Essen

Nach Brexit-Abstimmung sorgen sich Briten im Ruhrgebiet – „Brexit macht Großbritannien kleinkariert!“

Das britische Unterhaus hat gegen den Brexit-Deal von Theresa May gestimmt. Eine in Essen lebende Britin findet das nicht gut.
Das britische Unterhaus hat gegen den Brexit-Deal von Theresa May gestimmt. Eine in Essen lebende Britin findet das nicht gut.

Essen. Das britische Parlament hat abgestimmt. Und „Nein“ zum Brexit-Plan von Theresa May gesagt. Jetzt droht das Brexit-Chaos.

Die Auswirkungen könnten groß werden. Auch für Deutschland und das Ruhrgebiet. Und besonders für Briten hier. Eine von ihnen: Ami (26), die in Essen lebt und für einen großen Energiekonzern arbeitet.

Nach Brexit-Abstimmung: Das sagt eine Britin aus Essen zum Brexit-Chaos

Die Entscheidung des britischen Parlaments am Dienstagabend hat die 26-Jährige nicht überrascht. „Es gab ehrlich gesagt keine Verbesserungen des Deals im Vergleich zum letzten Mal, als die Abstimmung verschoben wurde.“

Die Tory-Party von Theresa May sei so fundamental zerstritten über den Brexit gewesen, dass der seit einem Jahr in Essen lebenden Britin klar gewesen war, dass May durch ihre eigene Partei zu Fall gebracht werden würde.

Wetten auf Deal or No-Deal

Über den Gemützustand der Briten sagt die Wahl-Essenerin: „Jeder war irgendwie gespalten. Wir hatten Wetten mit Kollegen und der Familie laufen, ob der Deal durchgeht oder nicht. Auch hier standen die Quoten 50:50.“

Was winkt den Siegern nun? „Ich weiß nicht, ob Ehre das richtige Wort ist“, scherzt sie. „Vielleicht eine Tasse Tee. Ganz britisch eben.“

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Angst vor Kleinkariertheit

Doch bei allem britischen Humor macht sich Ami auch berechtigte Sorgen angesichts der Entwicklungen auf der Insel. „Bewegungsfreiheit ist ein großer Punkt für mich. Ich mag es, dass ich herumreisen und in jedem Land Europas arbeiten kann.“ Das könnte nach dem EU-Austritt des Vereinigten Königreichs am 29. März erheblich schwieriger werden.

Aber noch etwas treibt Ami um: „Ich habe Angst, dass der Brexit Großbritannien kleingeistiger machen wird, besonders mit Blick auf die Immigration, freien Handel und alle Vorteile, die Europa bringt.“

Misstrauensvotum könnte Brexit verzögern

Für sie konkret bedeutet das: „Ich werde nicht mehr die gleichen Rechte haben wie andere Europäer, die in Deutschland leben und arbeiten.“

Sie selbst sagt klar: „Ich würde lieber in der EU bleiben.“ Aber jetzt, wo diese Option keine mehr ist? „Ganz offen, mir ist es egal, wie der Brexit jetzt abläuft. Aber ich befürchte, dass Misstrauensvotum zögert das Ganze jetzt noch weiter raus.“

Tom: „Das ist Demokratie“

Auch Tom*, Vater Brite, Mutter Deutsche, in Essen daheim, hat eine klare Meinung zum Brexit: „Man hätte so eine Entscheidung nicht dem Volk überlassen sollen. Ich finde es schade, dass sich die Mehrheit so entschieden hat, wie sie sich entschieden hat, jedoch hat man das jetzt zu schlucken. Das ist Demokratie.“

* volle Namen der Redaktion bekannt

 
 

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