Bier, Schweiß und Rock’n’Roll

Die „Blackmailers“ rockten am Eröffnungsfreitag die über 100 Gäste in der rappelvollen „Freak Show“. Der schwedische Wirt und Gitarrist Benny Nordvall (2.v.l.) freute sich über die doppelte Premiere: Für die Band war es der erste Gig.
Die „Blackmailers“ rockten am Eröffnungsfreitag die über 100 Gäste in der rappelvollen „Freak Show“. Der schwedische Wirt und Gitarrist Benny Nordvall (2.v.l.) freute sich über die doppelte Premiere: Für die Band war es der erste Gig.
Foto: WAZ FotoPool
Am Steeler Grendplatz hat mit der „Freak Show“ eine Rockbar aufgemacht, die es in Essen kein zweites Mal gibt. Bei der Eröffnung gab es viel Livemusik und ein volles Haus.

Essen. "Unter“ dem Grendplatz liegt eine Perle. Im katakombenhaften Keller unter der Hausnummer 2a hat das Ehepaar Ela und Benny Nordvall eine Rockbar eingerichtet, die es in Essen kein zweites Mal gibt: Willkommen in der „Freak Show“.

Eine Reihe Riesenzähne rahmt die Theke ein, an der gerade ein durchgeschwitzter Mob Langhaariger auf die nächste Fuhre Bier wartet. Auf der Bühne spielen sich die Punks von „IWAN I.A.E.“ ohrenbetäubend die Seele aus dem Leib, als gäbe es kein Morgen mehr. Davor pogen die Strubbeligen von einer Ecke der Tanzfläche in die andere. Und über allem wacht ein lebensgroßer Frankenstein in Berberanzug. Nein, das Ganze spielt sich nicht im wilden London der 1970er ab sondern, kaum zu glauben, in Steele 2011.

Voll war es bei der Eröffnung der Rockbar „Freak Show“ am Wochenende, so voll, dass Geschäftsführer Benny und seine Frau Ela zwischendurch „Stopp“ sagen, die unscheinbare Eingangstür am Grendplatz für die wartenden Neugierigen schließen mussten. „Irgendwann macht es ja keinen Sinn, noch mehr Leute hereinzulassen. An Freitag und Samstag waren immer weit über 100 Leute da“, berichtet Ela Nordvall.

„Nachfolger“ des „Panic Room“ in Steele

Die Steelerin ist in der Szene und vor Ort keine Unbekannte, hat zusammen mit dem damaligen Freund Frank Foppe von 2007 bis 2009 am Grendplatz die Kneipe „Panic Room“ – allerdings im Ladenlokal des heutigen „Unfassbar“ – betrieben. Dann zogen die Beiden mit dem Konzept in die Innenstadt zum Viehofer Platz und betrieben es mit Erfolg weiter. „Bis jeder von uns sein eigenes Ding machen wollte. Es gab aber keinen Streit oder so“, schildert Ela. Sie zog es zurück in die alte Heimat, Frank blieb mit dem „Panic Room“ am Viehofer. Doch schon vorher war ihr Auge auf die Katakomben gefallen, in denen zuletzt die Disco „Movida“ residierte.

Und dann gab es noch die neue Liebe Benny aus Schweden. Den kannte Ela, weil der Stockholmer mit seiner Band „Sonic Farm“ im „Panic Room“ aufgetreten war. Im November 2010 griffen die Beiden bei der Zwangsversteigerung der Kellerdisco zu und seitdem haben sie so ziemlich jede arbeitsfreie Minute im neuen „Baby“ verbracht. Benny hatte eine Entscheidung getroffen: „Ich habe immer in Stockholm gelebt und bin dann meinem Herzen gefolgt“, berichtet er, der mittlerweile in Essen so richtig angekommen ist und mit der neuen Band „Blackmailers“ auch das Eröffnungspublikum gerockt hat.

Doch so weit war man natürlich im vergangenen November längst nicht. Tonnenweise Material haben sie in den Keller geschleppt und verbastelt. „Wir waren nur noch in Baumärkten“, erinnert sich Ela. Mit Gips und viel Farbe haben sie Wände plastisch verschönert, zahllose Kronkorken hinein gedrückt. Das DJ-Pult bewacht eine Mumie mit Mullbinden um den Kopf. Übergroße Zähne und Lippen bestehen aus alter Bettwäsche. Die Toiletten hat das Paar liebevoll bepinselt und mit verschiedensten Objekten verziert. Frankensteinmaske und Anzug kauften sie bei Ebay, der Körper wurde selbst konstruiert und so weiter. „Bis wir so weit waren, war ein Jahr um“, erzählt die Wirtin.

Jetzt ist das monströse Kind der Liebe fertig für Bier, Schweiß und Rock’N’Roll. und Benny und Ela ernten die Früchte der Arbeit. Die beiden verheißungsvollen Eröffnungsabende werden nur der Anfang sein.

 
 

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