Bau des Medizinischen Zentrums des Uni-Klinikums in Essen sorgt für Ärger

Marcus Schymiczek
Der Neubau des Medizinischen Zentrums am Klinikum Essen.  Foto: Oliver Müller / WAZ FotoPool
Der Neubau des Medizinischen Zentrums am Klinikum Essen. Foto: Oliver Müller / WAZ FotoPool
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Fast drei Jahre nach der ursprünglich geplanten Fertigstellung ist das neue Medizinische Zentrum des Uni-Klinikums noch nicht bezogen. Der Grund sind Mängel bei der Bauausführung. Sie sind inzwischen ein Fall für das Finanzministerium des Landes.

Essen. Fast drei Jahre nach der ursprünglich geplanten Fertigstellung ist das neue Medizinische Zentrum des Uni-Klinikums noch nicht bezogen. Der Grund sind Mängel bei der Bauausführung. Sie sind inzwischen ein Fall für das Finanzministerium des Landes.

An den Wänden des großzügigen Foyers hängt moderne Kunst. Der Empfang ist zwar nicht besetzt, aber das Personal wird wohl im Haus unterwegs sein. Ja, von außen betrachtet wirkt das Medizinisches Zentrum des Universitätsklinikums wie ein schmuckes neues Klinikgebäude, Eines, in dem Patienten gut aufgehoben sind und das Besucher willkommen heißt. Nichts deutet auf den ersten Blick darauf hin, dass hier etwas nicht stimmen könnte. Merkwürdig nur, dass sich die gläsernen Schiebetüren einfach nicht öffnen wollen. Warum? Es gibt „Risse im Fundament“.

Um die Gründe ranken sich allerlei Gerüchte

Hinter den Kulissen sorgt der an der Einfahrt zum Klinikum gelegene massige Neubau für mächtig Ärger. Im April 2006 hatte der landeseigene Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) mit der Errichtung des Medizinischen Zentrums begonnen. Im April 2008 sollte das 157-Betten-Haus gleich vier Fachkliniken aufnehmen. Heute, fast drei Jahre später, steht der Besucher vor verschlossenen Türen, ist der millionenschwere Neubau noch immer nicht bezogen.

Um die Gründe ranken sich auf dem Klinik-Campus allerlei Gerüchte. Von Schlamperei ist die Rede, von Pfusch am Bau. Jeder private Bauherr wäre wohl längst pleite und läge mit seinem Bauträger vor Gericht. Das Universitätsklinikum aber gibt sich auf Anfrage zugeknöpft und verweist auf die zuständige BLB-Niederlassung in Duisburg; wie das Klinikum ist der BLB eine Einrichtung des Landes.

BLB-Niederlassungsleiter Lutz Grimsel spricht von „Ausführungsmängeln“ wie es sie bei jeder Baumaßnahme gebe. Nur geht es im Medizinischen Zentrum offenkundig nicht um schiefe Fußleisten oder um die falsche Farbwahl bei den Tapeten. Dafür spricht allein die erhebliche Zeitverzögerung. Bei der Inbetriebnahme der technischen Gewerke müsse „nachgesteuert“ werden, heißt es. Gemeint sind Lüftung, Klima- und Heizungstechnik. Keine Peanuts also.

BLB schweigt über Kosten

Über die Kosten schweigt sich der BLB aus. 52 Millionen Euro sollte der Neubau ursprünglich kosten. Etwaige Mehrausgaben seien abhängig von den Verhandlungen mit den beteiligten Unternehmen. Diese gestalten sich offenbar schwierig. Mit „einigen der Firmen“ steht der BLB nach eigenen Angaben vor einem Rechtsstreit. Pech und Pleiten setzen sich damit nahtlos fort. Schon der Baustart stand unter keinem guten Stern. Laut BLB warfen erst Fels und Bombenfunde im Baugrund den Zeitplan über den Haufen, dann brachten europaweite Ausschreibungen für Rohbau und Fassade nicht die gewünschten Ergebnisse.

Inzwischen sind die Bauverzögerungen ein Fall für das Finanzministerium, der Aufsichtsbehörde der BLB. Im Laufe des Jahres will der Landesbetrieb das Medizinische Zentrum dem Uni-Klinikum übergeben. Die vier Fachkliniken müssen sich mit dem Umzug also weiter gedulden.

Drei der vier Facheinrichtungen sind in der „Medizinischen Klinik“ untergebracht, einem Bau von 1940. Das altersschwache Gebäude soll abgerissen und durch den zweiten Bauabschnitt des Medizinischen Zentrums ersetzt werden. Nicht durch den Bau- und Liegenschaftsbetrieb. Diesen Neubau will das Uni-Klinikum in eigener Regie stemmen.