Bombenentschärfung machte Essener City zur Geisterstadt

Martin Spletter
Peter Giesecke vom Kampfmittelbeseitigungsdienst entschärfte die Fliegerbombe im neuen Univiertel zwischen Limbecker Platz und Campus.
Peter Giesecke vom Kampfmittelbeseitigungsdienst entschärfte die Fliegerbombe im neuen Univiertel zwischen Limbecker Platz und Campus.
Foto: Knut Vahlensieck / WAZ Fotopool
Die Entschärfung der Fliegerbombe im Univiertel erforderte eine der aufwendigsten Räumungen der Essener Nord-City, die es in den letzten Jahren gegeben hat. Uni, Limbecker Platz, Straßen – alles war gesperrt. Auch das Bordell an der Stahlstraße.

Essen. Einen der ungewöhnlichsten Jobs an diesem Tag hat bei der Evakuierung der Innenstadt eine Frau vom Ordnungsamt, denn sie steht an der Stahlstraße hinter Ikea. Dort gibt es ein Bordell, und es gehört an diesem Tag zum „Evakuierungsbereich“, der für die Entschärfung einer Fliegerbombe im neuen Uni-Viertel komplett geräumt werden muss.

Deshalb darf auch an der Stahlstraße ab mittags kein Betrieb mehr sein. Die Frau vom Ordnungsamt hat nun jeden Bürger, der zum Bordell unterwegs ist, aufzuhalten. So bremst sie um kurz vor halb zwei erfolgreich einen älteren Herren aus, der auf der Stelle Kehrt macht.

Die Frau nippt an ihrem Kaffee aus dem Pappbecher und sagt: „Hier kommt keiner mehr.“ Dieser Satz hat jetzt und hier eine gewisse anzügliche, doppelte Bedeutung, das scheint sie gar nicht zu merken, aber egal: Hier tut jeder nur seine Pflicht (zur Chronik des Großeinsatzes).

40 Kräfte der Stadt und Polizisten mehrerer Hundertschaften sind im Dienst, ab zwölf Uhr wird die Uni geräumt, ab halb eins das Einkaufszentrum Limbecker Platz, und als es 14 Uhr wird, ist der nördliche Rand der Innenstadt tatsächlich zur Geisterstadt verkommen. Kein Auto fährt mehr, Fußgänger sollen in den Häusern bleiben, nichts bewegt sich mehr im „Sicherheitsbereich“ 500 Meter rund um den Fundort an der Bargmannstraße.

Kaum Verkehrsbehinderungen

Auf der Baustelle zwischen Campus und Einkaufszentrum war die Bombe am Montag gefunden worden. Die Entschärfung machte eine der aufwendigsten Räumungs-Aktionen der letzten Jahre in der City notwendig. Im „Limbecker Platz“ behilft man sich: Kunden dürfen drin bleiben und einkaufen – unter der Bedingung, dass man bis zum Ende der Sperrung das Haus nicht verlässt. Doch nur wenige Kunden nehmen das Angebot an; die meisten suchen das Weite.

Ohnehin: Sowohl Uni als auch Innenstadt sind schon am Morgen ziemlich leer. Die Ankündigungen der Sperrung haben wohl ihre Wirkung nicht verfehlt. In der Küche der Uni-Mensa schätzt man am Mittag, dass man höchstens ein Zehntel der sonst üblichen Mengen an Mahlzeiten verkauft habe. Hier schrillt um zwölf der Feueralarm, alle müssen raus. Und auf der Limbecker Straße, bei „Deichmann“, macht gegen viertel vor zwei ein Angestellter die Ladentür endgültig zu.

32 Minuten benötigt Peter Giesecke vom Kampfmittelbeseitigungsdienst der Bezirksregierung für die Bombe, die rund 65 Kilo Sprengstoff enthält. Um 14.41 sind die Straßen wieder frei – und ganz schnell kehrt überall wieder Leben ein. Wohl auch an der Stahlstraße.