Essen

Du willst ohne Angst nachts durch die Straßen gehen - mit dieser Kampfkunst kannst du dich wirklich verteidigen

Christian Rihm weiß sich zu verteidigen.
Christian Rihm weiß sich zu verteidigen.

WingChun ist eine asiatische Kampfkunst

Blaue Flecken sind Normalzustand beim Training

Jeder kann es lernen

Essen. Du stehst auf Selbstverteidigung und blaue Flecken? Dann solltest du WingChun mal ausprobieren. Die Kampfkunst aus Asien ist härter als jedes Kung-Fu- oder Boxtraining, das du dir vorstellen kannst – und perfekt dazu geeignet, dich bei Gefahr zu verteidigen.

Im lichtdurchfluteten Mehrzweckraum an der Giradetstraße in Essen begrüßt Christian Rihm seine Schüler mit einer traditionellen Verbeugung. Rihm ist Sihing, der Lehrer der WingChun-Akademie im Ruhrgebiet.

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Ihm gegenüber: Studenten, ein Polizeihauptkommissar, Hausfrauen. Nicht gerade der Menschenschlag, den du dir bei einer der härtesten Kampfkünste der Welt vorstellen würdest, oder?

Doch der Schein trügt: „Selbstverteidigung ist für mich nur WingChun“, erklärt der 40-Jährige, während seine Schüler vor dem Spiegel eine durchchoreografierte Reihenfolge von Angriffs- und Abwehrschlägen üben.

„Denn auf der Straße bringen dir die schönen Bewegungen, die man aus Kung-Fu-Filmen kennt, nicht viel.“

Lange Zeit Boxer gewesen

Rihm, 40 Jahre alt, die Oberarme tätowiert, war lange Zeit Boxer, hat in Amerika Mixed Martial Arts trainiert. Ein Typ, den du nachts nicht auf dem falschen Fuß erwischen willst. Doch schnell wird klar, dass hinter dieser Fassade ein freundlich und ruhiger, aber bestimmter Lehrmeister steckt: „Das Besondere an WingChun ist die unfassbare Intensität, mit der wir trainieren. Und was wir trainieren.“

Er meint: Karate, Taekwondo oder Boxen sind Kampfsportarten - und engen Regularien unterworfen. WingChun hingegen ist eine alte Kriegskunst. Mit nur einem Ziel: den Gegner auszuschalten.

Die natürliche Hemmschwelle überwinden

Und so lernen seine Schüler vor allem ihre natürliche Hemmschwelle zu überwinden. Rihm: „Wenn dich jemand angreift, dann solltest du nicht auf den ersten Schlag warten, sondern selbst aktiv werden.“

In der Mehrzweckhalle wie auch auf der Straße bedeutet das: Hände vor dem Gesicht positioniert. Flach, denn das wirkt weniger bedrohlich, doch blitzschnell zur Faust geballt. Ist klar, dass es zu einer körperlichen Auseinandersetzung kommt, nicht zögern.

Wird der Angreifer überrascht, hat man die Situation gewonnen

Denn: Wer pöbelt, ist kein Leistungssportler, sondern meist ein betrunkener Normalo. Wird der Angreifer überrascht, hat man die Situation meist schon für sich gewonnen.

Rihm: „Ein Faustschlag dauert in der Nahdistanz 0,3 Sekunden. Die Abwehr selbst wenn du geübt bist 0,8 Sekunden. Es ist pures Glück, dass sie gelingt.“

Daher: Lieber selbst den ersten Schlag machen. Und dann verschwinden.

Blutige Anfänger müssen einstecken können

Dieses Mantra lernen die Schüler bereits ab der ersten Übungsstunde. Auch blutige Anfänger müssen einstecken und austeilen können. Rihm: „Ich will, dass die Teilnehmer unter Stress stehen und die Gefahr so gut wie möglich auch im Training spüren. Wir wollen die Anspannung, unter der man in solchen Situationen steht, ausnutzen.“

Und so trainiert die 47-jährige Astrid, seit einem halben Jahr beim WingChun dabei, gegen den Studenten Nils, Schultern wie ein Ruderer, doch eigentlich von Aikidō und Thaiboxen gestählt. Das zweite Schülerprogramm steht für sie heute an.

Elf Schülergrade wie die Gürtel beim Karate

Die elf Schülergrade beim WingChun sind vergleichbar mit den Gürteln beim Karate, verliehen werden sie auf speziellen Seminaren. Doch jeder Schülergrad umfasst eine bestimmte Art der Verteidigung oder des Angriffs.

Abwehr eines geraden Faustschlags von vorne: ein Teil von Schülergrad Eins. Bis zum vierten sind die einfache Abwehr und Angriffstechniken verinnerlicht. Etwa ein Jahr braucht es bis dahin. Ein Meister, ist man aber dennoch nicht. „Selbstverteidigung funktioniert nur, wenn sich Automatismen entwickeln. Das kann nur durch regelmäßiges Training geschehen“, so Rihm.

Moment des Umschaltens muss wegfallen

Sein Vergleich: Bei einer irgendwann einmal erlernten Fremdsprache dauert es einen Moment des Umschaltens im Kopf, bis man die Frage nach dem Weg sicher und richtig beantworten kann. Dieser Moment ist in einer Gefahrensituation zu viel.

Nach eineinhalb Stunden Training sind die Arme der Teilnehmer mit blauen Flecken gesät. Doch Astrid weiß, dass sie sich lohnen: „Ich fühle mich viel selbstbewusster, wenn ich nachts durch die Stadt laufe.“ Und auch Sihing Christian Rihm ist sich sicher, wofür du dich im Ernstfall entscheiden würdest: „Lieber den Arm etwas blau, als dein Gesicht.“

Willst du WingChun austesten?

Wenn du Lust hast WingChun einmal auszuprobieren: Christian Rihm trainiert mit seiner Gruppe mittwochs (20.30 bis 22 Uhr) und freitags (19.30 bis 21 Uhr) im Health City an der Giradetstraße in Essen. Für ein Schnuppertraining kannst du jederzeit vorbeikommen.

Infos gibt es unter: http://iaw-essen.com/

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