Bei Bus und Bahnen drohen in Essen massive Kürzungen

Auf die nächste Bahn könnte Fahrgäste in Essen bald länger warten.
Auf die nächste Bahn könnte Fahrgäste in Essen bald länger warten.
Foto: WAZ FotoPool
Die Essener Verkehrs-AG bereitet sich auf eine Verschärfung des Sparkurses vor: 15-Minuten-Takt bei den Straßenbahnen, Streichkonzert bei Busverbindungen, weniger Personal für Sicherheit und Sauberkeit.

Essen.. Die Essener Verkehrs-AG (Evag) bereitet sich auf massive Kürzungen ihres Angebotes vor. Schon in absehbarer Zeit könnten Straßenbahnen nicht mehr im Zehn-Minuten-Takt fahren, sondern nur noch alle 15 Minuten. Wichtige Schnellbusverbindungen würden ausgedünnt, weniger frequentierte Buslinien komplett gestrichen. Davon betroffen wären alle Stadtteile. Auch beim Personal für Reinigung und Sicherheit will die Evag drastisch sparen; jede zweite Stelle könnte wegfallen.

Das kommunale Nahverkehrsunternehmen reagiert damit auf die Einsparvorgaben von Stadtkämmerer Lars-Martin Klieve, der mit seinen gebetsmühlenartig vorgetragenen Forderungen auch in der Politik zunehmend auf offene Ohren stößt, wie dieser Tage die Haushaltsdebatte zeigte. Klieve verlangt von den Beteiligungsgesellschaften in den kommenden Jahren Millionenbeträge. So sollen die Tochtergesellschaften unter dem Dach der städtischen Holding EVV im Jahr 2019 ihr wirtschaftliches Ergebnis um nicht weniger als 30 Millionen Euro verbessern. Wie das gelingen soll, ist den Verantwortlichen bei der EVV schleierhaft. Als größter Verlustbringer unter den Stadttöchtern muss sich die Evag aber darauf einstellen, dass ihr Verlust nicht mehr wie bisher in der EVV ausgeglichen wird. 2013 fuhr die Evag einen Verlust von 67 Millionen ein. Soll das Defizit sinken, gehe das nicht, ohne dass beim Angebot massiv gekürzt werde, heißt es. Nach WAZ-Informationen hat die Geschäftsführung den Aufsichtsrat bereits auf diverse Kürzungsvorschläge eingestimmt. Teilnehmer der Runde sprechen von Horrorszenarien.

Beispiele? Die Schnellbuslinie SB 14 von Heisingen in die Innenstadt wird eingestellt, ebenso die Buslinie 177 zwischen Kupferdreh und Steele, schließlich fährt dort auch eine S-Bahn. Die Buslinie 142 von Kettwig fährt nicht mehr über Bredeney bis nach Rellinghausen, sondern endet am Grugabad, denn dort können Fahrgäste in die U-Bahn umsteigen. Zusätzliche Busse, wie sie heute allmorgendlich eingesetzt werden, um Schüler zu transportieren, blieben in den Depots.

Diese Kürzungsliste lässt sich fortsetzen. Unterm Strich bliebe fast jeder vierte Bus, der heute fährt, auf der Strecke.

Noch sind das wohlgemerkt nur Gedankenspiele vor einem allerdings sehr realen Hintergrund. Sollte es so kommen, könnte die Evag ihre Kosten senken - um bis zu 18 Millionen Euro pro Jahr. Dass die Kürzungen Fahrgäste aber nicht gerade animieren dürften, mit Bus und Bahn zu fahren, liegt auf der Hand. Die Evag hat auch das gedanklich durchgespielt: Wird auf den Tramlinien ein 15-Minuten-Takt eingeführt, ginge es in den Bahnen zu wie in einer Sardinenbüchse. Nicht nur für Rollstuhlfahrer oder Kinderwagen gäbe es keinen Platz mehr, im Berufsverkehr kämen viele Fahrgäste gar nicht mehr hinein in die Bahn. Auf der Straßenbahnlinie 105 beträfe dies im Berufsverkehr rechnerisch täglich zwischen 300 und 350 Fahrgäste; sie blieben an den Bahnsteigen zurück.

Wer kann, steigt aufs Auto um. Auch das wäre keine Überraschung. Die Evag hat deshalb Einnahmen gegengerechnet, die dem Unternehmen durch die Lappen gehen, sollten die Kürzungsszenarien umgesetzt werden. Unterm Strich könnten sich die Einsparungen auf fünf Millionen reduzieren.

Das alles steht radikal im Widerspruch zu Verlautbarungen, wonach die Stadt den Anteil des Öffentlichen Nahverkehrs in den kommenden Jahren von 19 auf 25 Prozent erhöhen will. Daraus dürfte nichts werden. Es sei denn, die Politik zieht doch noch die Notbremse.

 
 

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