"ChorForum Essen" übernimmt Kirche St. Engelbert als Kulturhaus

Das Holzkruzifix von Ludwig Gies von 1956 für die St. Engelbert-Kirche: Nun will das "ChorForum Essen" das ehemalige Gotteshaus nutzen. Foto: Ulrich von Born
Das Holzkruzifix von Ludwig Gies von 1956 für die St. Engelbert-Kirche: Nun will das "ChorForum Essen" das ehemalige Gotteshaus nutzen. Foto: Ulrich von Born
Foto: WAZ FotoPool
Das „ChorForum Essen“ und die katholische Kirche haben einen Vertrag über die Nutzung der ehemaligen Kirche St. Engelbert als Chor- und Kulturhaus geschlossen. Der Bau wird zunächst für fünf Jahre überlassen - für weltliche, aber würdige Zwecke.

Essen.. Die Feuerprobe als Zentrum und Aufführungsort für das „ChorForum Essen“ hat die frühere Kirche St. Engelbert an der Kronprinzenstraße längst bestanden. Bereits 2010 brachte Alexander Eberle, Initiator und künstlerischer Leiter des 2006 gegründeten „ChorForum“, zum Festival „Maggio Musicale“ zahlreiche Chöre und Musikensembles zusammen.

Dies alles geschah damals noch auf Basis eines zweimonatigen Mietvertrags zwischen der City-Pfarre St. Gertrud, der die frühere Engelbert-Gemeinde im Zuge der Neustrukturierung im Bistum Essen zugeschlagen wurde. Jetzt gibt es einen langfristigen Vertrag zwischen Gertrudis-Pfarre und ChorForum. Darin überlässt die Pfarre die frühere Engelbert-Kirche dem Verein „ChorForum Essen“ unentgeltlich für zunächst fünf Jahre, mit Option auf zehn Jahre sowie einem festgelegten Vorkaufsrecht. Das „ChorForum “ kommt für Pflege, Unterhalt, Abgaben und Umbaukosten auf und nutzt den denkmalgeschützten Bau ab sofort für „weltliche“, wenn auch „würdige Zwecke“. So ist es im Vertrag vorgesehen.

Böhm-Bau verkommt nicht zum Party-Tempel

Für Bistum und Pfarre sicherlich beruhigend, dass der viel gepriesene Böhm-Bau nicht zum Party-Tempel oder Fitness-Studio verkommt. Immerhin spielte die Kirche der einst großen Gemeinde eine Rolle im stillen Widerstand gegen die Nazi-Herrschaft. Vor der Zerstörung des Trutzburg ähnlichen Baus mit seiner ursprünglichen wuchtigen Doppelturmfassade fanden Jugendtage u.a. mit dem damals neu ernannten Kölner Kardinal Frings statt. Tausende katholischer Jugendlicher kamen noch Anfang der 1940er Jahre - und so gerieten diese Bekenntnistage zu imposanten Gegenveranstaltungen der Hitlerjugend-Aufmärsche.

Auch im Inneren der nach dem Bombenkrieg kleiner wieder aufgebauten Kirche wird Geschichte lebendig. Im hohen, bunt verglasten Chor hängt ein monumentaler Holzkruzifix von Ludwig Gies aus dem Jahr 1956. Gies zählte zu den von den Nazis als „entartet“ bezeichneten Künstlern, seine Werke wurden 1937 in der Münchener Schau „Entartete Kunst“ diffamiert. In Essen schuf er nach dem Krieg nicht nur den Kruzifix in St. Engelbert, sondern auch die großen Chorfenster der Münsterkirche.

Qualitätsvolle Neunutzung

Auch Alexander Eberle ist sich dieser Bedeutung der neuen Heimat des „ChorForums“ bewusst. Er plant dementsprechend eine angemessene wie qualitätsvolle Neunutzung.

Zwar stünden zum Beispiel die früheren Marmoraltäre und der Ambo der Funktion des ehemaligen Chors als Bühne im Weg. Aber man werde eine Lösung finden, glaubt der Musiker, der hauptberuflich als Chordirektor am Aalto-Theater arbeitet.

Die Kapelle am anderen Ende der Kirche solle erhalten bleiben, sagt Eberle. Als Meditationsort, vielleicht sogar für Hochzeiten, die anschließend im „ChorForum“ gefeiert werden können. Am 1. Mai soll das Zentrum auf jeden Fall betriebsfertig sein. Derzeit wird u.a. mit Hilfe des „Essener Konsens“ und des Franz Sales-Hauses das Untergeschoss als Proben- und kleine Aufführungsräume renoviert. Ab Mai soll der gesamte Komplex genutzt werden können.

 
 

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