab und drehen ihre Runden.

Frohnhausen hat ein anderes Image bekommen

Frohnhausen habe ein anderes Image bekommen, so der Geschäftsmann. Außerdem betont er: „In der Türkei wird immer gesagt: Wenn du in ein anderes Land kommst, dann schau dir an, wie viele Teestuben oder Cafés dort an einem Ort sind. Je weniger du findest, umso kultivierter sind die Menschen dort.“

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Wer arbeiten geht, der hat keine Zeit, andauernd im Café zu sitzen

Denn wenn die Leute arbeiten gehen und Bildung haben, würden sie nicht so viel Zeit haben, in solchen Läden herumzusitzen. Und genauso verhalte es sich jetzt auch mit den Shisha-Bars. „Die sprießen überall aus der Erde, auch hier in Frohnhausen. Denken Sie mal darüber nach, warum.“

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Mülheimer Straße in Essen-Frohnhausen: Es gibt auch Bio-, Buch- und Hundebedarfsladen

Wer die Mülheimer Straße weiter hochgeht, entdeckt allerdings auch einen Bio-Laden, die Eisdiele Casal, ein Geschäft rund um den Hund und mehrere Kinder- sowie Buchläden. Doch alles also nur eine Übertreibung, dass Frohnhausen bzw. die Mülheimer Straße sich in die falsche Richtung entwickelt?

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Die 80-Jährige aus Frohnhausen hat eine klare Meinung: „Nein. Auch diese Läden werden sich nicht ewig halten, wenn die Entwicklung hier so weitergeht. Denn dann ziehen viele Menschen weg und übrig bleiben nur die Alten und die Arbeitslosen.“ (fb/dö)

 
 

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