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Clan-Prozess in Essen: Urteil gefallen – dann eskaliert die Situation im Gerichtssaal

Essen: Nach dem Urteil im Clan-Prozess eskalierte die Situation.
Essen: Nach dem Urteil im Clan-Prozess eskalierte die Situation.
Foto: DER WESTEN

Essen. Im Clan-Prozess am Amtsgericht Essen ist am Donnerstag das Urteil gefallen. Kurz darauf eskalierte die Situation im Gerichtsgebäude!

Clan-Prozess: Urteil in Essen gefallen

Richterin Claudia Schlarb hatte gerade das Urteil im Clan-Prozess verkündet, da bekamen sich die beiden Haupttäter Mohamed S. (zu 3 Jahren Haft verurteilt) und Ahmed M. (3 Jahre und 3 Monate) in die Haare. Zunächst flogen verbale Beleidigungen, dann wollten sie auch körperlich aufeinander los. Polizisten gingen dazwischen.

Auch im Zuschauerraum eskalierte daraufhin die Situation. Nach DER WESTEN-Informationen wurde bei den Tumulten auch eine Polizistin leicht verletzt. In der Rangelei soll sie einen Ellbogen ins Gesicht bekommen haben. Die Polizei war mit einem Großaufgebot und einem Polizeihund angerückt.

Drei Personen wurden aus dem Gericht abgeführt. Es sei zu einer Festnahme gekommen, bei der nun der Verdacht auf Widerstandshandlung untersucht werde. Das teilt die Gerichtssprecherin Gaury Sastry gegenüber DER WESTEN mit. Möglicherweise handelt es sich dabei um einen Familienangehörigen der Angeklagten aus der Saado-Familie.

Ahmed M. und Mohamed S. als Haupttäter ausgemacht

Das Gericht hatte vorher Ahmed M. und Mohamed S., die im Laufe des Prozesses schon einmal verbal aneinander geraten waren, als Haupttäter der hinterhältigen Prügelattacke ausgemacht.

Während der Urteilsverkündung hatte Mohamed S. seine Nerven verloren. Er unterbrach die Richterin und sagte: „Wer sind Sie denn?“ Richterin Schlarb forderte ihn auf, zuzuhören. Mohamed S. reagierte darauf respektlos: „Ich höre nicht zu.“

Neben den beiden Haupttätern müssen auch Ahmed H., Nico G. und Matin J. zwischen einem Jahr und 2 Jahre und acht Monate hinter Gitter. Die beiden Angeklagte Faissal K. und Fadi S. spielten „eine untergeordnete Rolle“ in der Prügelei und kamen mit einer Bewährungsstrafe davon. Letzterer erhielt mit einer acht monatigen Bewährungsstrafe die geringere Strafe. Denn er soll nach seinem Tritt in den Rücken des Opfers versucht haben, die anderen Angeklagten von weiteren Angriffen aufzuhalten.

Ob es einen „Initiator“ gegeben habe und wenn ja, wer das gewesen sei, habe nicht festgestellt werden können, so Richterin Schlarb.

Enrico K., der das schockierende Video der Tat gemacht hat und damit klar als Mittäter gilt, wurde zu vier Wochen Dauerarrest und 80 Arbeitsstunden verurteilt.

Gemeinsam mit einem Lockvogel hatten die Angeklagten einen 18-jährigen aus der Rammo-Familie auf einen Schulhof in Altendorf gelockt und dort brutal verprügelt. Das Geschehen hatten sie in einem Video festgehalten und ins Internet geladen und so im vergangenen Sommer eine Clan-Fehde ausgelöst.

Clan-Fehde in Essen: Eine Chronologie
Clan-Fehde in Essen: Eine Chronologie

Entsprechend groß war das Interesse bei der Urteilsverkündung. Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt. Zunächst hielten noch die Anwälte ihre Plädoyers, die das vergangene Woche noch nicht gemacht hatten.

Essen: Anwalt spricht nicht von „Clanstrukturen“

Alle Anwälte hatten zuvor eine Jugendstrafe für ihre Mandanten gefordert. Auch befürworteten sie die Aussetzung zur Bewährungsstrafe. Der Verteidiger von Mohammed S. bestritt zudem, dass Clanstrukturen in der Familie Saado vorliegen würden.

Der einzige minderjährige Angeklagte, Enrico K., habe das brutale Video gemacht und sich so von der Tat distanziert, meinten seine Verteidiger. Das Filmen der Prügelei reiche nicht für den Vorwurf der Körperverletzung.

Staatsanwältin: „Besondere kriminelle Energie“

Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer von einer „besonderen kriminellen Energie“ gesprochen und bezeichnete die Prügelattacke als „sehr gefährlich“. Für Staatsanwältin Franca Bandorski ist klar, dass die brutale Tat „gemeinschaftlich“ geplant wurde und alle acht Angeklagten dabei waren. Sie hatte in ihrem Plädoyer zwischen zehn Monaten und 3,5 Jahren Gefängnis nach Jugendstrafrecht gefordert.

Schon im Rahmen des Prozesses war es wiederholt zu Tumulten im Gerichtsgebäude gekommen. Einmal musste der Gerichtssaal komplett geräumt werden, weil es zu Schubsereien und Auseinandersetzungen im Zuschauerraum gekommen war.

 
 

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