Beim TC Freisenbruch bestimmen die Fans, wer spielen darf

Gerrit Kremer (links) und Peter Schäfer gehören zum Vorstand des TC Freisenbruch und leiten zusammen mit ihrem Kollegen Peter Wingen die Agentur Doppelpass, die hinter „Dein Club“ steht.
Gerrit Kremer (links) und Peter Schäfer gehören zum Vorstand des TC Freisenbruch und leiten zusammen mit ihrem Kollegen Peter Wingen die Agentur Doppelpass, die hinter „Dein Club“ steht.
Foto: FUNKE Foto Services
  • Für fünf Euro im Monat bestimmen die Nutzer die Mannschaftsaufstellung
  • Die Fans des Sie können sogar den Trainer entlassen
  • Verein kämpft sich so aus der Finanzkrise

Essen-Freisenbruch.. In der Regel bestimmen Trainer den Kader ihrer Fußballmannschaft, wer aufgestellt, wer ein- und ausgewechselt wird. Bei der ersten Mannschaft des TC Freisenbruch wird diese Norm in der kommenden Saison auf den Kopf gestellt: Der Coach trainiert seine Spieler, wer letztendlich auf dem Platz steht, regeln aber die Fans. „Dein Club“ funktioniert wie ein Managerspiel – in der Realität. Die Nutzer melden sich für den Zeitraum einer Saison an, zahlen einen monatlichen Beitrag von fünf Euro und werden so zu Team-Managern.

Nutzer bestimmen Spieler und Bierpreis

Jeder stellt seine eigene Mannschaft aus den zur Verfügung stehenden Spielern auf, die Kicker mit den meisten Stimmen bestreiten die nächste Partie. Die Nutzer haben Einblick in die Finanzen und dürfen diese mit verwalten. Ausführliche Daten informieren sie über Spieler und Trainer. Bis zum Saisonstart stimmen die Team-Manager auch noch darüber ab, wie hoch der Eintritt zu den Heimspielen sein und wie viel ein Bier kosten soll. Mit einem Prozentregler können sie ihr Vertrauen gegenüber dem Trainer beziffern – sinkt sein Wert unter 15 Prozent, verliert er seine Arbeit. „Er hat aber erstmal eine Jobgarantie von 100 Tagen“, erklärt Peter Schäfer. Zusammen mit Peter Wingen und Gerrit Kremer bildet er die Agentur Doppelpass, die hinter dem Projekt steht. Schäfer und Kremer sind zudem Mitglieder des TCF-Vorstands.

Der Kreisligist hatte im Laufe des vergangenen Jahres immer wieder mit ungewöhnlichen Aktionen auf sich aufmerksam gemacht. Zuerst wollte der Verein mit seiner „Top100“-Kampagne einen zweistelligen Platz unter den Fußballclubs mit den meisten Facebook-Fans erreichen – und hat deren Anzahl von 500 im Sommer 2015 auf mittlerweile fast 4000 gesteigert. Anfang des Jahres brachten zwei Essener Autoren einen Krimi heraus, der am Bergmannsbusch, dem „Waldstadion“ des TC Freisenbruch spielt. Kurz davor hatte der Club eine eigene Brause herausgebracht.

Kreidewagen und Tornetze von den ersten Einnahmen

Und nun das Manager-Spiel. „Die Alternative wäre gewesen, dass der Verein in zwei Jahren stirbt“, meint Peter Schäfer. Noch vor Kurzem kämpfte er um seine Existenz, und um seinen von Hängen umgebenen Ascheplatz. Schäfer ist überzeugt, dass sich der Verein jetzt mit dieser verrückten Idee rette, „das Projekt ist die Chance, es doch zu schaffen“. Und der Kreisligist profitiert schon jetzt davon: Ein Kreidewagen, Tornetze und Trainingsmaterial wurden neu angeschafft.

Als Schäfer die Idee vergangenes Jahr der ersten Mannschaft vorstellte, konnten sich die Spieler entscheiden, ob sie daran mitwirken wollen. Zwölf blieben, elf Neuzugänge konnte der TC gewinnen.

Dass die direkte Rückmeldung durch die „Dein Club“-Community auch psychischen Druck auslösen kann, sieht Schäfer nicht so eng. „Manche brauchen das sogar und werden dadurch besser.“ Gerrit Kremer weist aber auch auf die Verantwortung der Teammanager hin: „Wir erwarten, dass sie das mit einer gewissen Ernsthaftigkeit betreiben.“ Also nicht aus Spaß den Trainer entlassen oder einen Stürmer in die Abwehr stellen. Vor Fehlentscheidungen habe man keine Angst, wegen der großen Gruppe dürften die auch seltener passieren.

Benjamin Boateng ist der Liebling der Teammanager

Am 9. Juli spielt der TC Freisenbruch seine erste Vorbereitungspartie gegen den FC Norden, zum ersten Mal mit der digital aufgestellten Mannschaft. Einen Liebling haben die Nutzer übrigens schon: Benjamin Boateng sorgt mit seinem Namen und seiner Rasta-Frisur für Begeisterung im Netz.

EURE FAVORITEN