Baudezernentin jubelte öffentlich mit Gegnern des Messe-Umbaus

Essens Bau- und Umweltdezernentin Simone Raskob jubelte im Panoptikum mit den Gegnern des Messe-Umbaus - zwischen Grünen-Fraktionschefin Hiltrud Schmutzler-Jäger (links) dem Bundestagsabgeordneten Kai Gehring (Mitte) und Dunja Briese (rechts). Foto: Sebastian Konopka
Essens Bau- und Umweltdezernentin Simone Raskob jubelte im Panoptikum mit den Gegnern des Messe-Umbaus - zwischen Grünen-Fraktionschefin Hiltrud Schmutzler-Jäger (links) dem Bundestagsabgeordneten Kai Gehring (Mitte) und Dunja Briese (rechts). Foto: Sebastian Konopka
Ein Foto von Essens jubelnder Bau- und Umweltdezernentin Simone Raskob inmitten der Messe-Umbaugegner im „Panoptikum“ sorgt nach dem Bürgerentscheid für Diskussionen im Rathaus. Darf die das? Und ob die das darf. Wenngleich es aus dem Umfeld des Oberbürgermeisters hieß, die Stadtspitze sei nicht allzu erbaut ob des Signals an Baubranche und Industrievertreter.

Essen. Die Freude ist groß und sie ist ehrlich: Kaum haben die im „Panoptikum“ versammelten Messe-Umbaugegner den Sieg sicher, klatscht sich die grüne Fraktionschefin Hiltrud Schmutzler-Jäger mit ihrer Parteifreundin Dunja Briese ab. Das Auge des Betrachters folgt ihren Händen, die sich in dem bisschen verbliebener Kneipen-Luft mitten über dem Kopf des applaudierenden Bundestagsabgeordneten Kai Gehring treffen – und bleibt dann verwundert hängen: Das ist doch nicht? Doch. Das ist sie, die städtische Beigeordnete Simone Raskob, Bau- und Umweltdezernentin, die zwischen Spannung und Spaß zu schwingen scheint. Ihr anzunehmender Jubeljauchzer mag im allgemeinen Sonntagabend-Trubel am Gerlingplatz untergegangen sein. Ihren von Euphorie gezeichneten Gesichtsausdruck aber hat der Fotograf Sebastian Konopka im Bild festgehalten. Zu doll gefreut, Frau Raskob?

Mancher meint schon. Die Szene avancierte am Montag schnell zum Diskussionsthema auf den Rathausfluren und machte auch vor den Türen der Chefetage nicht halt,wo die Klatsche vom Vorabend noch längst nicht verdaut war. Dahinter gab man sich angeblich nicht allzu erbaut darüber, eine der Seinen in den Reihen der Anderen entdeckt zu haben, hieß es aus dem Umfeld des Oberbürgermeisters, dem eh nicht das beste Verhältnis zu seiner Beigeordneten nachgesagt wird. Ausgerechnet Raskob also, die als Dezernentin für die Messe-Modernisierung zuständig ist. Was für ein Signal – in die Baubranche, an die Industrievertreter, an die Kreishandwerkerschaft.

Dezernenten wohnen Auszählung bei

Mein Gott, was ist schon dabei, meinten Moderate, wenn eine parteilose Ressortchefin, die keinen Hehl daraus macht, den Grünen nahe zu stehen, eine Kneipe besucht, in der Genossen, Grüne & Co., Meier und Müller ihr Bier trinken. Zumal zeitgleich mindestens drei weitere Dezernenten der Auszählung der Stimmen bei den Messe-Befürwortern in Rüttenscheid beiwohnen. Doch dort wäre die Reaktion anders ausgefallen: Selbst wenn Raskobs Kollegen angestachelt von einem „ProMesse“-Sieg vor lauter Begeisterung sprichwörtlich aus der Hose gesprungen wären, hätte wohl kein Hahn wirklich danach gekräht. Doch darf ein Mitglied des städtischen Verwaltungsvorstands, der – manchmal mehr, manchmal weniger erfolgreich – eine gemeinsame Linie in der Öffentlichkeit vertreten soll, darf sich also Simone Raskob einen solchen Auftritt bei den Messegegnern leisten, während die Messe-Befürworter eine derbe Niederlage einstecken müssen?

Offiziell gab’s zu derart atmosphärisch dichten Fragen kein erhellendes Wort aus dem Rathaus. Nur so viel: „Es gilt die Einheit der Verwaltung und wenn es diesbezüglich etwas zu besprechen gibt, wird der Oberbürgermeister dies mit Frau Raskob besprechen“, sagte Stadtsprecherin Nicole Mause.

"In welcher Funktion jemand da ist"

Das hat Reinhard Paß nach NRZ-Informationen zumindest am Montag nicht getan. Sollte es noch eine Aussprache geben, dürfte sie indes weitgehend folgenlos für die erst vor kurzem für weitere acht Jahre bestätigte Dezernentin bleiben. Denn dass selbst eine politische Beamtin als Privatperson an Veranstaltungen ihrer Wahl teilnehmen darf, so lange die nicht gegen Recht und Gesetz verstoßen, stehe personalrechtlich außer Frage, heißt es im Rathaus: „Es kommt nur darauf an, in welcher Funktion jemand da ist.“

Doch vielleicht wäre es im Fall Raskob taktisch schlauer gewesen, stiller zu genießen. So wie ein weiterer Dezernent es aus den Reihen der städtischen Verwaltungsspitze nach NRZ-Informationen getan hat: Der schrieb den jubelnden Siegern des Messe-Bürgerentscheids eine mobile Glückwunsch-Nachricht. Doch die blieb den allermeisten bis heute verborgen.

 
 

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