Bombe entschärft – Evakuierungs-Gegner verbarrikadieren sich

Philipp Wahl
Auf dem Gelände der alten Polizeischule in Essen-Bredeney ist am späten Mittwochabend eine Weltkriegsbombe entschärft worden. Dafür wurde die A52 gesperrt. Foto: Socrates Tassos/FUNKE Foto Services
Auf dem Gelände der alten Polizeischule in Essen-Bredeney ist am späten Mittwochabend eine Weltkriegsbombe entschärft worden. Dafür wurde die A52 gesperrt. Foto: Socrates Tassos/FUNKE Foto Services
  • Zehn-Zentner-Bombe in Bredeney am späten Mittwochabend nach aufwendiger Evakuierung entschärft
  • Gruga, Grugabad und Südfriedhof geräumt - A52 von 19.40 bis 22.20 Uhr gesperrt
  • 6600 Anwohner in Bredeney, Rüttenscheid, Bredeney, Schuir und Margarethenhöhe betroffen

Essen. An der alten Polizeischule in Essen-Bredeney, unmittelbar neben der A52, ist am Mittwochabend eine amerikanische Weltkriegsbombe entschärft worden. Hier die langwierige Entschärfungs-Aktion im Rückblick.

  • Beginn der Entschärfung an der Norbertstraße um 21.55 Uhr, Entwarnung um 22.20 Uhr
  • Uneinsichtige Anwohner verzögern Großeinsatz bis in den späten Abend
  • A52 war von 19.40 Uhr an zwischen Haarzopf (AS 27) und Essen-Ost (A40/A52) gesperrt
  • Umleitungen über Hatzper Straße, Meisenburgstraße und Alfredstraße
  • Grugapark, Grugabad und Südfriedhof waren bis 17 Uhr geräumt
  • 6600 Anwohner und mehrere tausend Angestellte in Bredeney, Rüttenscheid, Bredeney, Schuir und Margarethenhöhe betroffen

22.20 Uhr: Entwarnung! Peter Giesecke hat der amerikanischen Zehn-Zentner-Bombe den Aufschlagzünder gezogen und diesen kontrolliert gesprengt. Die Polizei gibt die A 52 zwischen Essen-Ost und Haarzopf sofort wieder für den Verkehr frei, und die Sperrungen rund um Evakuierungs- und Sicherheitszone werden schnellstmöglich aufgehoben.

Die Hilfsdienste haben etwa 110 Personen in der Betreuungsstelle an der Goetheschule betreut. Die Einsatzleitung zählte mehr als 50 Krankentransporte und zwei Rettungsdiensteinsätze. Die älteste Patientin, die ihre Wohnung verlassen musste, war 97 Jahre alt. "Insgesamt waren rund 300 Einsatzkräfte der Essener Feuerwehr, der Polizei, der Ordnungsämter, der RGE, der EVAG und der Stadtwerke sowie der Hilfsorganisationen im Einsatz", bilanziert die Pressestelle der Stadt.

Einsatz absichtlich verzögert: nicht mal eine Ordnungswidrigkeit

22.02 Uhr: Mike Filzen hat sich für uns bei den Kollegen des Essener Ordnungsamtes schlau gemacht: Die rücksichtslosen Anwohner, die gerade mit Unterstützung der Polizei gewaltsam aus ihren Wohnungen geholt werden mussten, können demnach nicht einmal wegen einer Ordnungswidrigkeit belangt werden.

21.55 Uhr: Die Einsatzleitung konnte Sprengmeister Peter Giesecke nun endlich grünes Licht für die Entschärfung der Bombe gegeben. Es ist der wahrscheinlich letzte brenzlige Job, den der 63-Jährige in Essen meistern muss. Ende des Monats geht der Truppführer der Bezirksregierung in den Ruhestand.

Renitente Anwohner verbarrikadieren sich in Wohnungen

21.38 Uhr: Auch Feuerwehrsprecher Mike Filzen macht keinen Hehl aus seiner Verärgerung. Er spricht von "Verweigerern", die ihre Wohnungen in der Evakuierungszone "einfach nicht verlassen wollen". In zwei Fällen sollen sich Anwohner in ihren Wohnungen verbarrikadiert haben. Die renitenten Anwohner werden nun notfalls mit Zwang aus der Gefahrenzone befördert.

