Baumkontrolleure arbeiten sich in Essener Nebenstraßen vor

Marcus Schymiczek
Am Pramenweg in Essen-Kray werden durch den Sturm verursachte Schäden beseitigt.
Am Pramenweg in Essen-Kray werden durch den Sturm verursachte Schäden beseitigt.
Foto: Sebastian Konopka / WAZ FotoPool
400 Kilometer an Hauptverkehrsstraßen haben die Baumkontrolleure in Essen hinter sich, 1200 Kilometer haben sie noch vor sich: Weil die Gefahr durch brüchige Äste noch längst nicht gebannt ist, kontrollieren Trupps nun auch in den Nebentraßen. Die Stadt bittet dabei Anwohner um Mithilfe.

Essen. Mehr als drei Monate sind vergangen, seit Sturmtief „Ela“ über Essen hinweg gebraust ist. Zwar sind die ärgsten Schäden im Straßenbild inzwischen beseitigt, doch Entwarnung mag Essens Ordnungsdezernent Christian Kromberg noch nicht geben. Nach wie vor drohe an vielen Straßen Gefahr durch lose Ästen und brüchige Baumkronen. Baum für Baum nehmen die Kontrolleure des städtischen Eigenbetriebes Grün und Gruga deshalb in Augenschein.

Rund 400 Straßenkilometer entlang der Hauptverkehrsadern haben die Trupps bereits abgefahren. Nun arbeiten sie sich in die vielen, vielen Nebenstraßen vor. „Noch mehr als bisher sind wir auf die Unterstützung der Bevölkerung angewiesen“, betont Christian Kromberg.

Die Anwohner in Holsterhausen werden die ersten sein: Am Nachmittag des morgigen Donnerstag, 18. September, wird die Stadt an der Bunsenstraße, an der Liebigstraße und an der Lauensteinstraße neue Schilder aufstellen, die eigens für die bevorstehenden Kontrollen angefertigt wurden. Anlieger werden aufgefordert, ihre Autos nicht vor den Häusern zu parken, denn die würden die Arbeiten behindern und könnten durch herabfallende Äste beschädigt werden.

"Freiwilliges Parkverbot" für die Anwohner

Die Aufforderung ist unverbindlich und nicht zu vergleichen mit einem Parkverbot gemäß der Straßenverkehrsordnung, sondern eine Bitte. Grün und Gruga baut auf das Entgegenkommen der Bürger und verspricht sich davon, beim großen Aufräumen schneller voran zu kommen, denn der Herbst naht und die Tage werden kürzer. „Wir setzen auf Mund-zu-Mund-Propaganda der Anwohner“, sagt Bernd Schmidt-Knop von Grün und Gruga. Sollte die Bitte bei Anwohnern kein Gehör finden, wird das Amt für Straßen und Verkehr wie bislang üblich Parkverbote erlassen. Wer dagegen verstößt, wird abgeschleppt. Mehr als 400 Mal rückten Abschleppwagen bereits aus.

Die entsprechenden Schilder müssen drei Tage vor Inkrafttreten des Verbotes stehen, so verlangt es die Rechtsprechung. Diese Zeit würde Grün und Gruga gerne effektiver nutzen, deshalb das Parkverbot auf freiwilliger Basis. Ob es funktioniert, wird zunächst zwei Wochen lang in Holsterhausen und in Stoppenberg getestet, um im Erfolgsfall nach dem selben Prinzip in allen anderen Stadtteilen zu verfahren.

Insgesamt liegen noch 1200 Straßenkilometern vor den Baum-Kontrolleuren. Auch danach ist ein Ende nicht in Sicht. Noch darf die Hälfte der 760 städtischen Grünanlagen nicht betreten werden. Bis die Spazierwege in den Wäldern wieder freigegeben werden, wird es nach Einschätzung von Bernd Schmidt-Knop noch Monate dauern.