Bürgermeister Fliß - ganz Essen auf der Krawatte

Martin Spletter
Bürgermeister Rolf Fliß zeigt Teile seiner Sammlung. Fotos: Walter Buchholz
Bürgermeister Rolf Fliß zeigt Teile seiner Sammlung. Fotos: Walter Buchholz
Foto: WAZ FotoPool
Bürgermeister Rolf Fliß (Grüne) hat wohl eine der größten Krawattensammlungen der Stadt. Welche legt er am Donnerstag, also an Weiberfastnacht an? Wir haben nachgeschaut und festgestellt, dass Fliß vor allem Essen um den Hals trägt.

Essen. Es gab einen einzigen Tag im Leben von Bürgermeister Rolf Fliß (51), da trug er eine Fliege. „Das war an meiner Kommunion. Seitdem nicht mehr.“

Der umtriebige Grünen-Politiker ist dafür bekannt, dass er bei Terminen stets mit dem Rad anreist. Und dann sind da noch seine Krawatten. „Bei Empfängen und öffentlichen Veranstaltungen kommt es sehr oft vor, dass Gäste meinen Schlips fotografieren wollen“, erzählt Fliß. Nur den Schlips? „Naja, meistens bin ich dann auch mit drauf.“ Rund 80 Krawatten, schätzt er, hängen zu Hause in seinem Schrank. Somit besitzt er vermutlich eine der größten Kollektionen der Stadt. Viele davon sind echte Unikate aus Seide, bemalt von einer Kölner Künstlerin, der er regelmäßig Aufträge erteilt.

Eine seiner Lieblingskrawatten hat er sich selbst geschenkt zum 50. Geburtstag: Da hatte die Evag gerade ein Plakat zur Kulturhauptstadt-Linie veröffentlicht. Man sieht die sonnengelbe Straßenbahn 107 vor dem Zollverein-Fördergerüst. „Ich habe der Künstlerin das Plakat geschickt und gesagt, bitte mal’ mir das doch.“ Und warum ist das seine Lieblingskrawatte? „Sie ist eine gesamtstädtische Krawatte. Weil die Linie 107 ja vom Norden bis zum Süden fährt.“

„Ich kann 15 verschiedene Segelknoten“

Ansonsten wählt er jeden Morgen seinen Schlips nach Terminlage aus: „Bei Veranstaltungen im Süden trage ich gern meine Krawatte mit Baldeneysee und Villa Hügel.“ Im Norden ist es regelmäßig ein Zollverein-Motiv. Ist er in seinem Heimatbezirk Rüttenscheid unterwegs, dann trägt er gern den Grugaturm am Hals. Oder andere Parkmotive. Das Hundertwasserhaus zum Beispiel. Oder die Grugahalle, „die ich unter Denkmalschutz gestellt habe“, sagt Fliß. Als das neue Folkwang-Museum eröffnet wurde, trug er die „Caféterrasse am Abend“, ein berühmtes Motiv des Malers Vincent van Gogh. „Die trage ich ohnehin gern bei Abendterminen.“ An ihr hängt Fliß besonders, denn „über dieses Bild habe ich meine Abiturarbeit im Kunst-Grundkurs geschrieben. So hat jede Krawatte ihre Geschichte.“

Fliß ist Sprecher der Essener Fahrrad-Initiative EFI. Klar, dass er mehrere Motivkrawatten zum Thema Fahrrad hat. Fliß ist Segler. Und richtig, es gibt Schlipse mit Booten und Knoten. A propos: „Ich kann 15 verschiedene Segelknoten“, sagt Fliß. „Aber nur einen zum Krawattenbinden.“ Den einfachen Windsor, ganz klassisch. „Aber den kann ich im Schlaf, auch ohne Spiegel.“

„Eigentlich bin ich ja ein Krawattenmuffel“

Sein Ruf als Krawattenmann eilt ihm längst voraus – es gibt nicht selten Termine, an denen er einen passenden Schlips geschenkt bekommt. Im Jahr 2004 fing alles an, seine Frau schenkte ihm zum Geburtstag eine gemalte Krawatte. Sie hatte sie anfertigen lassen. Fliß als Schlips – man sieht einen bärtigen Mann auf einem Fahrrad. „Das war aber mehr ein Gag, denn eigentlich bin ich ja ein Krawattenmuffel.“ Doch dann kam die erste Amtszeit als Bürgermeister, es gab plötzlich ständig einen Anlass, sich eine Krawatte umzubinden. „Wenn das schon sein muss“, dachte sich Rolf Fliß, „dann will ich das auch mit einer Aussage verbinden, mit einer Botschaft.“

Heute, an Weiberfastnacht, wird er bewusst einen Schlips aussuchen, „über die der Geschmack hinweggegangen ist.“ Eine von der Stange, keine künstlerisch gefertigte, selbstverständlich. Vielleicht, überlegt Fliß, bedient er sich heute Morgen auch beim Krawattenschrank seines Vaters. „Natürlich nur mit dessen Einverständnis.“ Nur eins steht fest: Eine Fliege wird Rolf Fliß nicht anlegen. Auch heute nicht.

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