Bürgerinitiativen markieren 20  Asylheime im Essener Norden mit Ballons

Mit Ballons haben Bürgerinitiativen alle Flüchtlingsunterkünfte im Essener Norden gekennzeichnet. Das Bild zeigt Mitglieder von „Carnaper Originale“ und den SPD Ratsherrn Guido Reil (2.v.l.) am Mathias-Stinnes-Stadion.
Mit Ballons haben Bürgerinitiativen alle Flüchtlingsunterkünfte im Essener Norden gekennzeichnet. Das Bild zeigt Mitglieder von „Carnaper Originale“ und den SPD Ratsherrn Guido Reil (2.v.l.) am Mathias-Stinnes-Stadion.
Foto: FUNKE Foto Services
  • Ballonaktion als Hilferuf aus dem Essener Norden
  • Bürgerinitiativen beteuern: Wollen niemanden brandmarken
  • Protest gegen die Asyl- und Integrationspolitik

Essen. Sie stehen für Kirmes oder Kindergeburtstag, sie machten im Kulturhauptstadtjahr ehemalige Zechenstandorte wieder sichtbar: mit Gas gefüllte Ballons. Am Sonntag nun brachten Bürgerinitiativen 20 rote Ballons vor Flüchtlingsunterkünften im Essener Norden an. Und natürlich sind sich die Initiatoren der Aktion bewusst, dass diese Ballons nicht so harmlos fröhlich daherkommen. „Es geht uns nicht um Brandmarkung“, beteuert Uwe Hornung von der Bürgerinitiative Nord-Ost, in der sich Bürger aus den Stadtteilen Stoppenberg, Schonnebeck und Katernberg zusammengetan haben.

Die Ballons, so erklärt es Hornung, seien nicht gegen Flüchtlinge gerichtet, „sondern ein Signal für den Essener Norden“. Der nämlich sei mit den anstehenden Integrationsaufgaben überfordert, schließlich lebe man hier nicht nur mit vielen Migranten, sondern insgesamt mit vielen sozial schwachen Menschen. Oft höre er den lapidaren Hinweis, die Flüchtlinge ließen sich über kurz oder lang ohnehin im Norden der Stadt nieder, weil dort die Mieten niedriger sind. „Da macht es sich mancher sehr leicht. Ich finde, es müsste im ganzen Stadtgebiet sozialen Wohnungsbau geben; dann wären die Lasten gerechter verteilt.“

200 Teilnehmer bei Kundgebung auf dem Schonnebecker Markt

Die gefühlte Ungerechtigkeit wollen Hornung und seine Mitstreiter mit den Ballons versinnbildlichen – ein Hilferuf. Bei einer Kundgebung auf dem Schonnebecker Markt erklären sie Sonntagnachmittag ihr Anliegen: Politik und Verwaltung müssten dem Norden helfen, mit Kitas und Schulen, mit Fördermitteln und mehr Polizei. Man stehe ja voll hinter dem Recht auf Asyl: „Wir haben doch nichts gegen die Menschen, die vor dem Krieg geflohen sind.“

Das betonen auch die Mittzwanziger aus Katernberg, denen es um den Erhalt von Grün und Wald geht. Zwei von 200 Kundgebungsteilnehmern, die aus sehr unterschiedlichen Motiven gekommen sind. Gastredner Guido Reil etwa möchte seinen „Frust rauslassen“. Seit der SPD-Ratsherr vor Wochen in dieser Zeitung in deutlichen Worten die Asylpolitik anprangerte und eine verfehlte Integration beklagte, kultiviert er die Rolle des Rebellen. Verkündet nun, dass viele andere sich nicht trauten, unbequeme Wahrheiten auszusprechen, „weil sie Angst haben, in die rechte Ecke gestellt zu werden“.

So groß scheint diese Angst auf dem Schonnebecker Markt nicht zu sein. Marlis Radtke etwa erklärt: „Deutschland hat schon zu viele Flüchtlinge aufgenommen. Das schlimmste ist, dass die Frauen ein Kind nach dem anderen kriegen.“ Die Syrer treffe eine Mitschuld am Bürgerkrieg, nun sollten sie zurückgehen und ihre Heimat wieder aufbauen. „Hier haben wir eh keine Arbeit für sie“, sagt Paul Radtke.

Auch Wali Schulz spricht Klartext: Vor 18 Jahren kam sie aus Sibirien, durfte ihren erwachsenen Sohn nicht nachkommen lassen: „Dabei sprechen wir Deutsch, alle Vorfahren waren Deutsche.“ Die jetzige Flüchtlingspolitik lehnt sie rundweg ab: „Das Boot ist voll.“

 
 

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