Boulevard mit Jochen Busse: Pantoffel-Held als Pleitegeier

Gute Freunde tauschen im Notfall auch mal die Hosen: Jochen Busse (li.) als „Pantoffel-Panther“ und sein bester Freund Rüdiger (Andreas Windhuis). Foto:
Gute Freunde tauschen im Notfall auch mal die Hosen: Jochen Busse (li.) als „Pantoffel-Panther“ und sein bester Freund Rüdiger (Andreas Windhuis). Foto:
Foto: Dennis Haentzschel
Wenn der Beinahe-Rentner zum „Pantoffel-Panther“ mutiert: Jochen Busse sorgt als Komödiant im Federkleid für Begeisterungsstürme im Rathaus-Theater.

Essen.. Rente mit 65? Nichts für Jochen Busse. Mit Mitte 70 ist er immer noch das sprudelnde Energiebündel, das auch die skurrilsten Ideen des Boulevards mit dem szenischen Verve und ironischen Biss des Kabarett-Großmeisters zu adeln weiß. Im Rathaus-Theater spielt Busse in der Komödie „Der Pantoffel-Panther“ nun einen Mann, der eigentlich schon straks auf dem Weg in die Rente ist, dann aber auf dem zweiten Bildungsweg zum Auftragskiller werden soll.

Aushilfsjob vor der Geflügel-Bude

Busse also ist Hasso Höbele. König des Hausschuh-Handels, verheiratet mit Röschen (Billie Zöckler), die die Zeit nach der Rente schon großzügig verplant hat: erst mal eine gemeinsame Kreuzfahrt, dann zum Shoppen und die Wohnung neu einrichten. Frei nach dem Motto: Wir haben’s ja! In Wahrheit aber hat Hasso seine Arbeitsstelle längst verloren. Statt das Pantoffel-Imperium zu befehligen, verdient er sich seine paar Euro in einem Hühnerkostüm vor der Geflügel-Bude eines Baumarktes. Und schon nach dem ersten Auftritt in roter Strumpfhose und grellgelbem Federkleid johlt und jubelt das Publikum diesem Granden der Unterhaltungskunst so begeistert zu, dass danach eigentlich alles kommen kann: Ein Muttersöhnchen namens Rüdiger (Andreas Windhuis), der Schlumpf-Unterhosen trägt. Ein Mafiosi mit schwarzer Sonnenbrille und dickem Geldkoffer (Marko Pustisek), der in Hasso den vermeintlichen Mann fürs Mörderische entdeckt. Dazu noch ein adretter Raumausstatter (Matthias Kofler), der das Leben jenseits der Stoffe und Tapeten mit einem Meerschweinchen teilt.

Die aufgedrehte Farce von Dietmar Jacobs und Lars Albaum setzt auf größtmögliche Übertreibung und erwartbare Überraschungen. Und man möchte sich die Geschichte auch kaum vorstellen ohne Altmeister Busse, der mit seiner biederstrengen Leichenbittermiene und dem aufbrausenden Furor auch noch den haarsträubendsten Story-Wendungen Witz und Format verleiht.

Die Pointen-Maschinerie rattert dabei exakt wie ein Schweizer Uhrwerk, kein noch so vorhersehbarer Anlass für einen Lacher wird vom engagiert aufspielenden Ensemble ausgespart. Ab und an werden auch mal die Hosen runtergelassen, schon der Schlumpfunterhosen wegen.

Eine sichere Bank für das ausgelassene Boulevard-Vergnügen ist auch das Spiel mit dem Lokalkolorit. Hat das Tourneetheater-Publikum in Düsseldorf eben noch über Oberbilk und Niederkassel gelacht, amüsiert man sich nun über den Killer aus Rüttenscheid und all die anderen zwischen Bredeney und Kray angelegten Gags. Dazu kommen die direkten Ansprachen, mit denen Busse das „reinquatschende“ Publikum gelegentlich aus der Reserve lockt. „Haben Sie schon mal mit Mitte 70 versucht, so einen Text zu behalten?“ Busse behält und beherrscht die Kunst der gespielten Empörung wie kein anderer. Großer Applaus!

 
 

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