Blühende Lebensfreude

Vera Eckardt
Foto: WAZ FotoPool

Rosen und Tulpen, Anemonen und Ranunkeln, Schleierkraut und Orchideen sind ihre Freunde: Birgit Morgenroth steht inmitten der blühenden Pracht und kann sich nicht satt sehen. Mit dem Gärtner Peter Kirchner ist sie das Gesicht des Blumenhandels Florenia neben Kaisers auf der Rellinghauser Straße: Seit knapp 24 Jahren verkauft sie Gute-Laune-Sträuße an die Bewohner des Südviertels. Als sie begann, wurde das Geschäft noch vom Holländer Jan Lammerse geführt, „ein echter Gutmensch und ein prima Chef“, erinnert sich Birgit Morgenroth.

Ohne Allüren und Launen

1989 stieß die Mutter zweier inzwischen erwachsener Kinder als Aushilfe zum Holländer, „obwohl ich überhaupt keine Ahnung von Blumen hatte“. Umso mehr lag ihr der Verkauf: Die gelernte Drogistin - „ein Beruf, der bereits ausgestorben ist und den die Jüngeren unter uns nicht mehr kennen“ – verstand sich auf den Umgang mit Kunden, schätzte das persönliche Gespräch und war serviceorientiert. Immer freundlich, ohne Allüren und Launen, passte sie wunderbar ins Team. „Das war irgendwie Liebe auf den ersten Blick.“ Liebe zu Kunden, Blumen, Kollegen.

Bis heute hat sich nichts daran geändert. „Als Jan 2006 das Geschäft an Renata Anderl-Cygam abgab, waren wir sofort von der neuen Chefin begeistert.“ Sie brachte die weibliche Note in den Laden, veränderte die Optik, erneuerte das Sortiment. „Plötzlich standen Pflanzen in den Vasen, die ich vorher noch nie gesehen hatte.“ Bananen, Helikonien, Strelitzien, Magnolienzweige oder Mohn haben Tulpen, Rosen und Nelken zwar nicht verdrängen können, sind aber mindestens genauso gefragt. „Der Stil und der Geschmack unserer Kunden hat sich in den vergangenen Jahren total geändert.“

Waren es früher meist Frauen, die sich etwas Blühendes für den Balkon oder Wohnzimmertisch kauften, finden immer mehr Männer den Weg in den lichtdurchfluteten Laden, kaufen zielstrebig und geschmackssicher ein. 2008 wurde das Blumengeschäft an gewohnter Stelle neu gebaut, nachdem es im alten Laden durchs Dach regnete. „Wir mussten in das ehemaligen Bettenlager auf dem Parkplatz ausweichen, ein schrecklicher Ort.“ Damals kämpfte Inhaberin Renata Anderl-Cygam zeitweise ums Überleben. Am Geschäft hing nicht nur ihre Existenz, sondern auch die von elf Mitarbeitern. „Wären uns die Menschen im Südviertel nicht treu geblieben, wer weiß, wo ich heute stehen würde.“ Doch es ist alles gut geworden im Leben von Birgit Morgenroth. Die Arbeit geht ihr leicht von der Hand, das Team ist wie eine Familie, die eigenen Kinder sind groß. „Dank meines Berufes fühl’ ich mich mitten im Leben und bin fast wunschlos glücklich“, sagt Birgit Morgenroth.