Brüder sollen Schwester misshandelt haben – 17-Jährige schweigt vor Gericht

Stefan Wette
Das Essener Schöffengericht musste zwei Brüder aus Essen-Katernberg vom Vorwurf der schweren Körperverletzung freisprechen. Das mutmaßliche Opfer, ihre Schwester, schwieg vor Gericht.
Das Essener Schöffengericht musste zwei Brüder aus Essen-Katernberg vom Vorwurf der schweren Körperverletzung freisprechen. Das mutmaßliche Opfer, ihre Schwester, schwieg vor Gericht.
Foto: WAZ FotoPool
Laut Anklage sollen zwei libanesisch-stämmige Brüder aus Essen-Katernberg ihre 17-jährige Schwester mit einem Gürtel und einem Hammer misshandelt haben, weil ihnen ihr Lebensstil missfiel. Das mutmaßliche Opfer schweigt vor dem Schöffengericht. Das musste ihre beiden Brüder vom Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung freisprechen.

Essen. Das mutmaßliche Opfer, eine 17-Jährige aus Essen-Katernberg, schweigt. So muss das Essener Schöffengericht am Dienstag ihre beiden Brüder vom Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung freisprechen. Laut Anklage hatten sie ihre Schwester misshandelt, weil ihnen ihr Lebensstil missfiel.

Vor einem halben Jahr soll die Schülerin sich mit einem Sprung vom Balkon vor ihren Brüdern gerettet haben. Sie ging ins Elisabeth-Krankenhaus und ließ sich später von der Polizei vernehmen. Laut Anklage schlug ihr 30-jähriger Bruder sie mit einem Gürtel mit Metallschnalle und beschimpfte sie als „Hure, Schlampe“.

Beide Brüder schweigen

Mit einem Hammer hätte er ihre Beine traktiert. Telefonisch hätte er seinen 27-jährigen Bruder gerufen, der mit ihm das am Boden liegende Mädchen geschlagen und getreten hätte. Erst durch die Hilfe der Mutter hätte sie sich befreien und fliehen können.

Dass der Prozess mit einem Freispruch endet, ließ sich ahnen, als die 17-Jährige mit Mutter und Brüdern gemeinsam im Saal erscheint. Seit neun Tagen lebt sie wieder in ihrer Familie, obwohl das Jugendamt das Sorgerecht hat. Überraschend für die Behörde hatte sie ihren Umzug schriftlich mitgeteilt. Vor Gericht schweigen beide Brüder zum Anklagevorwurf. Amtsrichterin Eva Proske belehrt die 17-Jährigen über ihre Zeugenrechte, telefoniert mit dem Jugendamt. bietet einen Anwalt an. Die 17-Jährige bleibt dabei: „Ich sage nichts.“ So sind dem Gericht die Hände gebunden.

Kopftuch und enge Kleidung

Auch wenn der Fall in einer libanesisch-stämmigen Familie spielt: Die Strafrichter kennen genügend Fälle von prügelnden Ehepartnern anderer Herkunft, bei denen im Gericht das Opfer schweigt. Auch die 17-Jährige, die mit Kopftuch, aber enger Kleidung auftritt, will die Libanesen nicht schlecht dargestellt sehen. „Schreiben Sie doch Nicole und Heribert als Namen“, fordert sie den Gerichtsreporter auf.