Bipolare Störung: zwischen Euphorie und Depression

Der 56-jährige Mann, der anonym bleiben möchte, leidet an einer bipolaren Störung und pendelte lange zwischen Extremen. Jetzt hat der Mann sein Leben im Griff.
Der 56-jährige Mann, der anonym bleiben möchte, leidet an einer bipolaren Störung und pendelte lange zwischen Extremen. Jetzt hat der Mann sein Leben im Griff.
Foto: Funke Foto Services
Ein 56-Jähriger leidet an einer bipolaren Störung und pendelte lange zwischen gefährlichen Extremen. Die Kliniken-Essen Mitte konnten ihm helfen.

Essen. Das Leben des 56-jährigen Mannes, von dem hier erzählt werden soll, spielte sich jahrelang nur in Extremen ab. Himmel oder Hölle. Glamour oder Gosse. Helles Schweinwerfer-Licht oder absolute Dunkelheit. Er leidet an einer bipolaren Störung, pendelte zwischen euphorischem Hochgefühl und quälender Depression. Seit der Mann der Extreme, der anonym bleiben möchte, in der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Suchtmedizin der Kliniken Essen-Mitte behandelt wird, hat er seine Krankheit im Griff. „Ich kann wieder normal leben“, sagt er.

Das Leben, das der Mann lange lebte, war „nur schrecklich“, sagt er. Und seine Stimme zittert. Da waren die Depressionen. „Drei bis vier Monate lang. Ich wollte niemanden sehen. Bin nicht vor die Tür gegangen. Habe nur gegrübelt“, beschreibt er seinen trüben Alltag. Der Alkohol wurde zum guten Freund. Die zweite wiederkehrende Episode in seinem Leben, das euphorische Hochgefühl, war das Gegenteil der mentalen Dunkelheit. Aber genau so belastend und gefährlich. „Du glaubst, dass du alles kannst. Du hast weder ein Schlaf- noch Essbedürfnis. Einfach unheimlich.“ Er erzählt weiter: „Ich konnte eine Mozart-Sonate auf dem Klavier spielen, die ich 30 Jahre nicht gespielt hatte und Fremdsprachen sprechen, die ich Jahrzehnte nicht verwendet hatte.“ Einmal wollte der 56-jährige Frührentner, der lange Jahre auf einer Zeche gearbeitet hatte, eine Woche nach Israel reisen. Er kam erst nach drei Monaten wieder. „Ich fühlte mich dem Geheimdienst zugehörig, hatte keine Angst, kein Schmerzempfinden, war energiegeladen, risikobereit. Es wurde teilweise richtig bedrohlich.“

Erfolgreiche Behandlung mit Lithium

Mit seiner Ehefrau suchte er schließlich die Psychiatrische Institutsambulanz der Kliniken Essen-Mitte auf, landete dort bei Facharzt Hubert-Matthias Schöttes. Der konnte nach Untersuchungen und Gesprächen eine bipolare Störung bei dem 56-Jährigen diagnostizieren, unter der zwei bis fünf Prozent der Deutschen leiden. Die Krankheit gehört zu den psychischen Störungen, die sich in den letzten 20 Jahren, laut einer Studie, verdreifacht haben.„Die Erkrankung ist nicht einfach zu diagnostizieren. Und Patienten wissen oft nicht, dass sie krank sind, und lassen sich dann auch nicht behandeln“, erklärt Prof. Martin Schäfer, Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Suchtmedizin, die gerade von der Deutschen Gesellschaft für Bipolare Störung mit einem Gütesiegel ausgezeichnet wurde.

Bei dem 56-Jährigen konnte die Erkrankung diagnostiziert werden. Nach einem stationären Aufenthalt im Knappschafts-Krankenhaus in Steele wird er erfolgreich und ohne Nebenwirkungen mit Lithium behandelt. Episoden und Extreme sind Vergangenheit. „Ich kann mein Leben wieder Leben.“

 
 

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