Bis zu 40 Jahre alte U-Bahnen bringen Evag in Nöte

Selbst an einem normalen Einkaufstag (hier: Samstag, 22. Oktober) füllt der Bahnsteig im U-Bahnhof unterm Essener Hauptbahnhof schnell. Bei Großveranstaltungen kann die Evag keinen dritten Wagen an die U11 anhängen.
Selbst an einem normalen Einkaufstag (hier: Samstag, 22. Oktober) füllt der Bahnsteig im U-Bahnhof unterm Essener Hauptbahnhof schnell. Bei Großveranstaltungen kann die Evag keinen dritten Wagen an die U11 anhängen.
Foto: Knut Vahlensieck
Bei Großveranstaltungen wie der Spielemesse kann die Evag nicht mit längeren Zügen fahren, weil viele U-Bahnen in der Werkstatt sind. Die Folge: Staus auf Bahnsteigen.

Essen. Die Essener Verkehrsgesellschaft (Evag) verfügt nicht über genug einsatzfähige Fahrzeuge, um bei Großveranstaltungen mit längeren Zügen zu fahren. Zur Spielemesse vor über einer Woche, die aufgrund des Besucherrekordes von 174.000 Gästen zeitweise zu erheblichen Engpässen im U-Bahnverkehr führte, konnte die Evag auf der besonders betroffenen Linie U11 keinen dritten Wagen an die U-Bahnen ranhängen. „Wir hatten bereits alles draußen, was fahren konnte“, erklärte Sprecher Nils Hoffmann auf Anfrage der Zeitung.

Während andere Städte wie Düsseldorf etwa bei Fußballspielen ihre Stadtbahnen in einer Dreier-Traktion (also mit einem dritten zusätzlichen angehängten Wagen) fahren lassen, fehlen in Essen dafür die Kapazitäten.

Alle 45 U-Bahnen der Evag müssen ausgemustert werden

Noch vor acht Jahren setzte die Evag während der Loveparade längere U-Bahnen ein, doch inzwischen ist ein Teil der Züge derart in die Jahre gekommen, dass sich die Ausfälle wegen zusätzlicher Wartungs- und Reparaturarbeiten häufen und bei Großveranstaltungen Fahrten mit zusätzlich angehängten Wagen nicht mehr möglich sind. „Wir haben mehr ältere Bahnen, die länger in der Werkstatt stehen“, gibt der Evag-Sprecher zu bedenken.

In den nächsten Jahren müssen alle 45 U-Bahnen ausgemustert werden. Ab 2025 sollen die neuen Züge auf den drei Essener U-Bahn-Linien U11, U17 und U18 verkehren. Bisher ist weder das Lastenheft mit den nötigen Anforderungen erstellt noch ein Termin für die Ausschreibung festgelegt worden.

Evag plant Bahnsteige mit unterschiedlichen Höhen

Wenn Essen aber wieder über eine moderne U-Bahn-Flotte verfügt, hat sich die Frage über den Einsatz von längeren Zügen bis dahin wahrscheinlich von selbst erledigt. Denn die Evag muss laut Gesetz bis 2022 ihre Bahnhöfe und Haltestellen barrierefrei machen.

Auf dem Südast plant sie deshalb für die U-Bahnhöfe Philharmonie, Rüttenscheider Stern und Martinstraße (dort stoppen am gleichen Bahnsteig sowohl Züge mit hohem als auch mit niedrigem Einstieg) eine Rampenlösung und damit zwei unterschiedlich hohe Bahn-steigshöhen.

Längere Züge auf der Messe-Linie U11 künftig ausgeschlossen?

Dann ist ein Teil des Bahnsteiges für Niederflur-, der andere für Hochbahnen vorgesehen. So soll ein stufenfreier Zugang zu den Zügen gewährleistet werden. Der Bahnsteig ist insgesamt lang genug für zwei Züge in Zweier-Traktion (jeweils 60 Meter). Aber eine U-Bahn mit einem angehängten dritten Wagen (90 Meter Länge) kann dann dort wegen der unterschiedlich hohen Bahnsteigkante nicht mehr halten.

Damit wären ausgerechnet auf der Messe-Linie U11 längere Züge für immer tabu. Dabei könnten diese bei Großveranstaltungen den Engpass am U-Bahnhof Hauptbahnhof zumindest ein Stück entschärfen. Dort dürfen zwar maximal nur 48 U-Bahnen und Straßenbahnen von sieben Linien pro Stunde durch den Tunnel rollen, aber mit Drei-Wagen-Zügen ließen sich deutlich mehr Fahrgäste auf der Linie U11 befördern.

>> 45 U-Bahnen – einige fahren seit 40 Jahren

  • Die 45 U-Bahnen der Evag sind teilweise schon seit 40 Jahren im Betrieb. Zur Flotte zählen die 21 aus London geholten und hier umgebauten Dockland-Züge aus den Jahren 1986 und 1989 (Bautyp P86 und P89) und die 24 Züge aus der „B-Serie“, die über 30 bis 40 Jahre alt sind.
  • Bei den Straßenbahnen läuft die Modernisierung schneller. Neu sind 27 NF2-Niederflurbahnen, die die 34 Züge vom Vorgängertyp NF1 (1999-2001) ergänzen. Ab 2024 müssen 38 alte M-Wagen ausgetauscht werden. 13 von ihnen werden bereits für Ersatzteile ausgeschlachtet.
 
 

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