21.20 Uhr: Es sind aber nach unseren Informationen vor allem einige wenige Anwohner in der Evakuierungszone, die den Einsatz und die Wartezeit aller anderen Betroffenen in die Länge ziehen. Offenbar haben sie sich in ihren Wohnungen vor den kontrollierenden Einsatzkräften versteckt. Die Einsatzleitung darf Sprengmeister Peter Giesecke so keine Entwarnung geben.

21.05 Uhr: Die Entschärfung verzögert sich auch durch die Krankentransporte weiter. "Wir hoffen, dass wir innerhalb der nächsten Stunde mit der Entschärfung beginnen können", sagt Stadtsprecherin Silke Lenz.

20.26 Uhr: "Die Evakuierungszone ist noch nicht geräumt", sagt Feuerwehrsprecher Mike Filzen. Die Einsatzkräfte sind noch mit sechs Krankentransporten beschäftigt.

20.14 Uhr: Die U11 fährt seit kurz vor 20 Uhr nicht mehr zwischen Hauptbahnhof und Messe.

20.05 Uhr: In der Betreuungsstelle in der Goetheschule warten etwa 50 Anwohner darauf, in ihre Wohnungen zurückkehren zu können.

19.40 Uhr: Die A 52 ist jetzt zwischen dem Dreieck Essen-Ost und der Anschlussstelle Haarzopf autofreie Zone. Auch die Auffahrten Essen-Bergerhausen und Essen-Süd sind gesperrt. Dazu erklärt die Einsatzleitung: "Umleitungen sind nicht ausgeschildert. Autofahrer mit dem Ziel Düsseldorf können von der A 40 auf die A 3 wechseln oder in Essen-Zentrum abfahren, auf der Alfredstraße in Richtung Essen-Bredeney, dann wieder rechts auf die Meisenburgstraße und entweder über Kettwig nach Düsseldorf fahren oder an der Anschlussstelle Haarzopf wieder auf die A52 auffahren. In Fahrtrichtung Dortmund wird der Verkehr auf der A 52 an der Ausfahrt Essen-Haarzopf abgeleitet. Über die Meisenburgstraße und Alfredstraße können Autofahrer wieder zur A 52-Auffahrt Rüttenscheid gelangen."

Polizei und Ordnungsamt müssen Wohnung aufbrechen

19.37 Uhr: Besonders ärgerlich: Einzelne Anwohner haben offenbar den Großeinsatz verzögert. Polizei und Ordnungsamt mussten gerade eben eine Wohnung in der Evakuierungszone gewaltsam öffnen, weil die Bewohner diese nicht verlassen wollen.

19.35 Uhr: Die Autobahnpolizei lässt im Dreieck Essen-Ost schon jetzt keine Autos mehr auf die A 52 Richtung Düsseldorf abfahren.

19.30 Uhr: Nichts Neues aus der Einsatzzentrale. Eine Gelegenheit, daran zu erinnern, den die Fliegerbomben in Essen angerichtet haben. Beim ersten Großangriff auf Essen am 5. März 1943 starben 461 Essener, 1593 wurden verletzt. Bis Kriegsende kamen bei den Angriffen in Essen 6384 Zivilisten ums Leben. Dank des Bunkerbaus in der Stadt war die Zahl der Opfer geringer als es der Zerstörungsgrad vermuten lassen würde: Von den 185.300 Vorkriegswohnungen wurden 64.000 komplett zerstört, 36.000 schwer beschädigt. Die Altstadt war zu 93 Prozent vernichtet. So sah es hier nach dem Krieg aus:

Zum Früher-heute-Vergleich: weitere Bilderpaare von Essen.

19 Uhr: Die Evakuierung läuft nach Plan, die Evakuierungszone ist geräumt. Dennoch beginnen Polizei und Ordnungsamt jetzt erst, die Sperrstellen der 30 Sicherheitszone zu besetzen und zu kontrollieren. Vor 19.30 Uhr wird die A52 darum sehr wahrscheinlich nicht gesperrt.

Fluchtlicht für Sprengmeister Giesecke

18.05 Uhr: Gute Nachrichten für Pendler und alle anderen Autofahrer, die in Essen unterwegs sind: Vor 19 Uhr wird die A52 wohl nicht gesperrt. "Bis zur Entschärfung wird es dunkel werden", sagt Feuerwehrsprecher Mike Filzen. Und fügt hinzu: "Das ist aber nur meine persönliche Schätzung."

Vorsichtshalber hat die Einsatzleitung Flutlichtmasten bestellt, damit Peter Giesecke sein Leben nicht im Dunkeln riskieren muss. In Essen geht die Sonne hier und heute um 19.47 Uhr unter.

