„Carnap Art“ bietet Künstlern eine Bühne

Karnap..  Wenn einem etwas nicht passt, dann kann man sich darüber ärgern. Oder man kann selbst aktiv werden. So wie Bernhard Pflugradt und Simone Stodiek. „Jahrelang haben wir uns darüber aufgeregt, dass es hier in Karnap kein Kulturangebot gibt“, sagen sie. „Also mussten wir selbst dafür sorgen, dass hier so etwas entsteht.“

2009 war bei ihnen die Idee so weit gereift, dass es hätte losgehen können. Pflugradt und Stodiek träumten von „kleinen, aber feinen Kulturveranstaltungen“. Doch diese Realität werden zu lassen, war gar nicht so einfach. Fünf Jahre sollten vergehen, bis das ehrenamtliche Projekt „Carnap Art“ tatsächlich starten sollte. Und als dann im vergangenen Sommer auch noch erstmalig das „KulturCafé“ über die Bühne ging, war beiden klar: „Es hat sich gelohnt.“

Die Bilanz, die das „Carnap Art“-Duo nach dem ersten Jahr zieht, ist positiv: 14 „KulturCafé“-Veranstaltungen hat es gegeben, mehr als 50 Künstler sind aufgetreten, meist kommen 40 bis 100 Gäste.

Eine feste Heimat gefunden hat die Veranstaltungsreihe im „CaféFee“ am Karnaper Markt. „Als die beiden bei mir angefragt haben, ob ich Interesse hätte mitzumachen, war ich sofort begeistert“, sagt Café-Betreiberin Heike Demsar. „Die Veranstaltungen sind inzwischen über die Grenzen des Stadtteils hinaus bekannt. So etwas ist gut für den Ruf Karnaps.“

Beim „KulturCafé“ – immer am ersten Samstag im Monat von 15 bis 18 Uhr – treten die Künstler auf. Sie alle verzichten auf eine Gage. Musiker spielen ihre Songs, zwischen ihren Auftritten gibt es Textbeiträge – vorgetragen werden etwa Gedichte oder Klassiker. Abwechslungsreich ist das Programm, immer wieder aufs Neue soll das Publikum überrascht werden. Wenn den Gästen gefällt, was sie sehen und hören, können sie den Künstlern an der Theke ein symbolisches Bier spendieren – diese Einnahmen teilen sie anschließend untereinander auf. „Da kommt nicht viel bei rum. Es reicht vielleicht fürs Spritgeld. Aber ums Geld geht es ja auch gar nicht“, sagt Bernhard Pflugradt.

Spielen, was sie wirklich wollen

Vielmehr gehe es darum, den Künstlern eine Bühne zu bieten, auf der sie spielen können, was sie wirklich spielen wollen – und nicht das, was ein Veranstalter ihnen vorschreibt. „Wenn ein Künstler für ein Fest gebucht ist, soll er Stimmung machen“, erklärt Pflugradt. „Und dann soll er Cover-Songs spielen. Angeblich, weil das Publikum das will.“ Beim „KulturCafé“ ist das anders. Da können die Musiker ihre eigenen Werke präsentieren. Es gehe um „Kunst, die nicht abgehoben ist“, sagt Pflugradt. „Kultur von Arbeitern für Arbeiter.“ Und Stodiek führt aus: „Bodenständig“ solle das Angebot sein.

Bernhard Pflugradt und Simone Stodiek machen selbst Musik. Vor etwa sieben Jahren haben sie damit begonnen. „So schwierig kann das ja nicht sein“, hätten sie damals gedacht. Schwierig war es dann aber doch. Doch das sei für sie kein Grund zum Aufgeben gewesen. Das Spielen der Instrumente und das Singen hätten sie sich selbst beigebracht.

Bald entstand eine gemeinsame Projekt-Band, die Honey Roses. Stodiek startete zudem als Singer-Songwriterin das Soloprojekt Jetblackyblue. Und gemeinsam mit ihrem Bruder bildet sie das Akustik-Gesangs-Duo Geschwister Fürchterlich. Pflugradt spielte zudem mit der Band The Crazy Crinkles eigene Lieder und Interpretationen von Rock-, Jazz- und Soulstücken.

Dass die Erfinder des „KulturCafé“ bei ihren Veranstaltungen im „CaféFee“ selbst auf der Bühne stehen, kommt aber eher selten vor, sagen sie. „Es soll ja schließlich keine Bühne für uns zur Selbstdarstellung sein“, sagen sie.

Wenn Pflugradt und Stodiek einen Blick auf die Zukunft von „Carnap Art“ wagen, sagen sie: „Wir haben noch viel vor. Und wir haben auch nicht vor, irgendwann damit aufzuhören.“ Die Nachfrage von Künstlern nach Auftrittsmöglichkeiten nehme ständig zu: Schon bis März 2017 seien alle „KulturCafé“-Veranstaltungen durchgeplant. Und dass sie mit „Carnap Art“ etwas bewegen, davon sind sie überzeugt: „Wir werden zwar die Welt nicht verändern“, sagen sie, „aber wir können die Nachbarschaft, den Stadtteil und unser eigenes Leben positiv beeinflussen“.

 
 

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