Bürger klagen für „Lärmschutzzone“ gegen Fluglärm

Auf dem Weg zum Zielflughafen Düsseldorf überquert ein Düsenjet Essen. Der Lärm nervt die Initiative "Bürger gegen Fluglärm".
Auf dem Weg zum Zielflughafen Düsseldorf überquert ein Düsenjet Essen. Der Lärm nervt die Initiative "Bürger gegen Fluglärm".
Foto: waz
In Essen gibt es keine ausgewiesene „Lärmschutzzone“ gegen Fluglärm. Dagegen hat die Initiative „Bürger gegen Fluglärm“ nun Klage beim Oberverwaltungsgreicht Münster eingereicht.

Essen. In Stadtteilen, die besonders viel Fluglärm abbekommen, ist ein Flughafen grundsätzlich dazu verpflichtet, entsprechende Schutzmaßnahmen für Bürger mitzufinanzieren – zum Beispiel den Einbau von Schallschutzfenstern oder Lüftern in Schlafzimmern, in denen nicht das Fenster geöffnet werden kann. Mögliche Kostenerstattung: Bis zu 150 Euro pro Quadratmeter.

Aktuelle „Lärmschutzzonen“ gibt es auf dem Essener Stadtgebiet aber nicht. Die jüngsten Lärmschutzzonen betreffen vor allem Ratingen; sie enden direkt vor dem Kettwiger Schloss Hugenpoet. Die „Lärmschutzzonen“ wurden vom Land berechnet aus Daten, die der Flughafen Düsseldorf geliefert hat. Die Daten erfassen den prognostizierten Flugverkehr im Jahr 2017.

Gegen diese Berechnung hat die Initiative „Bürger gegen Fluglärm“ jetzt Klage beim Oberverwaltungsgericht Münster eingereicht. Die Zonen seien „beweisbar zu klein“ ausgefallen. Die Daten, die der Flufhafen zur Verfügung gestellt hat, seien falsch – so seien zum Beispiel fürs Jahr 2017 nur 160 Abendflüge des lautstarken Großflugzeugs A 330 angegeben worden, obwohl schon jetzt jährlich rund 360 Spatflüge dieses Flugzeugtyps gezählt werden könnten. Grundsätzlich seien die Berechnungen so erfolgt, dass vor allem dort Zonen entstünden, wo niemand wohnt: „Dann kostet es den Flughafen auch nichts“, kritisert die Initiative. „So hat man die Nachtschutzzone wieder an Hösel vorbeigezirkelt und kurz vor Kettwig enden lassen.“

Flughafen verweist auf Behörden

Der Düsseldorfer Flughafen möchte sich zur Klage der Initiative nicht äußern und verweist auf die Behörden. Die Stadt Essen drängt darauf, dass der Airport das Nachtflugverbot besser einhält. Nach 23 Uhr darf in Düsseldorf kein Flugzeug mehr starten und landen – Ausnahme: Gesellschaften, die in Düsseldorf einen Wartungs-Schwerpunkt haben, so genannte „Home Base Carrier“. Sie dürfen bis 24 Uhr fliegen.

Doch nicht nur im Essener Süden mehren sich die Beschwerden über den Fluglärm: „Wir bekommen mittlerweile auch zahlreiche Anfragen aus Bochum“, sagt Georg Regniet von der Initiative „Bürger gegen Fluglärm“. Und Bürger Michael Ferenz (39), der in Holsterhausen wohnt, hat sich im September an die Stadt gewandt, weil er das Gefühl nicht loswird, dass sich auch über seinem Stadtteil mittlerweile eine Haupt-Anflugroute für Düsseldorfer Flugzeuge herausgebildet hat. „In letzter Zeit hat die Belastung erheblich zugenommen. Man bekommt auch in Holsterhausen und sogar im Ostviertel sehr deutlich mit, dass der Flugverkehr in Düsseldorf um 6 Uhr beginnt und um 23 Uhr endet.“ Die Nutzung der Routen, mutmaßt Ferenz, habe sich erheblich geändert – wohl auf Kosten des Essener Stadtgebiets.

Landerichtung 23 führt über Essener Stadtgebiet

Die Deutsche Flugsicherung DFS schrieb Ferenz zurück: Es komme „zufallsweise zu gestreuten Flugwegen“. Im Sommer und Herbst sei „wegen des vorherrschenden Wetters“ besonders häufig jene „Landerichtung 23“, die über Essener Stadtgebiet führt, benutzt worden.

Auch die Stadt schlussfolgert lapidar gegenüber Ferenz: „Es bleibt festzustellen, dass aufgrund der Lage Ihres Wohnbereichs im Stadtgebiet auch weiterhin mit Flugbetrieb und den damit verbundenen Auswirkungen zu rechnen ist.“ Ferenz findet die Resonanz nur mittelmäßig befriedigend: „Ich sehe die Gefahr, dass das für viele Bürger ein Grund ist, Essen zu verlassen oder nicht herzuziehen.“

 
 

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