Wenn die Autobahn dann gesperrt wird, muss der Verkehr sie in Fahrtrichtung Düsseldorf an der Abfahrt Rüttenscheid verlassen, in Fahrtrichtung A40 (Bochum) an der Abfahrt Haarzopf.

Zurzeit befinden sich Mitarbeiter des Ordnungsamtes auf dem zweiten Kontrollgang durch die Sicherheitszone. Später wird die Einsatzleitung dann nicht nur die Autobahn sperren lassen, sondern auch die Luftaufsicht informieren: Während der Entschärfung müssen auch Flugzeuge im Landeanflug auf Düsseldorf und den Flughafen Essen-Mülheim einen Bogen um Bredeney machen.

18 Uhr: Wegen der vielen Sperrstellen sind bei der heutigen Entschärfung besonders viele Einsatzkräfte im Dienst, alles in allem etwa 250: Einsatzkräfte der Hilfsdienste, der Freiwilligen Feuerwehr, der Feuerwehr, Polizisten und Mitarbeiter der Stadt Essen, vor allem des Ordnungsamtes. Und Peter Giesecke, der 63 Jahre Sprengemeister, der Ende des Monats in den Ruhestand geht.

17.44 Uhr: Das sind die einzelnen Sperrstellen am Rande von Evakuierungs- und Sicherheitszone. Die Evakuierungszone muss während der Entschärfung menschenleer sein, in der Sicherheitszone darf sich währenddessen niemand im Freien aufhalten. Sie sollen außerdem alle Fenster schließen. Bevor die Evakuierungszone nicht geräumt ist, kann Truppführer Peter Giesecke seine brenzlige Arbeit nicht beginnen.

17.30 Uhr: Wie immer halten sich Krisenstab und Feuerwehr mit Prognosen zurück. Allerdings tauchen zurzeit noch immer uninformierte Badegäste am geschlossenen Grugabad auf. Es ist aktuell kaum damit zu rechnen, dass die Evakuierung vor 19 Uhr abgeschlossen ist.

A52 wird so spät wie möglich gesperrt

17.15 Uhr: Die A52 soll erst etwa 30 Minuten vor Beginn der Entschärfung gesperrt werden, um den Feierabendverkehr möglichst spät auszubremsen. Wann das soweit ist, lasse sich zurzeit schlecht abschätzen, so Feuerwehrsprecher Mike Filzen: "Das hängt wie immer davon ab, wie schnell die Anwohner in der Evakuierungszone ihre Wohnungen verlassen beziehungsweise verlassen können." Mitarbeiter des Ordnungsamtes machen länger schon Kontrollgänge in den betroffenen Wohngebieten.

Der Autobahnverkehr soll dann später über Hatzper Straße, Meisenburgstraße und Alfredstraße umgeleitet werden.

17.05 Uhr: Einen Betreuungsplatz für Anwohner, die ihre Wohnung verlassen müssen, richten die Hilfsdienste ab 17 Uhr in der Goetheschule an der Ruschenstraße ein.

16.58 Uhr: Geschafft: Das Grugabad ist menschenleer, meldet Kurt Uhlendahl.

16.45 Uhr: Trotz der für 16.30 Uhr angekündigten Räumung herrschte im Grugabad auch kurz davor noch reges Treiben. „Kein Wunder, man hat mich und meine Tochter ja noch um Viertel nach drei ins Bad gelassen – und uns den vollen Eintrittspreis abgenommen“, erzählt eine Besucherin. Zu diesem Zeitpunkt seien noch zahlreiche Badegäste eingetroffen. „Es gab zwar ständig Ansagen, dass um halb fünf geräumt wird, aber ich kann mir schwer vorstellen, dass das klappt.“ Kurt Uhlendahl, zuständiger Abteilungsleiter der Sport- und Bäderbetriebe, sagt dazu jetzt: „Wir räumen bis 17 Uhr.“

U11, 142 und 169 betroffen

16.50: Auch die Bahnen und Busse der Evag sind von der Entschärfung betroffen: Beeinträchtigt sind die Buslinien 142, 169 sowie die U11. Die U-Bahn endet in beiden Richtungen bereits am Hauptbahnhof. Für die Dauer der Entschärfung kann die U11 auch zwischen Philharmonie und Gruga-West nicht fahren.

Die Buslinie 142 wird zwischen Meisenburg und Alfredstraße in beiden Fahrtrichtungen umgeleitet. Die Haltestellen zwischen Martinstraße und dem Friedhof Bredeney entfallen in beiden Richtungen.

