Borbecker Eltern berufen sich auf freie Schulwahl

Bis Ende des Jahres wird die Dürerschule noch saniert. Foto: Tietz
Bis Ende des Jahres wird die Dürerschule noch saniert. Foto: Tietz
Foto: Remo Bodo Tietz; NRZ
In Borbeck formiert sich erstmals Widerstand: 18 Eltern kämpfen darum, dass ihre Kinder die Dionysius-Schule besuchen dürfen. Zur Not wollen sie auch vor dem Rathaus demonstrieren.

Essen-Borbeck.. Zur Not würden die Eltern sogar vor dem Rathaus demonstrieren. „Doch soweit soll es erst gar nicht kommen“, meint Heike Polzin. Eigentlich wollte sie ihre Tochter auf der Dionysius-Schule in Borbeck anmelden – doch die Stadt lehnte sie und weitere 35 Kinder ab. Denn im kommenden Schuljahr soll die „Dio-Schule“ nur mit zwei Eingangsklassen fahren, beschloss der Rat im Juni vergangenen Jahres. Und ist mit 58 Plätzen nun voll. Ginge es nach den Plänen der Politiker, sollen die abgewiesenen Kinder der katholischen Grundschule eine eigene Klasse auf der städtischen Dürer-Gemeinschaftsgrundschule bilden, die noch Kapazität für 20 Schüler frei hat. „Nicht mit uns“, sagen 18 Eltern, die sich auf die freie Schulwahl berufen und nun erstmals in den Widerstand gehen.

„Wir wollen weiter dafür kämpfen, dass unsere Kinder ihre Wunschschule besuchen dürfen“, sagt Heike Polzin. Wie? „Wir wollen Krach ma­chen, Aufsehen erregen und die Politik unter Druck setzen.“ Einen Brief an die lokalen Medien habe sie daher verfasst, regelmäßig treffen sich die Eltern zu Besprechungen, pflegen den Email-Kontakt.

"Wege für die Kleinen sind zu weit"

Mit dem Absageschreiben vom Amt kam die Empörung: „Beim Schulamt empfahl man uns, die Kinder an der Dürerschule anzumelden“, erklärt Heike Polzin. Doch das komme für die Eltern nicht in Frage. „Die Wege sind zu weit für die Kleinen. Außerdem möchte ich nicht, dass mein Kind seine ersten Schulerfahrungen zwischen Bauschutt und Bohrhämmern sammeln muss.“

Noch bis Ende des Jahres wird die Schule an der Wallstraße saniert. Zudem sehen es die Eltern nicht ein, „eine Zwergenschule zu reanimieren, deren Fortbestand seit Jahren auf der Kippe steht.“

Das sieht die Stadt anders und weist den Vorwurf, die Dürer-Schule könne nur mit abgewiesenen Schülern weiter unterrichten, von sich: „Die Schule kann zwei Eingangsklassen bilden“, so Stadtsprecher Detlef Feige. Zudem bleibe der Ratsbeschluss bindend: Die Dio-Schule nimmt keine weitere Klasse auf. So müssen sich die Eltern anderweitig umsehen. „In Borbeck ist ausreichend Schulraum vorhanden“, erklärt Feige. „Auch wenn die Dionysius-Schule sehr beliebt ist, es gibt genügend Schulen in der näheren Umgebung.“ Und so hat Heike Polzin ihre Tochter bisher nur „unter Vorbehalt“ in der Schloss-Schule angemeldet.

Den Ärger gegen Politiker richten

Ihren Ärger richten die Eltern vor allem gegen die Politiker. „Die Dio-Schule hätte Kapazität für mehr Schüler. Warum wird keine Ausnahme für drei Klassen erteilt – so wie in den vergangenen Jahren?“ Polzin formuliert ihre Vorwürfe genauer: Es zwänge sich der Verdacht auf, den politischen Willen, also die Belebung der Dürerschule, mit Zwang umzusetzen. Besonders vor dem Hintergrund der Öffentlich-Privaten-Partnerschaft mit dem Deichmann-Konzern, der die Sanierung der Dürer-Turnhalle finanziere. Dort sei der Druck höher, die Schule zu beleben. „Man kommt nicht umhin, hier einen Zusammenhang zu unterstellen.“

Unterstützung bekommen die Eltern von der FDP-Fraktion. „Die Situation vor Ort zeigt, dass die Entscheidung korrigiert werden muss“, so Andreas Hellmann, schulpolitischer Sprecher der FDP. Es könne nicht sein, dass 36 Kinder abgewiesen würden und andere Schulen nur aufgrund der hohen Abweisungsquote mit Mühe und Not ihre Zweizügigkeit erreichten.

Heike Polzin und die anderen Eltern wollen daher weiter kämpfen. Und geben sich siegessicher: „Heute herrscht die freie Schulwahl. Und diese Freiheit nehme ich mir – zum Wohle meines Kindes.“

 
 

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