Bürgerprotest fällt Evag-Masten im Essener Stadtteil Rüttenscheid

Ein Ärgernis mitten auf dem Bürgersteig in Essen-Rüttenscheid: Die Masten behindern Fußgänger, Mütter mit Kinderwagen und Menschen mit Rollatoren.
Ein Ärgernis mitten auf dem Bürgersteig in Essen-Rüttenscheid: Die Masten behindern Fußgänger, Mütter mit Kinderwagen und Menschen mit Rollatoren.
Foto: WAZ FotoPool
Die Menschen in Essen-Rüttenscheid protestierten erfolgreich: Das Verkehrsunternehmen Evag hat mit dem Abbau der umstrittenen und inzwischen überflüssigen „Spargel“ an der Friederikenstraße begonnen. Als Bautrupps im Frühsommer 2011 die ersten Löcher entlang der Zweigert-, Klara- und Friederikenstraße aushoben, riefen sie den Zorn der Bürger hinauf.

Essen. Es ist das Symbol eines erfolgreichen Bürgerprotestes in Rüttenscheid: Eine Baufirma hat im Auftrag der Essener Verkehrs-AG (Evag) begonnen, drei der erst vor einem Jahr unter wütendem Einwand der Anwohner aufgestellten Fahrleitungsmasten wieder abzubauen. Die angeblich unverzichtbaren Halterungen für die geplante moderne Oberleitung werden nun wie früher durch Wandhaken an den Häuserwänden ersetzt.

Als Bautrupps im Frühsommer 2011 die ersten Löcher entlang der Zweigert-, Klara- und Friederiken­straße aushoben, da haben die Rüttenscheider sich ein wenig gewundert. Vorarbeiten für die Erneuerung der Fahrleitung der Linie 106, begründete die Evag knapp die Bauarbeiten. Anfang August dann begann die Evag mit der Aufstellung der Riesenmasten mitten auf den ohnehin schon schmalen Bürgersteigen. Die grauen Riesen ragten bis zum dritten Stock der Häuser. Dem Erstaunen folgten Bestürzung und Zorn - auch bei den Bezirkspolitikern, mit denen das Verkehrsunternehmen im Vorfeld nicht gesprochen hatte.

Baudezernentin Simone Raskob sprach ein Machtwort

Anwohner Harald Korff, Betreiber der Galerie F 19, organisierte Anfang August den Protest. Er gründete eine Bürgerinitiative, vor der Jörg Hejny, Projektleiter Fahrwegetechnik beim Verkehrskonzern Via, das Vorhaben noch tapfer verteidigte. Weil die neue Oberleitung, in der Fachsprache „Hochkettenfahrleitungsanlage“ genannt, viel leistungsfähiger sei als der alte Fahrdraht, müsse sie auch stärker unter Zug stehen. Deshalb gebe es zu den Masten technisch keine Alternative.

Schon wenige Tage später wurde die Evag zurück gepfiffen. Baudezernentin Simone Raskob sprach ein Machtwort und ordnete einen sofortigen Baustopp an. Die Evag musste neu nachdenken, ob sie die Masten nicht versetzen könne - und ob es nicht auch ohne die „Spargel“ gehe.

Und siehe da: Nach einigem Nachdenken verkündeten die Ingenieure, vielleicht könne man in der engen Straßenschlucht der Friederikenstraße doch auf die Masten verzichten, wenn an der Ecke Klara-/Paulinenstraße die Fahrleitung straff genug vorgespannt werde und die Hausbesitzer entlang der Friederikenstraße sich mit dem Anbau von Wandhaken einverstanden erklärten. Bravo, sagten Bezirksvertretung und Bauausschuss im Dezember und legten sich auf die Fassaden-Lösung fest.

Kosten halten sich für Evag in Grenzen

Noch einmal hakte das Vorhaben, als die Evag mit den Einverständniserklärungen der Hausbesitzer nicht weiter kam. Noch einmal schalteten sich Bezirkspolitiker und Bürgerinitiative im März ein: diesmal auf der Seite der Evag im Gespräch mit den Eigentümern. Im Juni dann das glückliche Ende. Die Evag meldete: Wir haben alle Unterschriften zusammen, wir können die Masten abbauen.

Eben das passiert jetzt. Die Kosten für die Evag halten sich in Grenzen. „Wir können die Masten etwa an der Klarastraße wieder verwenden“, sagt Projektleiter Hejny. „So müssen wir nur die reinen Baukosten tragen.“ Die werden auf eine vierstellige Summe geschätzt.

Das Signal für den Beginn des Fahrleitungsausbaus ist der Abbau noch nicht. „Wir wollen dem Wunsch der Bürger nachkommen, die Masten so schnell wie möglich abzubauen“, sagt Hejny. Mit den neuen Plänen geht die Evag jetzt den Weg, der ihr vergangenes Jahr viel Ärger hätte ersparen können: Ortstermine mit Bürgern, Politikern und Planern, dann eine Vorlage für die Bezirksvertretung. Hejny: „Wir hoffen schon, vor dem Winter anfangen zu können.“

 
 

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