Bedenken und kein Geld: wohl keine Pfandringe in Essen

Soll Flaschensammlern die Arbeit erleichtern: der Pfandring, in dem man leere Flaschen oder Dosen abstellen kann.
Soll Flaschensammlern die Arbeit erleichtern: der Pfandring, in dem man leere Flaschen oder Dosen abstellen kann.
Foto: dpa
Pfandringe sollen Bedürftigen ersparen, im Müll nach Leergut zu wühlen. Darum werben Politiker für ein Pilotprojekt. Die Entsorgungsbetriebe sind skeptisch.

Essen. Die Stadt wird in absehbarer Zeit wohl keine Pfandringe an Abfalltonnen oder Laternenpfählen anbringen. In diesen Haltern können Pfandflaschen abgestellt werden, damit Bedürftige nicht im Müll nach Leergut wühlen müssen. Die Idee klingt gut, doch ihre Umsetzung birgt allerlei Tücken und verursacht nicht unerhebliche Kosten.

Oft landet Müll in den Pfandringen

Darauf hoben die Entsorgungsbetriebe Essen (EBE) in einer Stellungnahme für den Ordnungsausschuss ab, der sich jetzt mit dem Thema befasste. „Erstmal müsste geklärt werden, wer Anschaffung, Pflege und Wartung der Ringe bezahlt“, sagt EBE-Sprecherin Bettina Hellenkamp. Der Preis hänge vom Modell ab, eine Größenordnung von 200 Euro pro Stück sei wohl realistisch.

Fraglich sei auch, wo man die Pfandringe in Essen überhaupt anbringen könne: „Unsere Papierkörbe werden für die Leerung abgemacht und umgekippt – wenn da ein Pfandring befestigt ist, fallen die Flaschen mit heraus.“ Man könne auf Laternenpfähle ausweichen, doch dürfe der Ring dann nicht etwa in einen Radweg ragen – wegen der Unfallgefahr. Das klinge vielleicht entlegen, doch wer die Ringe anbringe, sollte solche Haftungsfragen klären. Das gelte auch für den Fall, dass die Halterung verbogen werde und sich anschließend jemand daran verletze.

Und bei Pilotprojekten in Städten wie Berlin oder Bamberg habe man beobachtet, dass in den Pfandringen oft so genannter Wurfmüll von der Zigarettenkippe bis zum Pappbecher lande. Auch für dessen Beseitigung müsste die Stadt die Entsorgungsbetriebe beauftragen – und bezahlen. „Pfandringe sind keine kommunale Pflichtaufgabe – das ist Kür“, sagt Hellenkamp. Fraglich also, ob es da ein Okay des Kämmerers für das Projekt gäbe.

Köln hat Projekt beendet

Das klingt ernüchternd, vor allem wenn man an den Elan denkt, mit dem etwa die Initiative „Essen packt an“ (EPA) für die Ringe geworben hat. „Wir wollen den Flaschensammlern mehr Würde geben“, warb EPA-Sprecher Markus Pajonk. „Außerdem geht es um mehr Hygiene und den Schutz vor Verletzungen.“ Ein sympathischer Ansatz findet auch Bettina Hellenkamp: „Aber wenn die Flaschen auf dem Präsentierteller stehen, langen womöglich auch Jugendliche, Spaßvögel oder gar organisierte Bettlerbanden zu und verderben Flaschensammlern ihr Geschäft.“

Erfahrungen andernorts bestätigten, dass nicht nur die Zielgruppe zugreife. An einzelnen Standorten landeten gar keine Flaschen in den Ringen, oder es wurde dort Sperrgut wie Farbeimer abgestellt. Köln habe das Projekt beendet, Hamburg habe sich wegen der geringen Nutzung gegen eine Ausweitung entschieden und erst im Juli habe Freiburg einen Versuch abgebrochen. „Es fragt sich, ob Essen das auch noch testen muss.“

Sponsoren könnten Tests bezahlen

Ja, findet der grüne Ratsherr Rolf Fliß. Der Ordnungsausschuss habe die Einwände durchaus ernstgenommen und sehe, dass die Stadt kein Geld für das Experiment habe. „Aber es gibt so viele Initiativen, die sich für die Pfandringe stark machen, die könnten vielleicht dafür spenden. Oder es finden sich Sponsoren für einen Feldversuch in einzelnen Stadtteilen.“ Organisiert werden könne soetwas über die Bezirksvertretungen. Fürsprecher von SPD, Grünen und Piraten seien einig gewesen: „Lasst uns das Projekt nicht sofort beerdigen.“

 
 

EURE FAVORITEN