„Chance hoch zwei“ fördert Nicht-Akademiker-Familien

Ist mit Herzblut dabei: Gabriele Spengler (Mitte), Projektleiterin von „Chance hoch zwei“, freut sich mit Prorektorin Prof. Dr. Regina Ziegler (Uni Duisburg/Essen) über die Auszeichnung durch NRW-Ministerin Svenja Schulze (l.).
Ist mit Herzblut dabei: Gabriele Spengler (Mitte), Projektleiterin von „Chance hoch zwei“, freut sich mit Prorektorin Prof. Dr. Regina Ziegler (Uni Duisburg/Essen) über die Auszeichnung durch NRW-Ministerin Svenja Schulze (l.).
Foto: Funke Foto Services
„Chance hoch zwei“, ein ausgezeichnetes Projekt der Uni Duisburg/Essen, unterstützt Jugendliche aus Nicht-Akademikerfamilien. Drei Teilnehmer erzählen, was die Förderung für sie bedeutet.

Essen.. Valentina Uthin hat allen Grund, stolz zu sein: Sie wird die erste in ihrer Familie sein, die das Abitur macht und anschließend studiert. Möglich macht das „Chance hoch zwei“, ein Stipendienprogramm der Uni Duisburg/Essen für Jugendliche aus Nicht-Akademikerfamilien, an dem die 17-Jährige aus Freisenbruch seit einem Jahr teilnimmt. „Die Projektleiterin Gabriele Spengler kam in unsere Schule und hat das Stipendium vorgestellt“, erzählt die Zwölftklässlerin, „und daraufhin habe ich mich beworben.“ Mit dem Eintritt in das Programm hat sich der Schülerin der Erich-Kästner-Gesamtschule eine neue Welt eröffnet: Dazu zählen nicht nur Seminare zur Sprach- und Lernkompetenz oder zur Studienauswahl. „Ich habe die Uni kennengelernt, gehe mit meiner Mentorin ins Theater und ins Museum.“

Auch das gehört zum Stipendium, das gerade von NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze als „Ort des Fortschritts“ ausgezeichnet wurde. „Die Schüler und Schülerinnen werden von Mentoren begleitet, die alle selbst ältere Stipendiaten sind“, nennt Gabriele Spengler eine von vielen Besonderheiten, mit denen sich „Chance hoch zwei“ von ähnlichen Programmen absetzt. Dazu zählt auch der frühe Eintritt: Bereits drei Jahre vor dem Abitur werden Schüler, die das nötige Talent mitbringen, gefördert.

Hemmschwelle Universität überwinden

So wie Zelal Satan. Nächstes Jahr wird die 18-Jährige ihr Abitur machen, danach möchte sie Medizin studieren. Mit einem derzeitigen Notendurchschnitt von 1,3 ist die ehrgeizige junge Kurdin ein Paradebeispiel für den Erfolg von „Chance hoch zwei“. „Meine Eltern sprechen kaum Deutsch, sie konnten mir bei der Schule nicht helfen“, sagt sie. Deswegen nimmt sie bereits seit dem sechsten Schuljahr am Förderunterricht für Schüler mit Migrationshintergrund an der Essener Uni teil. „Dort habe ich auch vom Stipendium erfahren.“ Seit sie dabei ist, hat Zelal das Gefühl, „dass mir alle Türen offenstehen und eine tolle Zukunft vor mir liegt“.

125 Schüler und Studenten werden derzeit über das 2012 gestartete Programm, das auf sechs Jahre angelegt ist, unterstützt, „doch es könnten ruhig noch mehr sein“, sagt Gabriele Spengler. Nötig wäre das: Denn noch immer sind Kinder aus Nicht-Akademikerfamilien an der Uni in der Unterzahl. Und das kann nicht nur am fehlenden Potenzial liegen, sondern vielmehr daran, dass dieses Potenzial nicht erkannt und nicht gefördert wird. Deswegen arbeitet Spengler mit mehreren Schulen zusammen, die Vorschläge für das Stipendium machen.

So hat auch Tobias Kuhn eine Chance bekommen. „Ich hätte wahrscheinlich nicht studieren können, weil das Geld dafür einfach nicht da ist“, sagt der 20 Jahre alte Student des Bauingenieurwesen. Die 300 Euro, die der Sohn einer alleinerziehenden Mutter monatlich von „Chance hoch zwei“ erhält, nutzt er für nötige Fachliteratur oder zahlt damit die Semestergebühr. Das Stipendium hat Tobias auch geholfen, die Hemmschwelle Universität zu überwinden. „Ich habe mir das früher nicht zugetraut, mich an der Uni zu bewegen. Ich hätte mich da fremd und deplatziert gefühlt.“ Die Berührungsängste sind längst Vergangenheit. Heute strebt der junge Mann eine universitäre Karriere an. Er möchte nach dem Master promovieren.

 
 

EURE FAVORITEN