Bunt, schrill und ganz schön politisch

Die CSD-Organisatoren laden zur Demonstration für gleiche Rechte, zur „Kumpelparade“ in die Innenstadt. Der „Blütenfest-Award“ geht an Kai Gehring.
Die CSD-Organisatoren laden zur Demonstration für gleiche Rechte, zur „Kumpelparade“ in die Innenstadt. Der „Blütenfest-Award“ geht an Kai Gehring.
Foto: Knut Vahlensieck
Der elfte Ruhr-Christopher Street Day steht in den Startlöchern. Der neue gemeinnützige Verein „Ruhr-Pride“ lädt an diesem Freitag und Samstag zum zweitägigen CSD in die Essener Innenstadt. Die Forderung nach Gleichberechtigung steht dabei im Vordergrund.

Essen. Regen? Nein, den wünschen sie sich fürs Wochenende auf keinen Fall – die Organisatoren des nunmehr elften „Ruhr-Christopher Street Day“. Dafür möglichst mehrere tausend weltoffene, tolerante Menschen, die mit ihnen gemeinsam für die Rechte von Lesben, Schwulen sowie Transgender mitten in der Stadt demon-strieren, danach laut und schrill feiern – auf dem Kennedyplatz. Der Ruhr-CSD, er gehört zu Essen, da sind sich Kerstin Engel von „Frauen-Liebe im Pott“, Dietrich Dettmann vom Verein Ruhr-Pride, Aids-Hilfe-Chef Markus Willeke und Thomas Stempel einig.

Letzterer spricht fürs Forum Essen Lesben und Schwule. Essens Ruhr-CSD am nächsten Freitag und Samstag, 1. und 2. August, gilt revierweit als größtes schwul-lesbische Straßenfest. Dettmann: „Wir wollen nicht Köln Konkurrenz machen, wir sind anders, haben nicht diesen schrillen Aspekt, der uns ein bisschen zuwider ist. Wir wollen aufklären und zusammen mit der Bevölkerung feiern – mit allen offenherzigen Menschen.“

Forderung nach Akzeptanz und Toleranz

Auch wenn es heute für viele junge Lesben und Schwule leichter sei, ih­re Sexualität offen zu zeigen und zu leben, sei es wichtig, in die Stadt zu gehen „und die Forderungen nach Akzeptanz, Toleranz und gleichen Rechten im bunten Revier für Lesben, Schwule und Transmenschen vorneweg zu tragen“, so Willeke.

Den Ruhr-CSD wollen Essens Grüne und ihr Bundestagsabgeordneter Kai Gehring mit einem „Community-Warm-up“, einem Empfang am Freitag, 1. August, um 16 Uhr beginnen. Gastrednerin im Grünen Zentrum, Kopstadtplatz 3, ist Martina Hoffmann-Badache, Staatssekretärin im Gesundheitsministerium NRW. Rockig, poppig und klassisch un­termalen soll der Musiker Ephraim Levi. Jeder ist willkommen, Anmeldung unter: 0201 / 24 76 433. Ein ökumenischer Gottesdienst am Freitag um 18 Uhr in der Marktkirche gehört wie in jedem Jahr fest ins Programm. Gleichzeitig beginnt das Fest mit Karaoke auf dem Kennedyplatz.

Musik und Diskussionen auf der Bühne

Am Samstag geht’s ab 12 Uhr los – mit der Eröffnung durch den Schirmherren, Oberbürgermeister Reinhard Paß. „Diskriminierung darf bei uns keinen Nährboden finden“, betont Paß. Beim Amt für Soziales und Wohnen ist mittlerweile die „Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen“ eingerichtet worden. Ihre Arbeit werde Paß vorstellen, so der Veranstalter. Die Demo, die sogenannte „Kumpelparade“ der „Kohle-Prinzsessinen und Gruben-Kerle“ un­ter dem Motto „Liebe. Leben. Queer im Revier!“ beginnt am Samstag um 13 Uhr am Hauptbahnhof, zieht dann durch die Fußgängerzone zum Pferdemarkt und anschließend über den Flachsmarkt auf den Kennedyplatz. Um 18 Uhr wird der Bundestagsabgeordnete Kai Gehring (Grüne) mit dem CSD-Toleranzpreis, dem „Blütenfest-Award“, ausgezeichnet.

Neben viel Musik von in der Szene bekannten Künstlern wie Grace Royal, Pro You, Die Terrortucken, Eike Sax, Prinz Chaos, Betty Heller und „Das kleine Miststück“ (Rosenstolz-Cover) sind Gespräche und Diskussionen auf der Bühne geplant. So diskutieren im „Polit-Talk“ Frank Müller (SPD), Thomas Mehlkopf-Cao, (CDU), Günther van Wasen (FDP), Walter Wandtke (Grüne) und Ali Utlu (Piraten) über die neu geschaffene Koordinierungsstelle und die Aufgaben, die sich für ältere Schwule, Lesben, Transgender und die mit einer Zuwanderungsgeschichte stellen.

Bei der der Schweigeminute der um 19 Uhr steigen Hunderte Luftballons gleichzeitig in den Himmel auf, um an die von HIV und Aids Betroffenen aufmerksam zu machen und ihnen zu gedenken. Aber auch allen anderen, die wegen ihrer sexuellen Orientierung verfolgt werden, und den vielen Aids-Forschern, die beim Absturz von Flug MH17 in der Ukraine zu Tode kamen.

Weitere Infos und das Gesamtprogramm gibt’s auf www.ruhr-csd.de

 
 

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