Brandanschlag an der Ausländerbehörde

Das Werk eines oder mehrerer Feuerteufel: Die Transporter an der Schederhofstraße brannten lichterloh.
Das Werk eines oder mehrerer Feuerteufel: Die Transporter an der Schederhofstraße brannten lichterloh.
Foto: NRZ
Zwei Transporter gingen auf dem Parkplatz im Westviertel in Flammen auf. Der Staatsschutz ermittelt. Stunden später wollten Jugendliche in Werden eine Abschiebung verhindern. Die Polizei prüft mögliche Zusammenhänge.

Essen.. Abgefackelte Dienstfahrzeuge auf dem Gelände der Ausländerbehörde im Westviertel und eine Sitzblockade Jugendlicher gegen eine drohende Abschiebung einer serbischen Familie mit drei Kindern in Werden – nach zwei Zwischenfällen an der Schederhofstraße und vor dem Flüchtlingsheim im Löwental ermittelt die Polizei. „Wir prüfen mögliche Zusammenhänge“, sagte Polizeisprecher Lars Lindemann gestern auf Nachfrage.

Nach dem Brandanschlag vor der städtischen Dienststelle wurde der Staatsschutz eingeschaltet, da nicht ausgeschlossen werden könne, dass es sich um eine politisch motivierte Straftat handele, so Lindemann. Die beiden VW T5 waren gegen 0.40 Uhr in der Nacht zum Montag vollständig ausgebrannt. Für die Brandermittler der Kripo steht inzwischen fest: Die beiden Transporter, die etwa 20 Meter voneinander entfernt kurz nacheinander in Flammen aufgingen, sind vorsätzlich angezündet worden. Verletzt wurde niemand. Den Schaden bezifferte Ordnungsdezernent Christian Kromberg auf rund 50.000 Euro.

Gruppierung bekennt sich zur Tat

Den Anschlag auf die Dienstfahrzeuge der Stadt will die SPD-Fraktion im Rat der Stadt nicht schulterzuckend hinnehmen. Die Verwaltung soll im nächsten Personalausschuss darlegen, wie die städtischen Beschäftigten vor Gewalt geschützt werden. „Wir verurteilen jeden Übergriff aufs Schärfste“, so SPD-Ratsherr Ingo Vogel.

Es war nicht der erste Zwischenfall dieser Art: Vor sieben Jahren wurden schon einmal zwei Transporter der Ausländerbehörde abgefackelt. Kurz nach der Brandstiftung bekannte sich eine Gruppe „Freies Fluten Ruhr“ zu der Tat in der Nacht des 1. Juli 2008. Man habe die Fahrzeuge angezündet, um sichtbar gegen die herrschende Praxis der Abschiebungen von Ausländern zu protestieren.

Ohne ein solches Verhalten auch nur im Ansatz rechtfertigen zu wollen – einen neuen Anlass könnten die unbekannten Brandstifter durchaus gesehen haben: Allein am vergangenen Dienstag sollten nach NRZ-Informationen 25 Asylbewerber aus Essener Einrichtungen in ihre „sicheren Herkunftsländer“ abgeschoben werden.

Blockade am Asylheim verpufft wirkungslos

Einen weiteren solchen Fall wollten wohl die 20 linken Aktivisten verhindern, die gestern nicht ganz sechs Stunden nach dem Feuerwehreinsatz vor dem Ausländeramt einen Polizei-Aufmarsch vor der Flüchtlingsunterkunft in Werden provozierten. Die etwa 15- bis 16-Jährigen, darunter viele Mädchen, setzten sich nach Darstellung eines Augenzeugen auf die Straße und hielten Plakate in die Luft: „Refugees welcome“ (Flüchtlinge willkommen). Die Polizei rief sie zur Ordnung und nahm ihre Personalien auf.

Gegen 7.40 Uhr war die spontane Aktion beendet, die so oder so wirkungslos verpuffte. Denn die jungen Aktivisten waren offenbar nicht auf dem Laufenden: Bereits vor einer Woche hatte die Ausländerbehörde die Abschiebung aus der Werdener Unterkunft ausgesetzt, als sich die serbische Familie zu einer freiwilligen Ausreise in ihr Heimatland bereit erklärte.

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