Bergbauschacht unter der A40 vermutet

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Ein 50 Meter tiefer und 1848 stillgelegter Stollen könnte für Ärger sorgen: Der Landesbetrieb Straßen.NRW startet in den Osterferien Probebohrungen in Frillendorf. Dort wird der Lärmschutz aufwändig erneuert.

Essen. Eigentlich hatten die Verantwortlichen von Straßen.NRW in der Pressekonferenz schon alles gesagt über die am Freitag startende Lärmsanierung der Autobahn 40. Alles, bis auf ein so winziges wie wichtiges Detail, das mancher Journalist gar nicht mehr mitbekam: „Im schlimmsten Fall müssen wir die A40 in den Osterferien für ein paar Tage voll sperren“, erwähnt Ahmed Karroum, Abteilungsleiter Bau beim Landesbetrieb. Kommt es hart auf hart, müsste ein alter Bergbauschacht aus dem Jahr 1848, der unter dem Autobahndreieck Essen-Ost der A 40 liegen könnte, aufwändig verfüllt werden.

1,80 Meter mal 2,50 Meter soll er messen und etwa 50 Meter tief sein. „Wo er genau liegt, können wir nicht mit Gewissheit sagen“, sagt Frank Teißing, Projektleiter Bau beim Landesbetrieb. Schnell werden da Erinnerungen wach – an die Tagebrüche auf der A45 in Dortmund. Hohlräume hatten sich dort gebildet und für Löcher auf der Bahn und Krater im Wald gesorgt. Noch besser dürfte allen Essenern das Umleitungs-Chaos am hiesigen Hauptbahnhof in Erinnerung sein. Ein stillgelegter Problemstollen, der unter den Schienen verläuft, musste im November tagelang mühsam verfüllt werden.

Grund zur Sorge müsse man sich beim Frillendorfer Schacht jedoch nicht machen, versucht Ahmed Karroum zu beschwichtigen: „Die A 40 liegt da schließlich schon ein paar Tage. Wenn es Grund zur Sorge gebe, würden wir umgehend Maßnahmen ergreifen. Doch vom Schacht geht derzeit keine Gefahr aus.“ Dennoch ist man beim Landesbetrieb für den Fall der Fälle gut gewappnet. „Entsprechende Schilder sind fertig, das Verfüllen ist geplant und vorbereitet “, so Karroum. Wo der Bergbauschacht liegt, ob und wie er gesichert ist, hofft man durch Erkundungsbohrungen an der Frillendorfer Höhe zu erfahren. Die A40 müsse dafür nicht gesperrt werden.

Ist das Schacht-Problem erledigt, will sich Straßen.NRW um sein ei­gentliches Sorgenkind kümmern – den Lärmschutz. Obgleich baulich noch gut in Schuss, sei er nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Der Lärmpegel überschreite immer häufiger die Grenzen von 67 dB(A) am Tag und 57 dB(A) in der Nacht, die Voraussetzung für eine Lärmsanierung durch den Landesbetrieb sind.

120.000 Fahrzeuge pro Tag

Anwohner der A40 in Kray und Frillendorf seien besonders betroffen. „Insgesamt 120.000 Fahrzeuge passieren diesen Bereich der Autobahn durchschnittlich pro Tag – und machen ihn damit zu einem der meistbefahrenen in NRW“, so Teißing. Bis zum Sommer 2015 wird der Lärmschutz ab dem Autobahndreieck Essen-Ost über die neue Anschlussstelle Frillendorf-Süd bis hin zum Abschnitt in Höhe des Friedhofs Kray saniert. Acht Millionen Euro hat der Bund für das er­ste Teilprojekt zwischen Essen-Ost und Essen-Frillendorf bewilligt. Weitere acht Millionen Euro – so schätzt Frank Hinterland, Projektleiter Planung – müsse der Bund für den bereits geplanten Schallschutz im Areal der Anschlussstellen Essen-Frillendorf und Gelsenkirchen-Süd drauflegen. „Hierzu gibt es bereits eine mündliche Zusage des Bundesverkehrsministers“, beteuert Karroum. Schriftlich sei aber noch nichts fixiert.

Offenporiger Asphalt und Schallschutzwände von maximal acht statt bisher dreieinhalb Metern Höhe (der Lärmschutz stammt aus den 80er Jahren) sollen spürbare Veränderungen für die Anwohner bringen – vor allem direkt an der A40. So zum Beispiel an der Huckarder und der Hombrucher Straße. „Für einige Anwohner wird das zur Halbierung des Lärms führen. Sie werden nicht nur im Erdgeschoss, sondern auch in der ersten und zweiten Etage spüren, dass es deutlich leiser geworden ist“, verspricht Karroum. Anders als bei ähnlichen Maßnahmen im Land würden die Anwohner in Essen hinter den Planungen stehen. „Sie nehmen lieber temporäre Beeinträchtigungen in Kauf, als die ständig hohe Verkehrsbelastung.“

Mit ersten Verkehrsbehinderungen ist ab Freitagabend zu rechnen. Dann richtet der Landesbetrieb die Baustelle am Autobahndreieck Essen-Ost ein. Der zweispurige Anschluss der A40 an die A52 geht mit den Bauarbeiten einher und soll bis frühestens 2018 abgeschlossen sein.

Straßen.NRW sorgt rund um die Autobahn 40 für Ruhe

Der alte Betonwall aus den 80er Jahren wird abgetragen, neue bis zu acht Meter hohe Lärmschutzwände bis zu neun Meter tief im Boden verankert. 100 Jahre sollen sie standhalten.

Lärmschluckender Fahrbahnbelag aus offenporigem Asphalt wird im Sommer in Fahrtrichtung Dortmund aufgetragen. Aus diesem Grund muss die A40 einseitig gesperrt werden. Dies soll an einem Wochenende passieren.

2015 geht’s nördlich der A40 mit neuen Schallschutzwänden weiter, die Fahrbahn in Richtung Düsseldorf wird dann ebenso saniert. Weitere Maßnahmen sind bisher noch nicht genehmigt.

 
 

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