Brucker-Holt-Viertel: 170 Anwohner mussten Häuser verlassen

Das Ordnungsamt fuhr durch das Brucker-Holt-Viertel und forderte die Anwohner auf, die Gebäude zu verlassen.
Das Ordnungsamt fuhr durch das Brucker-Holt-Viertel und forderte die Anwohner auf, die Gebäude zu verlassen.
Foto: FUNKE Foto Services
Blindgängerfund am Brucker Holt: Dafür rückten 130 Einsatzkräfte nach Bredeney aus, sperrten Straßen, betreuten die Anwohner und reichten Bockwurst.

Essen.. Die Entwarnung kam um 18.28 Uhr: Der Blindgänger im Brucker-Holt-Viertel ist entschärft. Peter Giesecke vom Kampfmittelbeseitigungsdienst war im Einsatz, um die britische Fünf-Zentner-Bombe mit Aufschlagszünder unschädlich zu machen. Sie war bei Bauarbeiten auf einem Grundstück am Brucker Holt/Ecke Zeißbogen in Bredeney entdeckt worden.

Wer nach Feierabend zu seinem Haus in dem Nobelviertel fahren wollte, in dem Familien wie die Albrechts, Stauders oder Bierhoffs leben, den stoppten im Gefahrenbereich Straßensperren. Zuvor hallten Durchsagen des Ordnungsamtes durch die Alleen: „Achtung, Achtung, in Ihrer Nachbarschaft ist ein Blindgänger gefunden worden.“

Da liefen vereinzelt aufgeregte Nachbarn auf die zuvor fast menschenleeren Straßen fragten aufgeregt: „Was ist passiert?“ und „Wann müssen wir raus?“ Und weil seit 2014 ein Erlass der Bezirksregierung vorsieht, dass Blindgänger umgehend entschärft werden müssen, hieß die Antwort an diesem Nachmittag: Sofort! „Soll ich noch meinen Hund holen“, wollte ein Autofahrer wissen, während eine Kinderfrau den Nachwuchs in den Wagen setzte: „Wir fahren ein bisschen durch die Gegend.“ Zwei Freundinnen nutzten den Nachmittag für einen Bummel in der Nachbarstadt.

170 Anwohner durften erst am frühen Abend in ihre Wohnungen und Häuser zurück. Damit sie diese erst einmal verlassen, fuhren und liefen die Mitarbeiter des Ordnungsamtes am Nachmittag einige Runden durchs Viertel. Sie klingelten an Haustüren und großen Stahltoren, erklärten durch die Sprechanlagen die Situation und erregten so kurzfristig die Aufmerksamkeit eines Sicherheitsdienstes. Insgesamt waren an dem Einsatz 130 Kräfte beteiligt.

„Bereiten Sie sich darauf vor, dass sie Ihre Gebäude für mehrere Stunden verlassen müssen“, erklärte die laute Stimme aus dem Lautsprecher, die dennoch einige Anwohner nicht verstanden. „Die Kettensäge vom Nachbarn hat die Durchsage übertönt“, sagte ein 70-Jähriger, der erst an einen Rettungseinsatz in der benachbarten Grundschule dachte. „Ob die Kinder sich den Magen verdorben haben?“, war sein erster Gedanke. Da war allerdings kein Schüler mehr in der Meisenburgschule, diese diente den Anwohnern als Wartehalle.

Allerdings verbrachten lediglich zehn Bredeneyer dort die Zeit bis zur Entschärfung bei Kaffee, Bockwürstchen und Schokoriegeln. „Ich wäre ohnehin lieber zu Hause geblieben“, sagte eine 90-Jährige. Sie habe Fernsehen geschaut, als ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes vor ihrer Tür gestanden und sie gleich mitgenommen habe. So saß sie auf der Holzbank und unterhielt sich mit einem Nachbarn – bis zur Entwarnung.

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