Bürgerbegehren soll Stadtteil-Bibliotheken in Essen erhalten helfen

Foto: Remo Bodo Tietz
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Die Bürgerliste Nord beschließt formell ein Bürgerbegehren, um das Netz der Stadtteil-Bibliotheken in Essen unangetastet zu erhalten. Die SPD sieht darin einen „Aktionismus“ – und fürs politisch diskutierte Aus der Büchereien eh keine Mehrheit.

Essen.. Jetzt hat die Kulturverwaltung auch noch das „Sams“ gegen sich. Lesebündnis und politische Linksaußen, Sozialdemokraten und Grüne – sie hatten schon vorher signalisiert, dass die geplante Schließung der drei Stadtteilbibliotheken in Holsterhausen, Kray und Stoppenberg mit ihnen nicht zu machen ist. Aber jetzt kommt das respektlose, rothaarige, rüsselnasige Wesen mit den blauen Punkten im Gesicht dazu – jedenfalls dann, wenn Gisela Kühn ihre Ankündigung wahr macht und sich für eine Bibliotheks-Demo in die Hauptfigur des Kinderbuch-Klassikers von Paul Maar verwandelt.

Kühn ist Vorsitzende des Holsterhauser Vereins zur Förderung der Kinder- und Jugendliteratur – und teilt die Empörung vieler, die nur den Kopf schütteln können darüber, dass trotz aller Bildungs-Beteuerungen, trotz wachsender Ausleihzahlen und sozialer Probleme ausgerechnet Bibliotheken auf die Streichliste kommen. Rund 40 von ihnen trafen sich am Donnerstag, um auf Einladung der Bürgerliste Nord auch formell zu beschließen, was nur Formalie schien, seit die NRZ erstmals über die geplanten Schließungen berichtete: dass man das Heft in die Hand nehmen und das Aus für die Bibliotheken per Begehren verhindern will. Voraussichtlich in zwei Wochen, wenn mit dem Wahlamt die letzten Rechtsfragen geklärt sind, soll die Unterschriftensammlung starten.

Das Sams kann Wünsche erfüllen

Für einen Erfolg wären drei Prozent der bei einer Kommunalwahl stimmberechtigten Bürger als Unterstützer nötig – das sind nicht einmal 14.000 Bürger ab 16 Jahren. Die stadtweit zusammenzubekommen, gilt als machbar, doch auf nennenswerte Unterstützung aus politischen Reihen wird man erst mal verzichten müssen: „Ich halte das Bürgerbegehren zum gegenwärtigen Zeitpunkt für Aktionismus“, sagt etwa SPD-Chef Dieter Hilser und verweist darauf, dass sich neben den Linken auch die grüne Ratsfraktion festgelegt habe: „Eine Schließung von Bibliotheksangeboten ausgerechnet in diesen Stadtteilen kommt für uns nicht in Frage“, so hatte Lisa Mews von den Grünen deutlich gemacht, und Hilser rechnet durch: „Wenn SPD, Grüne und Linke dagegen stimmen, gibt’s im Rat keine Mehrheit“. Überdies sei das Papier aus der Kulturverwaltung im Verwaltungsvorstand noch gar nicht diskutiert worden: „Ich gehe davon aus“, so Hilser, dass in der Etatdebatte Schließungen keine Rolle spielen.

Er geht davon aus. Und Lisa Mews sagt: „Wir verschließen uns nicht Überlegungen, wie mittels Synergien Personal- und Sachkosten gespart werden können...“ Es sind solche Formulierungen, die die Initiatoren des Bürgerbegehrens misstrauisch stimmen, ob die Bibliotheken am Ende nicht doch geopfert werden könnten. Deshalb werden sie aktiv, haben mit Patrik Koebele, Gisela Kühn und der evangelischen Pfarrerin Dagmar Kunellis bereits drei Vertretungsberechtigte gekürt.

Und das Sams nicht zu vergessen, dessen wichtigste Eigenschaft – Kinder wissen das – darin besteht: Es kann Wünsche erfüllen.

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