Die Buslinie 169 wird ab Bredeney umgeleitet, über die Alfredstraße nach Rüttenscheid. Fahrgäste können am Holsterhauser Platz in die U17 wechseln, um zur Margarethenhöhe zu fahren. In Gegenrichtung fährt die U17 regulär bis zum Holsterhauser Platz, wo Fahrgäste in die Buslinie 169 in Richtung Bredeney/Velbert umsteigen können.

16.15 Uhr: Es ist wieder einmal Sprengmeister Peter Giesecke vom Kampfmittelbeseitigungsdienst der Düsseldorfer Bezirksregierung, der der Weltkriegsbombe den Zünder ziehen wird.

Ende September geht der 63-Jährige aus Oberhausen-Alstaden, der seit über 40 Jahren Bomben im Ruhrgebiet entschärft, in den Ruhestand. Ein Interview mit Peter Giesecke.

15.55 Uhr: Die Stadt hat den Evakuierungsplan veröffentlicht: Die A52 wird in Höhe der Anschlussstelle Haarzopf komplett gesperrt. Meisenburgstraße und Alfredstraße bleiben befahrbar. In der Evakuierungszone liegt neben Teilen der Karstadt-Verwaltung auch das Grugabad. Grugabad, Gruga und Südfriedhof sollen bis 17 Uhr geräumt werden. Die Eon-Hauptverwaltung muss nicht evakuiert werden, sie liegt in der Sicherheitszone.

15.40 Uhr: In Evakuierungszone (500-Meter-Radius) und Sicherheitszone (etwa 1000-Meter-Radius), die sich über Teile von Bredeney, Schuir und Rüttenscheid erstrecken, wohnen nach Informationen von Feuerwehrsprecher Filzen etwa 6600 Menschen. Die Evakuierungszone muss während der Entschärfung menschenleer sein, in der Sicherheitszone dürfen sich Menschen während der brenzligen Minuten nicht im Freien aufhalten. Sie sollen außerdem alle Fenster schließen.

Gruga, Grugabad und Südfriedhof werden bis 17 Uhr geräumt

15.35 Uhr: Wie Feuerwehrsprecher Mike Filzen berichtet, handelt es sich bei dem Blindgänger auf dem Gelände der alten Polizeischule um eine amerikanische Zehn-Zentner-Bombe mit einem der gewöhnlichen Aufschlagzünder. In der Evakuierungszone (Radius: etwa 500 Meter) liegt die A52, die für die Entschärfung am Abend komplett gesperrt werden muss. Auch die Gruga, das Grugabad und der Südfriedhof werden bis 17 Uhr geräumt. Die Veranstaltungen des Deutschen Juristentags seien nicht betroffen, so die Stadtpressestelle.

Der Kampfmittelbeseitigungsdienst hatte die Stadt am Mittwoch um 14.30 Uhr informiert, dass sich der Bombenverdacht, der sich bei der Auswertung von Luftbildaufnahmen ergeben hatte, bestätigt hat.

15.23 Uhr: Die Stadt Essen hat den Bombenfund bestätigt. Sie richtet ein Info-Telefon für Anwohner ein: 0201/1238888.

Gegen 14.30 Uhr ist der Krisenstab der Stadt Essen zusammengekommen, um die weitere Vorgehensweise zu besprechen. Unklar ist aber, wie groß der Sprengkörper ist und ob beziehungsweise wann die Autobahn in Rüttenscheid gesperrt werden muss. Weitere Informationen wollen die Behörden im Laufe des Nachmittags bekanntgeben. Sollte sich der Verdacht bestätigen, muss die Bombe sehr wahrscheinlich noch heute entschärft werden.

Die alte Polizeischule liegt zwischen den A52-Anschlussstellen Haarzopf (27) und Rüttenscheid (28) (Fahrtrichtung Bochum). Die unmittelbare Umgebung ist südlich der Autobahn dünn besiedelt, dort liegen das Hotel Bredeney und die Karstadt-Verwaltung an der Theodor-Althoff-Straße. Von einer Evakuierung könnten aber nördlich der A52 auch das Grugabad, Grugapark, Teile der Messe und die Eon-Verwaltung betroffen sein. Das aber hängt von der Lage und der Sprengkraft der gefundenen Weltkriegsbombe ab.

Erlass: Weltkriegsbomben sofort entschärfen

Die Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg müssen seit Anfang 2014 in den meisten Fällen sofort entschärft werden, wenn sie entdeckt werden. So sieht es seither ein Erlass der Bezirksregierung vor.