Essen

Nach Urteil zu Essener Clan-Fehde: Prozess bringt DIESE bittere Erkenntnis!

Urteil im Clan-Prozess in Essen!
Urteil im Clan-Prozess in Essen!
Foto: Marcel Storch/DER WESTEN

Essen. Grinsende Angeklagte ohne erkennbare Reue. Ein Opfer, das selbst in U-Haft sitzt und die Richterin anblafft. Mehrfach Tumulte und Beleidigungen im Gerichtssaal. Der Clan-Prozess in Essen ist am Donnerstag mit einem Urteil und erneutem Chaos im Gerichtsgebäude zu Ende gegangen.

Clan-Prozess in Essen: Prozess zeigt fehlenden Respekt vor Rechtsstaat

Damit endet eine Clan-Fehde, die Essen im vergangenen Jahr in Atem hielt. Ein Jugendlicher aus einer bekannten Essener Clan-Familie war auf einem Schulhof in Altendorf in einen Hinterhalt gelockt und brutal verprügelt worden. Die Angreifer hatten den feigen Angriff in einem Video festgehalten.

Letzter trauriger Höhepunkt des Prozesses: Nach dem Urteil bekommen sich die beiden Haupttäter in die Haare, erst verbal, dann wollen sie aufeinander losgehen. Es folgen Tumulte im Gerichtssaal. Die Polizei rückt mit Großaufgebot und Hunden an.

Schon vorher immer wieder Ärger und Respektlosigkeiten im Gerichtssaal. Ein Angeklagter brüllt bei der Urteilsverkündung in Richtung Richterin: „Wer sind Sie denn, dass ich Ihnen zuhöre.“

„Bleiben Sie auf dem Boden, haben Sie Respekt!“

Nicht besser: das Angriffsopfer - selbst wegen eines Vergewaltigungsverdachts gerade in U-Haft - blafft: „Was stellen Sie denn für komische Fragen? Bleiben Sie mal auf dem Boden, haben Sie Respekt!“

Als er von der Richterin gefragt wurde, was er beruflich macht, antwortete er: nichts!

Genau das scheint jenes Klientel auch vom deutschen Rechtsstaat zu halten. Das haben weite Teile des Prozesses sehr eindringlich deutlich gemacht: Es gibt Kreise, die in einer Parallelgesellschaft leben.

----------------------

Mehr zum Clan-Prozess in Essen:

+++ Clan-Prozess in Essen: Großeinsatz! Schon wieder Eskalation im Gerichtsgebäude – DAS fordert die Staatsanwaltschaft +++

+++ Clan-Eskalation in Essen: Acht Angreifer prügeln auf jungen Mann (18) ein – Vater nimmt Rache +++

+++ Clan-Prozess in Essen: Video wirft jetzt DIESE Frage auf +++

----------------------

Clans setzen auf Friedensrichter statt Justiz

Schon im Vorfeld hätten die Clans die Angelegenheit wohl am liebsten ohne die deutsche Justiz geregelt. Ein Friedensrichter soll extra aus Berlin nach Essen angereist sein, um den Streit beizulegen. Die Polizei kam dem mit einem Großaufgebot zuvor.

Später wurde der Konflikt tatsächlich an der Justitia vorbei dann doch noch unter den Clans geschlichtet. Geld soll geflossen sein, um den Zwist zu befrieden. Ein Video dokumentierte den geschlossenen Familien-Frieden. Doch auch das verhinderte nicht, dass Polizeihundertschaften und Justizbeamte während der sechs Verhandlungstage im Dauereinsatz waren. Wiederholt kam es zu Tumulten im Zuschauerraum, einmal musste der Saal komplett geräumt werden.

Wahre Hintergründe bleiben im Dunkeln

Die wahren Hintergründe des Angriffs konnte der Prozess nicht vollends aufklären. Ob es eine mögliche Erpressung mit Nacktbildern eines Mädchens oder Beleidigungen des toten Vaters eines Angeklagten war - hier widersprachen sich die Zeugen und Angeklagten.

Clan-Fehde in Essen: Eine Chronologie
Clan-Fehde in Essen: Eine Chronologie

Der Prozess hat aber gezeigt: die Null-Toleranz-Strategie des NRW-Innenministeriums scheint notwendig zu sein. Aber es wird einen langen Atem brauchen.

Zu lange hat der Staat geschlafen, die in den 70er und 80er Jahren aus dem Libanon nach Deutschland geflüchteten Familien lebten jahrzehntelang mit Duldungen, durften nicht arbeiten, wurden im Stich gelassen. Viele haben sich längst hervorragend integriert. Doch manche sind abgerutscht. Es sind Parallelgesellschaften entstanden.

Null Toleranz kann da nur der Anfang sein. Präventionsangebote müssen dringend folgen, um nicht auch zukünftige Generationen zu verlieren - und um Strukturen aufzubrechen. Bislang hat sich da immer noch nicht viel getan.

 
 

EURE FAVORITEN