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Bluttat in Oberhausen: Gutachter sieht verminderte Schuldfähigkeit – „Er hatte Angst, dass die anderen Männer ihn 'kaputtmachen'“

Ramadan K. (r.) soll bei einem Streit an der Bushaltestelle Lipperfeld in Oberhausen einen Mann erstochen haben.
Ramadan K. (r.) soll bei einem Streit an der Bushaltestelle Lipperfeld in Oberhausen einen Mann erstochen haben.
Foto: Justin Brosch, Julia Kübel, Montage: DER WESTEN

Essen. Die Beweisaufnahme im Fall Ramadan K. ist abgeschlossen. Nach einigen Prozesstagen haben kurz vor den Plädoyers allerdings noch zwei Zeugen ausgesagt, die für den Angeklagten und sein Urteil noch sehr wichtig sein können.

Ramadan K. (21) sitzt auf der Anklagebank, weil er am 26. November 2017 an einer Bushaltestelle in Oberhausen auf zwei Menschen eingestochen hat. Die Tat hat er gestanden, wie es dazu gekommen ist, schilderte der 21-Jährige einem Gutachter. In der Verhandlung selbst wollte er sich nicht äußern.

Dem Gutachter, der die Psyche und Persönlichkeit von Ramadan K. analysieren und feststellen sollte, erzählte Ramadan K. Folgendes: Er sei mit drei Freunden in der Nacht feiern gewesen. Die erste Tat, den Raubüberfall auf einen Bottroper, habe er noch in Bottrop begangen. „Absolut spontan“ sei der Entschluss dazu gewesen.

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Anschließend seien die Männer mit dem Bus nach Oberhausen gefahren. Im Bus selbst habe es eine lautstarke Äußerung eines anderen Mannes gegeben, daraufhin habe Ramadan K. ihm gegen den Oberkörper getreten.

Warum? „Das weiß er selbst nicht. Er kann sich nicht an diese Tat erinnern“, so der Gutachter.

Daraufhin sei Ramadan K. gemeinsam mit seinem Cousin aus dem Bus geflüchtet. „Er hatte große Angst, hatte im Bus bereits Schläge kassiert und wollte nur noch weg.“

Er sei gepackt worden

Außerhalb des Busses sei er dann von hinten gepackt worden. „In dem Moment hat er es mit der Angst zu tun gekriegt, wie er mir sagte. Er hatte Angst, dass die Männer aus der anderen Gruppe ihn 'kaputtmachen'. Sie waren in der Überzahl und kräftig. Da hat er das Messer gezückt.“

Wie genau er zugestochen hat, weiß Ramadan K. laut Gutachter nicht mehr. Auch könnte es sein, dass es für ihn nur ein Angreifer war anstatt zwei, die Brüder Mike R. und Denny R.

„Das könne erklären, warum er immer weiter zugestochen hat. Denn in seiner Angst, den Angreifer nicht loszuwerden, hat er immer weiter zugestochen. Ohne zu merken, dass der erste Mann schon längst zur Seite gesackt war und es der andere Bruder war, der ihn packte“, so der Gutachter.

Ramadan K. ist vermindert schuldfähig

Für den Gutachter ist klar: Ramadan K. ist vermindert schuldfähig und sollte nach Jugendstrafrecht verurteilt werden. „Seine psychische Entwicklung ist auf dem Stand eines Jugendlichen.“

Die Jugendgerichtshilfe, die mit Ramadan K. ebenfalls mehrfach gesprochen hatte, stimmt dem zu. Sie habe den jungen Mann immer als höflich, charmant und zuvorkommend empfunden. Er sei nicht aggressiv gewesen.

Für die Familie unverständlich

Für die Familie und Freunde des toten Mike R. und verletzten Denny R. absolut unverständlich. Nach Informationen von DER WESTEN sind sie sich sicher: Ramadan K. war schon vorher straffällig. Und das war alles nicht spontan.

Am Abend werden die Plädoyers gehalten. Das endgültige Urteil fällt Ende dieser Woche. (fb)

 
 

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